Nürnberg - Der Deutsche Ärztetag hat in einer "Nürnberger Erklärung" offiziell sein Bedauern über Menschenrechtsverletzungen von Medizinern in der NS-Zeit geäußert: "Wir bekunden unser tiefstes Bedauern darüber, dass Ärzte sich entgegen ihrem Heilauftrag durch vielfache Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben", heißt es in der am Mittwoch verabschiedeten Erklärung. "Wir gedenken der noch lebenden und der bereits verstorbenen Opfer sowie ihrer Nachkommen und bitten sie um Verzeihung."
Nicht nur die Äußerung an sich, auch der Ort des Ärztetages war von Bedeutung: In Nürnberg fanden regelmäßig Reichsparteitage statt, nach dem Krieg wurde das NS-Unrecht in den Nürnberger Prozesse aufgearbeitet.
Die Delegierten seien sich bewusst, dass die gravierendsten Menschenrechtsverletzungen nicht von politischen Instanzen ausgegangen seien, sondern von den Ärzten selbst. "Diese Verbrechen waren auch nicht die Taten einzelner Ärzte", heißt es in der Erklärung. Ebenso seien medizinische Fachgesellschaften, herausragende Vertreter der universitären Medizin sowie renommierte biomedizinische Forschungseinrichtungen beteiligt gewesen.
"Wir erkennen die wesentliche Mitverantwortung von Ärzten an den Unrechtstaten der NS-Medizin an." Der Deutsche Ärztetag verpflichtete sich zudem, die weitere historische Forschung dazu zu fördern und "sowohl in Form finanzieller als auch institutioneller Unterstützung" zu begleiten.
aar/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Nationalsozialismus | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH