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Mitarbeiter bei Abercrombie & Fitch: Seid makellos!

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Michael Jeffries ist Chef der Kultmarke Abercrombie & Fitch und ein Kontrollfreak. Wer an Bord seines Jets arbeitet, muss nach der Firma riechen, rasiert sein, Flipflops tragen, seine Wortwahl bedenken - und wissen, wann weiße und wann schwarze Handschuhe anzulegen sind.

Regeln des A&F-Firmenchefs: Tragt Flipflops und Boxershorts Fotos
DPA

Man kann sich gar nicht recht entscheiden, was unangenehmer ist. Den Chef in Flipflops zu bedienen? Sich die Sitzordnung für seine Hunde zu merken? Einen Wintermantel erst anlegen zu dürfen, wenn die Temperaturen unter die Zehn-Grad-Marke fallen? Oder regelmäßig "Take Me Home" von Phil Collins hören zu müssen?

Wer als Steward in dem Privatjet von Michael Jeffries arbeitet, darf sich diese Fragen nicht stellen. Der 68-Jährige ist Chef der Modefirma Abercrombie & Fitch (A&F), er hat den Ruf als Kontrollfreak und nicht zuletzt deshalb ist seine Firma vor allem eins: hip. In den Filialen wummert Disco-Musik, der hauseigene Parfumgeruch liegt in der Luft, Jalousien verhindern, dass gar zu viel Licht in die heiligen Verkaufshallen dringt. Das Personal besteht zu einem großen Teil aus Models, die nicht dafür bezahlt werden, zerkrumpelte Kleidung zu sortieren, sondern dafür, jung und schön zu sein. A&F verkauft Kleidung, vor allem aber ein Lebensgefühl von ewiger Jugend, Schönheit, Makellosigkeit.

Und warum sollte nur das Personal in den Läden Jeffries' Vorstellungen entsprechen? Deshalb gibt es auch für seine Jet-Crew klare Regeln. Sie sind festgehalten in einem mehr als 40-Seiten-Handbuch, aus dem "Bloomberg News" zitiert.

Demnach müssen die Männer rasiert zur Arbeit erscheinen, ihre Uniform besteht aus Flip-Flops, Boxershorts und Polo-Hemden. Hausmarke, versteht sich. Wird das Silber serviert, müssen schwarze Handschuhe getragen werden; für das Tischdecken tun es die weißen. Duften müssen die Herren dabei nach dem Firmenduft, ein Spritzer genügt.

Wenn Chef Jeffries, sein Partner Matthew Smith oder sonstige Gäste eine Aufgabe für das Personal haben, hat dieses mit "kein Problem" zu antworten und nicht etwa mit "Sicher" oder "einen Moment", berichtet "Bloomberg News".

Die vier Männer, die an Bord des Jets für das richtige Ambiente sorgen, wurden demnach von "Cosmopolitan Management LLC" vermittelt. "Aussehen macht tatsächlich einen Unterschied", steht auf der Internetseite der Agentur. Ihre gut ausgebildeten Mitarbeiter würden bei jedem Event für den nötigen Look sorgen.

Die Elch-Marke

Öffentlich wurde das Jet-Regelwerk nur, weil ein 55 Jahre alter Pilot seinen ehemaligen Arbeitgeber verklagte. Michael Stephen Bustin behauptet, wegen seines Alters gefeuert und durch einen Jüngeren ersetzt worden zu sein. In dem Prozess wurden laut "Guardian" zahlreiche Akten veröffentlicht, die die Kontrollsucht von Jeffries belegen sollen. Es ist nicht das erste Mal, dass er juristische Probleme hat.

T-Shirts mit Sprüchen wie "Do I make you look fat?" (Lass ich dich fett aussehen?) oder "Good girls drink quickly" (Gute Mädchen trinken schnell) sorgen regelmäßig für Kritik: Jugendliche würden dadurch in die Mager- oder Alkoholsucht getrieben, heißt es dann. 2003 verklagten US-Bürgerrechtsgruppen A&F im Namen von 10.000 erfolglosen Stellenbewerbern. Der Vorwurf: Das Unternehmen stelle nur Weiße ein. Es folgte eine gütliche Einigung, A&F zahlte den Klägern 40 Millionen Dollar. 2005 ging eine Londoner Mitarbeiterin vor Gericht, weil Abercrombie sie vom Verkaufsraum ins Lager verbannt habe. Sie hatte wegen ihrer Unterarmprothese eine Strickjacke getragen - und damit gegen die interne Kleiderordnung verstoßen.

Dem Image der Marke haben solche Vorfälle nicht geschadet. Die Shirts mit dem eingestickten Elch gelten als Statussymbol, auch in Deutschland. Nach Düsseldorf und Hamburg öffnet am 25. Oktober die nächste Filiale in München. Nur die Bilanzen sahen zuletzt nicht allzu rosig aus, wie "Bloomberg" berichtet.

Vielleicht ist es gerade dann umso schöner, wenn wenigstens im Privat-Jet alles nach Plan läuft.

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insgesamt 98 Beiträge
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1.
wobbitwz 20.10.2012
Kleider machen Leute! Leider nehmen das noch immer all zu viele Menschen allzu ernst!
2. Irgendwie krank.
TS_Alien 20.10.2012
Dass solch ein "Konzept" funktioniert, zeigt nur, dass ein Teil der Menschen, die sich momentan auf der Erde befinden, hoffnungslos verblödet ist. Das trifft auf die Mitarbeiter (wer macht solch einen Unsinn mit?) und insbesondere auf die Kunden dieser Firma zu.
3. Trend
sanhe 20.10.2012
Was hier zugespitzt suggeriert wird: Du bist nur etwas, wenn du jung und gutaussehend bist und über einen makellosen Körper verfügst. Kein Wunder, dass da so viele Menschen depressiv werden, sobald o.g. Parameter nicht mehr gegeben sind bzw. vergangen sind.
4.
urban4fun 20.10.2012
Zitat von sysopDPAMichael Jeffries ist Chef der Kultmarke Abercrombie & Fitch und ein Kontrollfreak. Wer an Bord seines Jets arbeitet, muss nach der Firma riechen, rasiert sein, Flipflops tragen, seine Wortwahl bedenken - und wissen, wann weiße und wann schwarze Handschuhe anzulegen sind. Abercrombie & Fitch: Michael Jeffries strenge Regeln fürs Personal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/abercrombie-fitch-michael-jeffries-strenge-regeln-fuers-personal-a-862340.html)
Danke für diesen Artikel. Jetzt weiß ich, welche Klamotten ich in Zukunft NICHT kaufen werde.
5.
chalchiuhtlicue 20.10.2012
Wer Kleidung einer bestimmten Marke trägt, um dem Zeitgeist zu entsprechen und "hip" zu sein, der tut mir leid. Ich wähle meine Kleidung danach aus, was MIR gefällt und vor allem wie die Verarbeitungsqualität ist und nicht nach Firmenlogo.
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