Tödlicher Unfall an A7-Brücke "Es stehen alle Fachleute hier und sind sprachlos"

Nach dem tödlichen Unfall an einer Autobahnbrücke in Unterfranken laufen die Ermittlungen zur Unglücksursache. Der getötete Bauarbeiter war ein 38-Jähriger Mann aus Kroatien

DPA/ Hajo Dietz/ Nürnberg Luftbild

Mehr als 150 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk waren im Einsatz, dazu Hubschrauber und Hundestaffeln: Nach dem Unfall an einer Autobahnbrücke bei Werneck in Unterfranken ist der Rettungseinsatz inzwischen beendet.

Ermittler gehen eigenen Angaben zufolge davon aus, dass sich unter den Trümmerteilen keine Menschen mehr befinden. Mittlerweile ist auch die Identität des beim Einsturz in Unterfranken getöteten Bauarbeiters geklärt. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, handelt es sich um einen 38 Jahre alten Mann aus Kroatien.

Unterdessen ist auch bekannt, welche Baufirma den Neubau der Brücke für die A7 ausführt. Wie die Firma der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, führt das Unternehmen Max Bögl im Auftrag der Autobahndirektion Nordbayern die Bauarbeiten aus. Eine Sprecherin der Firma aus Neumarkt in der Oberpfalz wollte sich zunächst nicht weiter äußern, kündigte aber eine Erklärung an.

Am Mittwochnachmittag waren ein Gerüst sowie ein frisch betoniertes Teil am Neubau der Talbrücke Schraudenbach für die viel befahrene Autobahn 7 abgestürzt. Ein Bauarbeiter kam dabei ums Leben, elf weitere wurden schwer verletzt, wie die Polizei und das Bayerisches Rote Kreuz (BRK) mitteilten.

Unklarheit gibt es noch zur Zahl der Leichtverletzten: Das BRK spricht von zehn Leichtverletzten, die Polizei von drei betroffenen Bauarbeitern und einem Schaulustigen, der mit seinem Motorrad gestürzt sei.

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Brückeneinsturz in Unterfranken: Großeinsatz an der A7

Inzwischen ist die Baustelle gesichert, sie würde nun behandelt "wie ein Tatort, an dem nichts verändert werden kann", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. "Die Kripo Schweinfurt führt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Schweinfurt und dem Gewerbeaufsichtsamt die Ermittlungen zur Ursache des Betriebsunfalls", heißt es in der Mitteilung des Präsidiums.

Noch in der Nacht seien weitere Informationen gesammelt worden, um mögliche Fehler zu erörtern, sagte ein Polizeisprecher. Was das Unglück verursacht habe, könne jedoch noch nicht gesagt werden. Die Talbrücke nahe Werneck im Landkreis Schweinfurt wird seit 2015 neu gebaut, danach soll die alte Brücke an der wichtigen Nord-Süd-Verbindung A7 abgerissen werden.

"Wir sollten keine Unsicherheit verbreiten"

Inzwischen läuft der Verkehr über die A7 an der Unglücksstelle wieder normal, nachdem Schaulustige dort am Mittwoch einen Stau verursacht hatten. Der Verkehr führt über die alte Brücke neben dem Neubau, weswegen diese Strecke nicht direkt betroffen ist, wie ein Polizeisprecher erläuterte.

Die Polizei habe alles abgesichert und sichergestellt, "dass nichts beiseite geräumt werden kann", sagte Gerhard Eck, Staatssekretär im bayerischen Innen-, Bau- und Verkehrsministerium. Der CSU-Politiker warnte vor falschen Schlüssen und Panik - vor allem in Bezug auf Hunderte ähnliche Baustellen in Deutschland. "Wir sollten keine Unsicherheit verbreiten."

Es müsse nun sorgsam aufgearbeitet werden, was genau passiert ist. "Wenn's denn dann Fehler waren, menschliche Fehler, technische Fehler, dann muss das einfach bis ins feinste Detail geklärt sein", sagte Eck. Danach könne über weitere Konsequenzen gesprochen werden.

Sachverständige und Vertreter der Baufirma waren nach Ecks Angaben noch am Mittwochabend zum Unfallort gekommen. Bei der Baustelle handle es sich um ein sogenanntes aufgelagertes Betoniersystem. "Dass so was abstürzt, ist völlig unerklärlich", sagte Eck - er ist selbst gelernter Maurer und Leiter eines Bauplanungsbüros.

"Ich hab sowas noch nie gesehen, so was noch nie erlebt, ein richtiges Trümmerfeld, wie wenn in einem Gebäude die Bomben einschlagen." Die Baufirma genieße einen "einwandfreien Ruf", sagte Eck. "Es stehen alle Fachleute hier und sind sprachlos."

aar/mxw/dpa

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