Freiburger Erklärung Deutsche Priester rebellieren gegen den Papst

Sie protestieren mit ihrer Unterschrift: 177 Priester und Diakone fordern in einer Erklärung die katholische Kirche auf, erneut verheirateten Geschiedenen künftig das Abendmahl zu gewähren. Deutschlands Katholikenchef Zollitsch droht den Rebellen mit harten Sanktionen.

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Papst Bendikt XVI.: "Immer wieder vertagt"
dapd

Papst Bendikt XVI.: "Immer wieder vertagt"


Der deutsche Katholikenchef Robert Zollitsch droht, gegen mehr als 177 Priester und Diakone seines Erzbistums hart vorzugehen. Seine Untergebenen hatten sich erst vor wenigen Tagen in einer Erklärung offen zum Ungehorsam bekannt. Dabei geht es den rebellischen Priestern vor allem darum, dass sie Katholiken, die nach einer Scheidung erneut geheiratet haben, das Abendmahl austeilen wollen. Dies ist laut Kirchenrecht verboten, in Wahrheit jedoch gängige Praxis in vielen Gemeinden und nur eine von vielen Reformforderungen, die vom deutschen Papst Benedikt XVI. in Rom abgelehnt werden.

Die 177 Priester bezichtigen sich aber ausdrücklich, gegen die Order von oben zu handeln. Ein solches Bekenntnis hat es in dieser Dimension in Deutschland bislang noch nicht gegeben. Zollitsch und sein Generalvikar Fridolin Keck haben die Priester nun eindringlich ermahnt, ihre Unterschrift zurückzuziehen.

In dem Schreiben an jeden einzelnen der 177 ungehorsamen Priester heißt es drohend: "Ausdrücklich muss ich Sie darauf hinweisen, dass unsere Erzdiözese keine generelle und undifferenzierte Praxis billigen kann, die eigenmächtig gegen Vorgaben der Weltkirche verstößt." Mit der Unterschrift unter das Memorandum hätten sich die Pfarrer "bewusst über das geltende Kirchenrecht hinweggesetzt", dies sei "unangemessen und nicht hilfreich".

"Unbarmherziges Verhalten gegenüber gutwilligen Katholiken"

Im Namen von Erzbischof Zollitsch, so fordert es Generalvikar Keck, "bitte ich Sie, das Dokument nicht zu unterzeichnen beziehungsweise eine gegebene Unterschrift zurückzuziehen." Die Webseite der Rebellenpriester zeigt seit heute Nachmittag das Ergebnis des Drucks von oben live an. Um 16.30 Uhr zeigte sie 177 Unterzeichner, von denen einer seine Unterschrift zurückgezogen hat.

Die Initiatoren des Priester-Memorandums wollen sich weiter zur Wehr setzen und werfen Papst und Kirche ein unbarmherziges Verhalten gegenüber gutwilligen Katholiken vor, denen mit dem Abendmahl bis ans Lebensende das vielleicht wichtigste Sakrament für Gläubige verweigert wird. Wozu soll ich da noch Sonntags in die Kirche kommen? Das fragen sich schon lange die Betroffenen. "Die Menschen in den Gemeinden sollen erkennen, wo wir stehen", einigten sich die 13 Initiatoren und bekennen sich weiterhin dazu, trotz des Drucks auch erneut verheirateten Geschiedenen die Kommunion zu erteilen.

Ein Freiburger Pfarrer verweist auf den Fall einer Katholikin, die vor rund 50 Jahren ihre erste Ehe eingegangen war. Schon nach einem Jahr zerbrach die Beziehung; bald darauf fand die Frau einen neuen Mann. Mit dem ist sie nun schon fast fünf Jahrzehnte lang verheiratet, darf aber nicht mehr zur Kommunion. Er teile deswegen, obwohl illegal, "mit gutem Gewissen" den Leib Christi auch an solche Katholiken aus.

Ein immer wieder vertagtes Problem

Ein 86-Jähriger, der erst vor kurzem sein diamantenes Priesterjubiläum feierte, ist auch mit dabei. Um der Menschen und der Kirche willen hält er eine Reform für "dringend notwendig". Den unseligen Zustand, den außerhalb der Kirche ohnehin niemand verstehe, dürfe man nicht länger aufrecht erhalten. Das Problem habe die Kirche "immer wieder vertagt", sagt ein anderer Unterzeichner. Der Reformstau in der katholischen Kirche sei inzwischen immens hoch.

Doch Papst Benedikt XVI. hat erst vor kurzem alle Hoffnung zunichte gemacht, dass die Kirche den Ausschluss erneut verheirateter Geschiedener von der Kommunion überdenken könnte. Die Verweigerung sei "ein großes Leiden der heutigen Kirche", doch die Kirche habe keine Patentrezepte dagegen.

Pfarrer Konrad Irslinger aus Freiburg zeigt sich von dem Drohbrief nicht überrascht. "Jeder Pfarrer ist Manns genug sich zu entscheiden, was die Stunde ist." Er kennt Priester, die sich erst nach dem Lesen des Briefes von Zollitsch und Keck ausdrücklich zur Unterschrift entschlossen haben.

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