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Hundeschwimmen als Abspeck-Kur: Ach, du dicker Hund!

Von Sophia Münder

Wenn der Hund zu dick ist, sind Herrchen und Frauchen meist nicht ganz unschuldig. Im Hundeschwimmbad in Isernhagen bekommen beide ihr Fett weg: Die Hunde beim Wassertreten, die Besitzer bei der Tiertherapeutin.

SPIEGEL ONLINE

Isernhagen - Sammys Trainingsplan könnte auch der eines Hollywood-Stars sein: Erst läuft er 20 Minuten auf einem gefluteten Laufband gegen den Widerstand des Wassers an, dann schwimmt er ein paar Runden. Nach Muskelauf- und Fettabbau wird auf einer Magnetfeldmatte entspannt. Nur: Sammy ist nicht Gwyneth Paltrow. Sammy ist ein Hund.

Bei einer Rückenhöhe von 64 cm wiegt er 46,8 Kilo - der Labrador-Retriever hat Übergewicht. Sechs Kilo sollen runter. Mindestens. Seit Oktober letzten Jahres bringt seine Besitzerin ihn deshalb zum Hundeschwimmen zu den "Bewegungshelfern" nach Isernhagen bei Hannover.

Die Tierphysiotherapeutin Anne-Marie Bestehorn betreibt hier eines der wenigen Hundeschwimmbäder in Deutschland. Ein Kilo hat Sammy schon abgenommen. In Amerika sei es gang und gäbe, den Hund zum Schwimmen zu schicken, sagt sie. Die kleine Industriehalle, in der das Schwimmbad steht, gleicht einem Fitnesstempel, das Angebot dem einer Wellnessfarm für Menschen: von der klassischen Massage, über Chiropraktik bis hin zur Blutegeltherapie. Hier ist alles auf das Wohlbefinden des Vierbeiners ausgerichtet - oder auf das, was Hundehalter dafür halten. Und das Konzept ist erfolgreich: Rund 50 Behandlungstermine hat die Tiertherapeutin nach eigenen Angaben pro Woche.

Was auch mit einer Hundefutter-Diät und ein paar zusätzlichen Waldspaziergängen getan wäre, wird hier aufwendig zelebriert. Und nicht nur die Hunde sollen sich wohlfühlen: Während sie im Wasser planschen oder unter der Wärmelampe schlummern, können Herrchen und Frauchen in Korbsesseln Platz nehmen, einen Kaffee trinken und in der "Landlust" blättern.

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Hundeschwimmbad: Wenn der Vierbeiner zu dick ist
Auf dem Unterwasserlaufband läuft Sammy gegen die Pfunde an. "Das schont die Gelenke und stellt ein normales Gangbild wieder her", sagt Bestehorn. Denn viele Hunde seien nicht nur zu dick. Sie würden auch schlurfen und nicht mehr natürlich gehen. Im Hundeschwimmbad darf Sammy dann einem Ball hinterherjagen - der Labrador liebt das Wasser.

Damit er nicht untergeht, ist um seinen Bauch eine orangefarbene Schwimmweste geschnallt. Wegen seines Übergewichts ist er auch kurzatmig und die Therapeutin muss darauf achten, dass er sich nicht übernimmt. Hinterher darf er sich auf eine Magnetfeldmatte legen. Das helfe gegen den Muskelkater und trage zur Erholung des Tieres bei.

Problem Mensch

Eigentlich der perfekte Abnehmplan. Wäre da nicht Sammys Besitzerin, die ihm jeden Wunsch von seinen großen, dunklen Hundeaugen abliest. "Ich kann ihm einfach nichts abschlagen", sagt Angelika Gerlach. Während der Labrador auf dem Laufband grazil die Beine hebt, füttert sie ihn zur Belohnung mit Leckerlis. Sie hoffe, die seien kalorienreduziert, sagt die Tiertherapeutin - die Besitzerin druckst rum.

Immer wieder habe sie ihr gesagt, sie dürfe ihm nicht so viel zu fressen geben, sagt Bestehorn. Zwei Dosen Futter bekam der fünfjährige Rüde am Tag - die Hälfte würde reichen. "Wenn wir nicht so viel tun würden, wäre er noch viel dicker", sagt die Tiertherapeutin.

Tierärztin Meike Völker aus Burgdorf bei Hannover hat häufig mit übergewichtigen Hunden zu tun. "Wenn die großen Kulleraugen einen angucken, setzt der Menschenverstand aus."

Rund zwölf Prozent der vierbeinigen Patienten, die zu den "Bewegungshelfern" kommen, sind zu dick. Die Unterwassertherapie helfe nicht nur gegen Übergewicht. Viele Hunde hätten ein Gelenk- oder Hüftleiden. Hier könnten sie gelenkschonend trainieren, sagt Tiertherapeutin Bestehorn.

Zweimal die Woche bringt Angelika Gerlach ihren Sammy ins Hundeschwimmbad. Das sei schon eine Liebe, sagt die Rentnerin. Und die lässt sie sich einiges kosten. Eine Zehnerkarte für eine halbe Stunde Treten und Schwimmen kostet 260 Euro. Einmal im Monat bringt sie den Hund zusätzlich zum Osteopathen.

"Die Leute können ihrem Tier einfach nicht wiederstehen, sie tun alles für ihr Tier", sagt Tiertherapeutin Bestehorn. Wenn Sammy aus dem Wasser kommt, legt ihm seine Besitzerin seinen blauen Hundebademantel um, den sie extra für ihn gekauft hat. Dann legt er sich zur Magnetfeldtherapie auf die Matte. "Wenn es dem Hund gutgeht, geht es uns gut", sagt Gerlach.

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