Gaffer bei Unfall auf der A8 Polizei prüft Meldung zu geöffneter Rettungswagentür

Bei einem Unfall bei Pforzheim gab es heftige Probleme mit Gaffern. Doch öffneten diese auch die Tür des Rettungswagens? An dieser ersten Darstellung der Polizei gibt es Zweifel.

Unfallstelle auf der A8
DPA/ SDMG

Unfallstelle auf der A8


Ein Lastwagen auf der A8 fährt auf einen anderen Lkw auf. Der Fahrer des hinteren Fahrzeugs stirbt noch am Unfallort, der andere Fahrer wird vor Ort versorgt und kommt verletzt ins Krankenhaus: Die Meldung über diesen Unfall löste Empörung aus, weil es in der Polizeimitteilung hieß, Schaulustige hätten die Tür des Rettungswagens geöffnet, "um den Verletzten aus der Nähe zu betrachten und möglicherweise auch fotografieren zu können".

An diesem Teil der Schilderung gibt es Zweifel. Der Kreisverband Pforzheim-Enzkreis des Roten Kreuzes teilte auf Facebook mit, Gaffer hätten keine Tür geöffnet.

Auch die Polizei ist mittlerweile zurückhaltender. Die Angabe beruhte auf der Aussage eines Polizisten, dem dies nach eigenen Angaben von einer Rettungskraft mitgeteilt worden war. Bislang habe keine Rettungskraft das Öffnen einer Tür durch Gaffer bestätigt.

Ein Missverständnis oder Übermittlungsfehler

Laut Raphael Fiedler, Sprecher der Polizei Karlsruhe, blieb der Polizist am Vormittag bei seiner Darstellung. Eine Rettungskraft sei auf ihn zugekommen und habe um Hilfe gebeten, weil die Tür eines Rettungswagens geöffnet worden sei. "Ich will nicht ausschließen, dass ein Missverständnis oder ein Übermittlungsfehler passiert ist", sagte Fiedler.

Das könnte tatsächlich der Grund für die unterschiedlichen Versionen von Polizei und Rotem Kreuz sein. Daniela Kneis, Sprecherin des DRK-Kreisverbands, teilte auf Anfrage mit, dass eine Mitarbeiterin in einem Gespräch mit einem Beamten beiläufig gesagt habe: "Es fehlt nur noch, dass die Gaffer direkt in den Rettungswagen einsteigen, um Fotos zu machen."

Die DRK-Helferin bezog sich laut Kneis darauf, dass jedes Mal, wenn eine Rettungskraft die Tür des Einsatzfahrzeugs geöffnet habe, Schaulustige näher herangetreten seien, um in das Fahrzeug zu schauen. "Wir gehen davon aus, dass die Äußerung der Rettungsdienstmitarbeiterin missverstanden wurde", hieß es.

Am Abend teilte das DRK auf Facebook mit, inzwischen haben sich ein Zeuge gemeldet, "der wiederum bestätigte, dass sich mindestens zwei zivil gekleidete Personen in unmittelbarer Nähe des Krankenwagens aufhielten". Er habe jedoch nicht sagen können, wer die Türen öffnete.

Die Polizei will die DRK-Mitarbeiter befragen, um die Sache zu klären.

"Massive Probleme mit Gaffern"

Dass aufdringliche Schaulustige den Einsatz behinderten, ist indes unbestritten. "Wir haben massive Probleme mit Gaffern gehabt", sagte Fiedler. Bei dem Einsatz erteilte die Polizei fünf Platzverweise. Laut Fiedler waren einige Gaffer vor Ort, auch schon, als der Unfallort noch nicht abgesperrt war. Einige von ihnen seien zwischen den Einsatzkräften umhergelaufen, andere hätten in geringer Entfernung gestanden. Um ihnen den Blick zu verwehren, habe man Sichtschutzwände aufgestellt.

Auch das DRK berichtete auf Facebook von Gaffern, die "negativ aufgefallen" seien. Sie hätten von einem Hügel direkt neben dem Rettungswagen das Geschehen beobachtet, teilte Kneis mit. Als man das Fahrzeug umparken wollte, hätten "die Schaulustigen nur zögerlich Platz gemacht".

Die Polizei ließ laut Fiedler von vier Smartphones Aufnahmen löschen, die unter anderem Details der Unfallfahrzeuge zeigten. Zwei Personen hätten einem Polizisten erzählt, sie seien im Stau aus ihrem Auto ausgestiegen und zwei Kilometer zur Unfallstelle gelaufen. Später wollten sie sich von ihrem Fahrer, der im Wagen zurückgeblieben sei, abholen lassen. "Das zeigt, dass manche Leute kein Fingerspitzengefühl haben", sagte Fiedler.

bbr/ulz

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