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Polizist über toten Flüchtlingsjungen: "Ich war am Boden zerstört"

Polizist Ciplak, dreijähriger Syrer Alan Kurdi: Leichnam am Strand angespült Zur Großansicht
AP

Polizist Ciplak, dreijähriger Syrer Alan Kurdi: Leichnam am Strand angespült

Ein türkischer Polizist hob den leblosen Körper von Alan Kurdi am Strand auf und brachte ihn weg. Das Foto ging um die Welt. Nun hat sich der Mann erstmals in einem Interview geäußert: Er habe sehnlichst gehofft, dass der Junge noch lebt.

Die beiden Szenen gingen um die Welt: Die Leiche eines kleinen Jungen liegt am Strand von Bodrum im Wasser, dann trägt ihn ein Polizist weg. Nun hat der Polizist in einem Interview von dem Morgen erzählt. "Als ich mich dem Kleinkind näherte, dachte ich: 'Hoffentlich lebt es noch'", sagte Mehmet Ciplak der Nachrichtenagentur Dogan. "Aber der Junge hat kein Lebenszeichen gezeigt. Ich war am Boden zerstört."

Der dreijährige Alan Kurdi aus Syrien war in der vergangenen Woche auf der Flucht zwischen der Türkei und Griechenland im Meer ertrunken. Sein Körper wurde an der türkischen Küste angespült. Dort entdeckte ihn der Polizist. Er habe selbst einen sechsjährigen Sohn, sagte Ciplak. "Und als ich das Kind sah, dachte ich an meinen eigenen Sohn und versetzte mich in die Lage seines Vaters. Worte können diesen tragischen Anblick nicht beschreiben."

Ciplak nahm die Leiche in die Arme und trug sie davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizeibeamte den Kopf zur Seite dreht, als wolle er dem traurigen Anblick der Kinderleiche entgehen. Er habe nicht bemerkt, dass er fotografiert wurde, sagte Ciplak. "Ich habe nur meine Arbeit gemacht."

Als das Schlepperboot kenterte, starben auch Alans Mutter und sein fünfjähriger Bruder, nur Vater Abdullah Kurdi überlebte. Die Familie wollte ursprünglich zu Verwandten nach Kanada ziehen, bekam aber kein Visum. Daraufhin begab sie sich in die Hand von Schleppern - ein tödlicher Fehler.

Die Mutter und die beiden Kinder wurden inzwischen in ihrer nordsyrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt. Vater Abdullah sagte dem kurdischen Sender Rudaw: "Ich hoffe, dass meine Geschichte die Menschen dazu bringt, den Flüchtlingen mehr zu helfen." In der Türkei wurden vier mutmaßliche Schlepper festgenommen, die für das Bootsunglück verantwortlich sein sollen.

brk/AFP

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