Alkoholkonsum Jugendlicher: Sucht nach dem Vollrausch

Die Jugend in Deutschland säuft sich teilweise ins Koma, trinkt aber insgesamt so wenig Alkohol wie nie. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Jungen trinken sich mehr als doppelt so häufig in die Bewusstlosigkeit wie Mädchen.

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Alkoholkonsum junger Menschen: Freundeskreis spielt wichtige Rolle

Berlin - Der regelmäßige Griff von Kindern und Jugendlichen zum Alkohol geht in Deutschland zurück, ebenso wie der Anteil der jungen "Komasäufer". Allerdings ist das Rauschtrinken bei Jugendlichen immer noch populär. Das geht aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor. "Alkohol ist nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins bei jungen Menschen", sagt BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. "Beim harten Kern der Risikotrinker gab es im Vergleich zu vorherigen Untersuchungen keine Veränderungen."

2010 tranken deutlich weniger der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig alkoholische Getränke als in den Vorjahren. Während 2004 noch etwa jeder Fünfte (21,2 Prozent) in dieser Altersgruppe angegeben hatte, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken, lag dieser Anteil im vergangenen Jahr bei 12,9 Prozent. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen sank der Anteil der regelmäßigen Alkoholkonsumenten von 43,6 Prozent in 2004 auf 34,5 Prozent im vergangenen Jahr.

Auch die Zahl der sogenannten Binge-Trinker (" Komasäufer") ging in allen untersuchten Altersgruppen leicht zurück. Das ist aber kein Zeichen für Entwarnung. Rauschtrinken sei bei Jugendlichen noch weit verbreitet, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans am Freitag. Wie groß das Problem ist, hatte erst Ende Januar eine Bilanz des Statistischen Bundesamts gezeigt: Demnach waren 2009 rund 26.400 junge Menschen zwischen zehn und 20 Jahren mit Alkoholvergiftungen im Krankenhaus gelandet - ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber 2008 und sogar 178 Prozent mehr als im Jahr 2000.

Die BZgA-Studie versteht unter Binge-Trinken den Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit. Bei dieser Definition gaben 16,7 Prozent der minderjährigen Jugendlichen an, Binge-Trinker zu sein. 2004 waren es 22,6 Prozent. Besonders häufig und viel trinken junge Männer. Bei den 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil der Rauschtrinker bei 49,5 Prozent, bei den Frauen waren es 25,9 Prozent.

Auch bei Minderjährigen gab es deutliche Geschlechterunterschiede: 20,4 Prozent der Jungen, aber nur 12,8 Prozent der Mädchen in der Gruppe von 12 bis 17 Jahren gaben an, einmal im Monat zum Binge-Trinker zu werden. Auch bei den häufigen "Komasäufern", die viermal pro Monat oder öfter viel Alkohol trinken, sind Männer deutlich häufiger vertreten: Mit 7,6 Prozent der Minderjährigen und 18,5 Prozent derjenigen zwischen 18 und 25 Jahren liegt die Quote in beiden Altersgruppen etwa dreimal so hoch wie bei den Frauen.

Die größte Menge reinen Alkohol nehmen Männer zwischen 18 und 21 Jahren zu sich - pro Woche 111 Gramm. Das entspricht etwa 2,75 Litern Bier. Frauen in dieser Altergruppe kommen auf umgerechnet einen Liter.

Je mehr die Freunde trinken, desto mehr trinkt man selbst

Eine potentielle Gefahr stellt der Studie zufolge der Freundeskreis junger Menschen dar. Je mehr dort getrunken wird, umso mehr trinkt man selbst. So sagten 93,6 Prozent der häufigen Binge-Trinker, dass die meisten oder alle ihrer Freunde Alkohol trinken. Von den Teilnehmern, die im Monat vor der Befragung keinen Alkohol getrunken hatten, gaben dagegen nur 38,0 Prozent an, in ihrem Freundeskreis werde Alkohol konsumiert.

Die Studie befragte die Jugendlichen auch nach den Gründen für Alkoholkonsum. Mehr Spaß und weniger Hemmungen wurden am häufigsten genannt. So stimmte mehr als die Hälfte der Befragten den Aussagen zu, mit Alkohol "bin ich lockerer" (57,6 Prozent), "finde ich alles lustiger" (57,6), "bin ich ausgelassener Stimmung" (56,1), "fällt es mir leichter, auf andere zuzugehen" (52,9) und "bin ich nicht mehr schüchtern" (50,7). Bei den häufigen Binge-Trinkern lag die Zustimmung zu den Aussagen bis zu 25 Prozentpunkte höher.

Die repräsentative Stichprobe für die Studie "Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2010" umfasste 7000 Jugendliche und junge Erwachsene. Etwas mehr als die Hälfte der 12- bis 25-Jährigen nahmen im Sommer 2010 an der telefonischen Befragung teil.

ulz

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insgesamt 151 Beiträge
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1. _
M@ESW, 04.02.2011
Zitat von sysopDie Jugend in Deutschland säuft sich teilweise ins Koma, trinkt aber insgesamt so wenig Alkohol wie nie. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Jungen trinken sich mehr als doppelt so häufig in die Bewußtlosigkeit wie Mädchen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,743574,00.html
Ganz klarer Fall für eine Frauenquote! Wo bleiben da die Gleichstellungsbeauftragtinnen?
2. .
FetTerBender 04.02.2011
5 Bier bei einer Gelegenheit = Komasaufen? Diese Definition ist ja Spitze.
3. oooo
inci 04.02.2011
Zitat von FetTerBender5 Bier bei einer Gelegenheit = Komasaufen? Diese Definition ist ja Spitze.
bei fortschreitender hysterie wird das level zur bestimmung von "komasaufen" auf 1 alkoholischen getränk bei einer gelegenheit geschrumpft sein.........
4. deutsche sprache..
esnike 04.02.2011
schwere sprache. lieber autor, vielleicht liege ich falsch, aber meinem sprachgefühl nach muss es heissen: "doppelt so häufig..ALS .." Ihre fassung mit dem WIE bereitet mir irgendwie schmerzen. nix für ungut....
5. Wie wäre es denn
elpaso, 04.02.2011
wenn entweder die Komasäufer selber oder ihre Eltern für die Notfall-Intensivbehandlungen aus eigener Tasche zahlen müßten. Habe gerade vor ein paar Tagen einen interessanten Bericht im Fernsehen gesehen, wo gezeigt wird, daß ein Notfallärzteteam in einem Krankenhaus durch diese verwöhnten und nur funbezogenen Schwachmaten jdedes Wochenende komplett lahmgelegt wird, weil sie nur noch mit diesen vollgesoffenen Teenies beschäftigt sind. Eine Änderung kann man immer nur über den Geldbeutel erzwingen, weil nur das nachhaltig wehtut. Das ist genauso beim Schuleschwänzen, wenn dann die Sozialhilfe gekürzt wird.
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Alter beim ersten Alkoholrausch
Jahr Durchschnitt gesamt Durchschnitt männlich Durchschnitt weiblich
2004 15,5 15,5 15,6
2005 15,7 15,6 15,9
2008 15,7 15,6 15,9
2010 15,9 15,8 15,9
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Alter beim ersten Glas Alkohol
Jahr Durchschnitt gesamt Durchschnitt männlich Durchschnitt weiblich
2004 14,1 13,9 14,2
2005 14,2 14,0 14,3
2008 14,4 14,2 14,5
2010 14,5 14,4 14,6
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung