Papstwahl-Kandidaten aus Afrika: "Die Hautfarbe spielt keine Rolle"

Von Benjamin Dürr

Papst-Rücktritt: Hoffnung auf afrikanischen Pontifex Fotos
DPA

Auf keinem Kontinent wächst die Zahl der Katholiken schneller und wohl nirgends sind die Menschen so gläubig wie in Afrika. Nun ist die Hoffnung groß, dass endlich ein Afrikaner zum Papst gewählt wird - und im Kampf gegen Aids einen anderen Kurs einschlägt.

Nigeria ist Afrika-Meister - und bald vielleicht auch Papst: Erst am Sonntagabend holte die Nationalmannschaft den Titel beim Afrika-Cup. Am Montag dann kündigte Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt an - und als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge wird außer dem Ghanaer Peter Turkson ein Nigerianer gehandelt.

Entsprechend aufgekratzt reagieren die Medien des Landes. Die Zeitungen schreiben Seite an Seite über den Sieg im Fußball und über den Landsmann, der womöglich bald Pontifex wird, Erzbischof Francis Arinze. "Arinze: der nächste Papst?", fragt etwa die Nachrichtenseite Naij. In den Kommentaren dazu diskutieren die Leser, wie die Chancen für ein schwarzes Kirchenoberhaupt stehen.

Denn Afrikas Katholiken sind gespalten: Einerseits spüren sie, dass es Zeit ist für einen Wechsel. Hoffnung herrscht unter den Gläubigen - dass einer von ihnen die Kirche führt; dass jemand ihre Sorgen und Leiden versteht. Andererseits kennen Afrikas Christen aber auch die Vorbehalte gegenüber einem Papst mit schwarzer Hautfarbe. Immerhin okkupierten Europäer jahrhundertelang den Heiligen Stuhl.

Ein User im Internetforum der nigerianischen Boulevardzeitung "The Punch" schreibt: "Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, ob die Kirche in Rom wirklich noch globale Interessen vertritt oder nur europäische." Ein anderer fragt, ob das Konklave tatsächlich einen Schwarzen wählen könne - "Never, my brother", antwortet ein Dritter.

Ein Papst mit schwarzer Hautfarbe sei möglich, sagt Kevin Dowling, Bischof in Rustenburg in Südafrika. Dowling ist ein liberal eingestellter Geistlicher, der bereits mit Aussagen über Kondome auffiel. "Die Hautfarbe spielt keine Rolle - was die Kirche braucht, ist eine Führungspersönlichkeit, die sich der komplexen, vielfältigen und globalisierten Welt nicht verschließt", sagt er SPIEGEL ONLINE. Ja, auch das Thema Aids könne dazugehören. Tatsächlich ist wohl nirgendwo das Dilemma zwischen kirchlicher Lehre und Realität so groß wie beim Thema Aids und Afrika.

Hoffen auf ein Umdenken

"Ein Papst aus Afrika hätte einen anderen Blick auf die Welt und auf Dinge wie Armut", sagt Dowling. Ob er sich von einem möglichen afrikanischen Papst einen liberaleren Ansatz wünsche, lässt er offen. "Es ist aber klar, dass die Kirche auf moderne Entwicklungen in der Gesellschaft reagieren muss."

Etwa 40 Millionen Menschen weltweit sind mit dem HI-Virus infiziert. Mehr als 60 Prozent davon leben im südlichen Afrika. Jeden Tag sterben allein in der Republik Südafrika knapp tausend Menschen an Aids. Trotzdem wich Papst Benedikt XVI. bis zuletzt nur graduell von der strikten Kondompolitik der Kirche ab, wonach künstliche Verhütungsmittel verwerflich sind.

Stattdessen sagte er nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt 2005 bei einem Treffen mit afrikanischen Bischöfen: "Die traditionelle Lehre der Kirche hat sich als das einzige Mittel erwiesen, die Verbreitung von HIV zu stoppen." Im März 2009 flog Benedikt nach Kamerun - über eine halbe Million Menschen sind dort mit HIV infiziert - und sagte, Aids sei eine Tragödie, könne aber nicht durch die Verteilung von Kondomen bekämpft werden. Erst 2010 rang sich der Pontifex dazu durch, das Kondomverbot zumindest in Ausnahmefällen zu lockern - etwa um die Verbreitung von HIV durch homosexuelle Prostituierte zu verhindern. Als "wirkliche und moralische Lösung" sehe die Kirche Kondome aber nicht.

"Afrika hat eigene Ansprüche"

Zwar gibt es auch in Afrika Amtsträger in der katholischen Kirche, die diese ablehnende Haltung unterstützen. Viele aber hoffen angesichts des täglichen Leids auf ein Umdenken. So sagte Bischof Dowling früher bereits, Kondome seien mit dem Glauben vereinbar, wenn sie gegen Krankheiten eingesetzt würden. Würdenträger wie er predigen einen pragmatischeren Umgang.

Ein schwarzer Papst könnte dem Selbstbewusstsein Afrikas einen Schub geben: "Die Wahl eines Afrikaners wäre eine große Freude für den ganzen Kontinent", sagt William Slattery, der Erzbischof von Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas. Ein schwarzer Papst stünde gleichzeitig auch für die Werte der Afrikaner - "den tiefen Glauben und die Gabe, mit schweren Krisen umzugehen". Käme der künftige Papst aus einem Entwicklungsland, symbolisiere das gleichzeitig die Universalität der Kirche.

Denn die statistischen Verhältnisse haben sich umgekehrt: Während in Europa die Zahl der Kirchenmitglieder seit Jahren fällt, wächst sie in afrikanischen Ländern rasant. Mehr als 176 Millionen Katholiken leben inzwischen in Afrika, und weil die Bevölkerung schnell wächst, nimmt auch die Zahl der Gläubigen immer weiter zu. "Afrika ist ein Kontinent, in dem die Kirche in den vergangenen Jahren sehr stark geworden ist", sagt Pretorias Erzbischof Slattery. "Afrika hat deshalb eigene Ansprüche."

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insgesamt 55 Beiträge
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1. Die Hautfarbe spielt keine Rolle
wavuu 14.02.2013
Wers glaubt wird selig ;-)
2. Was für ein verlogener Mist.
gerkaiser 14.02.2013
Ein Schwarzer ist nicht schwarz und ein Weißer nicht weiß, zumindest darf es nicht mehr so benannt werden und Kinderbücher werden umgeschrieben und Süßigkeiten umbenannt, wegen der political correctness. Aber aus Gleichberechtigung- Quotengründen sollte der nächst Pabst aus Afrika stammen, natürlich spielt die Hautfarbe keine Rolle. Das Bild dazu zegt einen farbigen Bischoff. Nehmen wir dann doch einen nichtschwarzen Pabst aus Südafrika? Oder wäre das wieder nicht politisch korrekt genug? Es kann enem schon die Stimmung verderben wenn man sieht wie sch die Leute verbiegen, weil ein paar Spinner es für diskriminierend halten einen Farbigen farbig, gelb oder Rothaut zu nennen, und einen Negerkuss/Mohrenkopf als solchen zu bezeichnen.
3. schwarzer Papst? - wäre möglich...
atech 14.02.2013
Zitat von sysopNun ist die Hoffnung groß, dass endlich ein Afrikaner zum Papst gewählt wird - und im Kampf gegen Aids einen anderen Kurs einschlägt.
ein schwarzer Papst wäre möglich, dass dieser Papst eine andere Sexualmoral vertritt als Johannes Paul II. oder Benedikt XVI. eher nicht. Es kann gerne jeder selbst die Liste der Kardinäle (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kardin%C3%A4le) durchgehen und nach einem Afrikaner suchen, der nicht den Gebrauch von Kondomen verdammt, der nicht Enthaltsamkeit predigt oder der nicht Abtreibung als Todsünde verdammt. Auch gegen Homosexuelle haben sie alle etwas und Frauen als Priester kommen für diese Herren sowieso nicht in Frage. Peter Turkson (http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Turkson), einer der gegenwärtigen Favoriten, ist da keine Ausnahme. Aber vielleicht habe ich ja einen übersehen...
4. Das entscheiden die Kardinäle
seneca55 14.02.2013
sonst keiner! Abwarten und Tee trinken.
5. Das
saul7 14.02.2013
Zitat von sysopAuf keinem Kontinent wächst die Zahl der Katholiken schneller, und wohl nirgends sind die Menschen so gläubig wie in Afrika. Nun ist die Hoffnung groß, dass endlich ein Afrikaner zum Papst gewählt wird - und im Kampf gegen Aids einen anderen Kurs einschlägt. Afrika hofft auf einen schwarzen Papst - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/afrika-hofft-auf-einen-schwarzen-papst-a-882903.html)
kann ja sein. Aber wenn es schon darum geht, wo die meisten Katholiken weltweit leben, ist in erster Linie mal Lateinamerka zu nennen. Die Zahlen von 2000 sagen aus, dass 91.6% 476 Mio Einwohner katholisch sind. Der Zuwachs liegt nur geringfügig unter dem in Afrika. Dass die Menschen in Afrika gläubiger seien als in Lateinamerika ist eine wahrhaft kühne Behauptung. Die Armut in Lateinamerika steht der in Afrika auch nicht nach. Der Weg sollte frei sein für einen Papst aus Lateinamerika!!
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