Absturz von AF 447 Ermittler stellen Bergungsarbeiten ein

Sechs Wochen lang tauchten sie immer wieder, nun haben die Ermittler die Bergungsarbeiten am Absturzort von Flug AF 447 eingestellt. Die Unglücksursache ist noch unklar, doch laut einem Zeitungsbericht geht die französische Regierung von einem Pilotenfehler aus.

Bergungsarbeiten im Atlantik: Dutzende Leichen bleiben am Meeresgrund
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Bergungsarbeiten im Atlantik: Dutzende Leichen bleiben am Meeresgrund


Paris - Das Bergungsschiff "Ile de Sein" mit Leichen und Wrackteilen an Bord ist bereits auf dem Rückweg nach Frankreich: Sechs Wochen nach dem ersten Tauchgang haben die Ermittler die Bergungsarbeiten am Absturzort des Air-France-Flugs AF 447 im Atlantik eingestellt. Insgesamt bargen die Experten 104 Leichen aus dem Wrack des Flugzeugs, das vor zwei Jahren auf dem Weg von Rio nach Paris abgestürzt war.

Die "Ile de Sein" wird im Lauf der nächsten Woche in der französischen Hafenstadt Bayonne erwartet. Die Leichen sollen in ein gerichtsmedizinisches Institut gebracht und identifiziert werden. Welches Institut die schwierige Aufgabe übernimmt, teilte die Luftfahrtermittlungsbehörde BEA nicht mit.

Die Experten hatten Anfang Mai zunächst zwei tote Passagiere aus dem Flugzeugwrack geborgen. Ein Labor in Frankreich prüfte dann, ob die Leichen anhand ihres genetischen Materials noch identifiziert werden können. Als das bestätigt war, wurden weitere 102 Opfer aus knapp 4000 Metern Tiefe geholt. Mit den Hinterbliebenen einigten sich die Ermittler darauf, dass entstellte Leichenauf dem Meeresgrund bleiben sollen.

Der Airbus war am 1. Juni 2009 abgestürzt. 228 Menschen kamen ums Leben, darunter 28 Deutsche. Fünfzig Tote waren nach dem Unglück im Wasser treibend gefunden worden.

Die beiden Flugschreiber der Maschine wurden ebenfalls erst Anfang Mai geborgen. Laut einer ersten Auswertung des Stimmenrekorders stürzte das Flugzeug in einer Schlechtwetterfront innerhalb von dreieinhalb Minutenab. Am Steuer saß der Co-Pilot, da der Flugkapitän sich ausruhte und erst ins Cockpit gerufen werden musste.

Die genaue Absturzursache ist aber nach wie vor unklar. Ende Juli will die Luftfahrtermittlungsbehörde BEA dazu einen Bericht vorlegen. Erste Ermittlungen ergaben, dass die Geschwindigkeitssensoren nicht richtig funktionierten. Das allein kann aber laut Experten den Absturz nicht erklären. Gegen die Fluggesellschaft Air France und den Flugzeugbauer Airbus laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.

Doch auch die Piloten gerieten zuletzt ins Visier der Ermittler. Laut einem Zeitungsbericht geht die französische Regierung eindeutig von einem Pilotenfehler aus. "Die Verantwortung liegt zu fünf Prozent beim Flugzeug und zu 95 Prozent bei der Crew", zitiert das Magazin "L'Express" aus Regierungskreisen. Es sei Experten unverständlich, warum die Piloten von Flug AF 447 die Maschine nach oben gezogen haben, obwohl sie es nach unten hätten steuern müssen.

"Selbst in den letzten 20 Sekunden vor dem Absturz, in denen jeder Pilot ein paar Worte an seine Familie sagen würde, die vom Flugschreiber aufgezeichnet werden, hatten die Piloten der Rio-Paris-Maschine nichts gemerkt", hieß es weiter. "Es ist, als ob ein Autofahrer einen Platten hat, ihn repariert und ihn dann für einen Unfall zehn Kilometer weiter verantwortlich macht", sagte ein ungenannter Mitarbeiter des Verkehrsministeriums dem Bericht zufolge.

hut/AFP/dpa

insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
hwolf@gmx.net 08.06.2011
1. Unlogisch
Zitat von sysopSechs Wochen lang*tauchten sie immer wieder,*nun haben die Ermittler die Bergungsarbeiten am Absturzort von Flug AF 447 eingestellt. Die Unglücksursache ist noch unklar, doch*laut einem Zeitungsbericht geht die französische Regierung von einem Pilotenfehler aus. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,767426,00.html
"Es sei Experten unverständlich, warum die Piloten von Flug AF 447 die Maschine nach oben gezogen haben, obwohl sie es nach unten hätten steuern müssen." Ich halte das für eine bewusste Fehlinformation der Öffentlichkeit. Ich vermute eher, dass hier wieder einmal Kapitalinteressen (Airbus) geschützt werden sollen und die Schuld auf das schwächste Glied (Piloten) geschoben wird. Kein Pilot wird die Maschine nach oben ziehen, wenn sie nach unter gesteuert werden müsste. Piloten sind keine Selbstmörder. Ein fehlerhaftes Manöver kann nur aufgrund irreführender Instrumentenanzeigen erfolgt sein. Und das ist ein technisches Problem (Airbus).
fuzzi-vom-dienst 08.06.2011
2.
Hat hier jemand ernsthaft ein anderes "Ergebnis" erwartet??? Ich bin in den letzten 14 Jahren mehrfach mit A 330 / A 340 geflogen. Die Maschinen gefallen mir einfach nicht; es ist mehr ein Bauchgefühl, ich kann es technisch nicht begründen. Und es ist natürlich einfach, den toten Piloten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Werte Mitforisten, die Ihr jetzt vielleicht über meinen Beitrag dumme Kommentare schreiben werdet: Lesen sie bitte mal "Runter kommen sie immer" und da speziell das Kapitel mit dem fatalen "TELELOADING"; allein DAS spricht schon Bände über die computer-überzogene Airbus-Technologie, die eher Wahnvorstellungen entspricht. Die erste Mondlandung glückte nur, weil die Handsteuerung Vorrang hatte; sonst wären heute Armstrong und Aldrin die ersten außerirdisch Bestatteten!
hubert heiser 08.06.2011
3.
[QUOTE aus dem Artiel] Laut einem Zeitungsbericht geht die französische Regierung eindeutig von einem Pilotenfehler aus. [/QUOTE] Sicher erscheint das Verhalten der Piloten merkwürdig. Ich bezweifele aber, dass die Regierung mehr weiß als, das, was von der BEA bisher veröffentlicht wurde. Insbesondere die Daten des Flugschreibers fehlen noch. Niemand kann ausschließen, dass da noch eine Überraschung kommt. Ich warte mit meinem Urteil jedenfalls auf den Bericht der BEA (zumal ich es nicht für unwahrscheinlich halte, dass die Meinung der frz. Regierung eher interessen- als faktengetrieben ist).
Hajojunge 08.06.2011
4. Nun schiebt man also die Schuld den Piloten in die Schuhe
Sie sind ja auch tot und können sich nicht mehr verteidigen. Man könnte allerdings auch die Ursache in der übercomputerisierten Mensch-Maschine-Schnittstelle sehen, die den richtigen Eingriff der Piloten durch falsche Informationsaufbereitung verhindert hat. Und in der fehlerhaften Konstruktion der Pitotsonden. In einem heftigen Unwetter fallen die Geschwindigkeitsmesser zeitweise durch Vereisung aus. Nach dem dadurch verursachten Abschalten des Autopiloten gerät die Maschine in eine extreme Fluglage. Das sollte nicht sein, alle Steuerorgane müßten doch erstmal in ihrer Stellung verbleiben, wenn auf Handsteuerung umgeschaltet wird. So kenne ich es aus der Industrieautomation. Die Piloten wissen nun nicht mehr, was oben und unten ist, fliegen auch noch sehr hoch, wo die Luft dünn ist und der Stall früh einsetzt. Dann verbleibt auch noch die Trimmung bei 13°. Warum? War das dem Piloten überhaupt klar? Ich behaupte mal, dass der B777 so etwas nicht passiert wäre, denn sie hat, soweit ich es diversen Foren entnehmen konnte, noch eine Steuerungsebene, die unter Umgehung aller möglichen elektronischen Verriegelungen eine Handsteuerung zuläßt. Fachleute mögen mich korrigieren. Beispiele für die Überzüchtung der Elektronik bei Airbus: Bei der Landung in Warschau gibt es Aquaplanig, die Auslösung der Schubumkehr wird durch die noch stehenden Räder blockiert, die Maschine rast über die Piste hinaus. 2 Tote. In Hamburg wird im Airbus bei heftigem Seitenwind nach kurzem Aufsetzen der Seitenruderausschlag begrenzt, weil fälschlicherweise die Landung signalisiert wird. Dass die Pilotin die Kiste nach dem Touchieren der Landebahn mit der Tragfläche noch einfing, ist eine reife Leistung. In jedem Falle müßte bei unangemessener Reaktion der Computersteuerung eine Overridefunktion für die Piloten gegeben sein. Zeit zum Studium des Handbuches gibt es nämlich nicht. Ich bin die Strecke im Frühjahr mit der B 777 geflogen. Südlich der Kanaren bis Brasilien 4 Stunden heftigste Turbulenzen, dunkle Nacht, Blitze. Hätte ich in der A 330 gesessen, wäre mir noch mulmiger gewesen.
Konstruktor 08.06.2011
5. .
Zitat von hwolf@gmx.net"Es sei Experten unverständlich, warum die Piloten von Flug AF 447 die Maschine nach oben gezogen haben, obwohl sie es nach unten hätten steuern müssen." Ich halte das für eine bewusste Fehlinformation der Öffentlichkeit. Ich vermute eher, dass hier wieder einmal Kapitalinteressen (Airbus) geschützt werden sollen und die Schuld auf das schwächste Glied (Piloten) geschoben wird. Kein Pilot wird die Maschine nach oben ziehen, wenn sie nach unter gesteuert werden müsste. Piloten sind keine Selbstmörder. Ein fehlerhaftes Manöver kann nur aufgrund irreführender Instrumentenanzeigen erfolgt sein. Und das ist ein technisches Problem (Airbus).
Schön wär's, wenn das Leben so einfach wäre. Die Bedienungsbefehle der Piloten sind aber im Datenrekorder aufgezeichnet und tatsächlich haben die Piloten offenbar fast durchgehend nach oben gezogen und damit einen Strömungsabriß provoziert und ihn dann auch noch aufrechterhalten, anstatt ihn wieder abzufangen. Das hat auch fast sicher nichts mit "selbstmörderischen" Absichten zu tun, sondern sehr viel wahrscheinlicher mit Fehleinschätzungen der Situation. Wobei auch diese wiederum durch fehlerhafte System-Anzeigen mitverursacht sein können. Dafür gibt es aber bisher meines Wissens noch keine Anzeichen (der zeitweise Ausfall der Geschwindigkeitsanzeitge alleine ist noch kein fatales Problem, sondern gehört zu den normalerweise trainierten Situationen). Heutzutage ist bei den meisten Abstürzen menschliches Versagen mindestens eine Teilursache. Aber oft wird eben auch die Technik weiterentwickelt, um Fehleinschätzungen und Fehlbedienungen immer unwahrscheinlicher zu machen. Das ist aber nicht trivial.
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