Abtreibungsdebatte in den USA: Die Hexenjagd geht wieder los

Von , New York

Abtreibungen sind in den USA seit fast 40 Jahren erlaubt, der soziale und politische Konflikt schien längst beigelegt. Trotzdem wird die Debatte im Wahlkampf nun heftiger geführt denn je. Das Nachsehen haben die Frauen.

Abtreibungsdebatte: Der Kampf ums Recht am eigenen Körper Fotos
REUTERS

Norma McCorvey war 17, als sie ihr erstes Kind bekam. Die Texanerin wuchs in widrigen Verhältnissen auf, geprägt von Alkohol, Drogen und Gewalt. Ihr zweites Baby gab sie zur Adoption frei. Als sie mit 21 ein drittes Mal schwanger wurde, wollte sie abtreiben.

Doch das war damals verboten. Mit Hilfe von zwei Anwältinnen klagte McCorvey ihr Recht ein - unter dem Pseudonym "Jane Roe". Ihr Fall quälte sich durch alle Instanzen, bis er schließlich vor dem Obersten US-Gerichtshof landete. Da hatte McCorvey das Kind längst.

Der Supreme Court entschied dennoch zu ihren Gunsten: Das US-Abtreibungsverbot verstoße gegen das Verfassungsrecht auf Privatsphäre. Das Urteil unter dem Namen "Roe v. Wade" - Bezirksstaatsanwalt Henry Wade vertrat die Gegenseite - schrieb Geschichte: Es legalisierte Schwangerschaftsabbrüche in den USA.

Das war im Januar 1973. Die Debatte war damit noch lange nicht beendet. Immer wieder kochte der Streit zwischen den Abtreibungsgegnern ("pro-life") und -befürwortern ("pro-choice") verstärkt hoch.

Der "Krieg um die Abtreibung" eskaliert

Fast 40 Jahre nach dem Grundsatzurteil ist die Abtreibung plötzlich wieder zu einem Reizthema geworden - und hat nun selbst US-Präsident Barack Obama in die Zwickmühle gebracht.

Der "Abtreibungskrieg" ("New York Times") eskaliert an mehreren Fronten zugleich. Die Republikaner spielen die Sache neuerdings zum Wahlkampf-Politikum hoch: Sie lehnen die Abtreibung ab, weil für sie menschliches Leben bereits mit der Zeugung beginnt.

Zugleich haben Abtreibungsgegner in etlichen Bundesstaaten Siege erzielt, die es den jeweiligen Regierungen ermöglichen, das zentrale Abtreibungsrecht zu umgehen.

Auch die Kirchen mobilisieren neu. All das setzt private Gruppen, Institutionen und Ärzte unter Druck - selbst wenn die nur am Rande mit Schwangerschaftsabbrüchen zu tun haben.

Jüngstes Opfer: Planned Parenthood, die US-Schwesterorganisation der deutschen Pro Familia, geriet vorige Woche ins Kreuzfeuer. Das Nachsehen haben die Frauen.

Die Republikaner verteufeln Planned Parenthood seit jeher als "Abtreibungslobby". Dabei bietet die Organisation vor allem Krebsvorsorge, Sexualberatung, Sozialhilfe und HIV-Tests an. Die 329.445 Schwangerschaftsabbrüche, die Planned Parenthood in 2010 durchführte, machten nur drei Prozent ihrer Dienstleistungen aus.

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1. immer die Sichtweise betrachten
grana 09.02.2012
Zitat von sysopAbtreibungen sind in den USA seit fast 40 Jahren erlaubt, der soziale und politische Konflikt schien längst beigelegt. Trotzdem wird die Debatte im Wahlkampf nun heftiger geführt denn je. Das Nachsehen haben die Frauen. Abtreibungsdebatte in den USA: Die Hexenjagd geht wieder los - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,814036,00.html)
Naja, seit 40 Jahren haben die ungeborenen Kinder das Nachsehen. Die armen Frauen wirkt ja ganz gut, aber immer weniger in einer Gesellschaft mit gleichberechtigten Partnern. Vielleicht sollte man mal das Auge auf die Kinder richten. (Gleich kommen die Emanzen ;-( )
2.
bigbenx 09.02.2012
Zitat von granaNaja, seit 40 Jahren haben die ungeborenen Kinder das Nachsehen. Die armen Frauen wirkt ja ganz gut, aber immer weniger in einer Gesellschaft mit gleichberechtigten Partnern. Vielleicht sollte man mal das Auge auf die Kinder richten. (Gleich kommen die Emanzen ;-( )
Das Gleiche hab ich mir auch gedacht. Toll, es ist zwar deine Entscheidung, aber auf Kosten eines Lebens! Das ist echt ne tolle Entscheidungsfreiheit, wofür ein Mensch sterben muss. Lieber vorher bischen besser nachdenken und nicht wild durch die Gegend vögeln. Ist eh gesünder, sowohl physisch als auch psychisch. Dazu gibts nen Haufen Studien.
3. schau an
rst2010 09.02.2012
Zitat von sysopAbtreibungen sind in den USA seit fast 40 Jahren erlaubt, der soziale und politische Konflikt schien längst beigelegt. Trotzdem wird die Debatte im Wahlkampf nun heftiger geführt denn je. Das Nachsehen haben die Frauen. Abtreibungsdebatte in den USA: Die Hexenjagd geht wieder los - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,814036,00.html)
bei sowas ist dann selbst bei den reps staatliche einmischung - sonst ein großes pfui - en vogue. merke: eine sau kann man auch mehrmals durchs dorf treiben.
4. Religion
spon-1311436928183 09.02.2012
Zitat von sysopGenerell habe ich die Meinung, dass Religion gefährlich ist, weil sie die Menschen verblödet. Das ist vorrangiges Ziel jeder Religion, denn Aufklärung wirkt jeglichen religiösen Wahnvorstellungen entgegen. Je religiöser Menschen.....
Etwas Religion würde Ihnen gut tun, denn Ihre Klugheit überwältigt uns. Amen
5.
bigbenx 09.02.2012
Zitat von sysopGenerell habe ich die Meinung, dass Religion gefährlich ist, weil sie die Menschen verblödet. Das ist vorrangiges Ziel jeder Religion, denn Aufklärung wirkt jeglichen religiösen Wahnvorstellungen entgegen. Je religiöser Menschen....
Da hat wohl jemand in der Schule nicht aufgepasst. Die Aufklärung wirkt nicht der Religion entgegen. Sie war sogar sehr religiös. Sie wollte eben einen reflektierten Glauben unterstützen und hervorbringen. Sie wollte die die Art zu glauben ändern und nicht die "Religion abschaffen". Das Ziel einer jeden Religion ist die Verblödung der Menschen? Aha. Lächerlich.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.