Algerien Christlichen Fastenbrechern droht mehrjährige Haftstrafe

Weil sie im islamischen Fastenmonat Ramadan tagsüber Wasser tranken, müssen zwei Christen aus Nordalgerien sich vor Gericht verantworten. Das Oberhaupt der protestantischen Kirche bezeichnete die Vorwürfe als lächerlich - den beiden Angeklagten drohen bis zu drei Jahre Haft.


Algier - Die Polizei hatte die beiden Algerier am 13. August in dem Ort Ain el Hammam festgenommen. Sie arbeiteten dort auf einer Baustelle und waren während der Fastenzeit beim Trinken beobachtet worden.

Die Justiz leitete ein Verfahren wegen Schädigung der Staatsreligion ein. Vor dem zuständigen Gericht in der Region Tizi Ouzou forderte der Staatsanwalt nun am Dienstag 36 Monate Gefängnis für die Angeklagten. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

"Ich bin optimistisch, was den Ausgang des Verfahrens betrifft", sagte einer der Angeklagten, Hocine Hocini, der Nachrichtenagentur AFP. "Ich bereue nichts, ich bin Christ und ich stehe dazu." Gemeinsam mit seinem Kollegen Salem Fellak, 34, war der 44-jährige Tagelöhner festgenommen worden.

Bereits am Dienstag protestierten zahlreiche Ortsbewohner und Menschenrechtler gegen das Vorgehen der Justiz. Das Oberhaupt der protestantischen Kirche in Algerien, Mustapha Krim, hatte die Angeklagten gegen die seiner Meinung nach "lächerlichen" Anschuldigungen in Schutz genommen. Das Urteil in dem Prozess wird für den 5. Oktober erwartet.

ala/dpa/AFP

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