"Nutzloser Flüchtling" Herr Hashish ist selbstbewusst

Als Teenager floh Ahmad Hashish aus Syrien und landete in Brandenburg. Dort erregte er mit einem provokanten Buch Aufsehen - heute will er sich nicht mehr an den Vorurteilen vieler Deutscher abarbeiten.

Cover von Hashishs Buch

Cover von Hashishs Buch

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Dieser Text ist Teil der Serie "Im Angstland". Eine Übersicht über alle Artikel finden Sie hier.


Ahmad Hashish ist ein nutzloser Flüchtling. Das sagt der 20-Jährige jedenfalls über sich selbst, genauer: So lautet der Titel seiner Autobiografie, die der Syrer in diesem Jahr veröffentlicht hat.

Hashish ist einer, der keinen Wert darauf legt, in der Öffentlichkeit zu erscheinen, fotografieren lassen mag er sich nicht. Er will seine Botschaft loswerden, also schrieb er sie auf. Sie lautet: Viele Deutsche haben ein grundsätzliches Problem mit Flüchtlingen, weil sie keine Ahnung von der Lebenswelt solcher Menschen haben.

Diesen Vorwurf formulierte der junge Syrer auch in einem polemischen Artikel mit dem Titel "Ihr seid alle Terroristen", den die "Berliner Zeitung" im vergangenen Jahr abdruckte. Seitdem heißt Hashish in rechten Foren "Wut-Flüchtling" oder "Pöbel-Asylant" (mehr darüber erfahren Sie hier).

"Dogmatisch, vielleicht auch dumm"

Hashish ließ sich davon nicht einschüchtern und veröffentlichte seine Autobiografie - obwohl er wusste, dass er mit hasserfüllten Kommentaren in sozialen Netzwerken und auf rechten Portalen rechnen musste. Doch es kam anders.

"Ich habe nur positive Reaktionen bekommen", sagt Hashish heute. Er werde inzwischen kaum noch angefeindet - weder im Internet noch in seinem Wohnort Zeuthen am Südrand Berlins. "Vielleicht haben sich die Deutschen ja einfach ein bisschen an uns gewöhnt", sagt er. Er selbst habe ohnehin entschieden, über die rassistischen Ressentiments anderer Leute einfach nicht mehr nachzudenken.

Ignoranz als Selbstschutz, kann das funktionieren?

Für Hashish offenbar schon. Ihm fallen immer wieder positive Veränderungen im Umgang mit seinen Mitmenschen auf, wie der Gymnasiast erzählt: "Manche Mitschüler sind offener geworden", sagt er, er fühle sich eher als Mensch auf Augenhöhe akzeptiert.

Auf eine grundsätzliche Öffnung der ganzen Gesellschaft will Hashish trotzdem nicht setzen: "Ich glaube, die Leute ändern ihre Meinung zu einer Person, also zu mir, aber nicht zu einer ganzen Gruppe", sagt er. Er habe aufgegeben, daran etwas ändern zu wollen. "Manche Menschen kann man wohl nicht ändern. Viele sind einfach dogmatisch, vielleicht auch dumm."

Hashish sagt das ohne Verbitterung, es klingt abgeklärt, resigniert. Er ist es leid, auf seine Rolle als Flüchtling reduziert zu werden - und sich immer wieder mit Leuten auseinanderzusetzen, deren Vorurteile er wohl nie ändern wird. Im kommenden Jahr, sagt er, werde er das Abitur machen und studieren gehen: "Ich bin selbstbewusster geworden."

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