Debatte in Newtown: "Wir brauchen Waffen, um unsere Kinder zu schützen"

Aus Newtown berichtet Wlada Kolosowa

Newtown galt als idyllische Stadt, bis Adam Lanza 27 Menschen erschoss. Die Leute im Ort sind erschüttert - und uneins bei der Frage, ob schärfere Waffengesetze die Tat verhindert hätten: Einige drängen die Politik zum Handeln. Andere beharren auf Waffen, um sich zu verteidigen.

In den USA ist die Diskussion über schärfere Waffengesetze neu entbrannt. Viele Befürworter härterer Regeln setzen dabei auf US-Präsident Barack Obama, der am Sonntagabend in Newtown an einer Gedenkfeier teilnahm.

Newtown, das sich auf seiner Homepage als "malerische kleine Stadt" preist. Jetzt ist Newtown ein Ort, dessen Name wohl noch über Jahre mit dem grausamen Verbrechen verbunden sein wird, das 27 Menschen das Leben gekostet hat. Der Todesschütze Adam Lanza feuerte mehrfach auf seine Opfer, unter ihnen waren 20 Kinder. "Es ist das Schrecklichste, das ich in mehr als 30 Berufsjahren gesehen habe", sagte der Gerichtsmediziner in Newtown.

Nach der Bluttat diskutiert Amerika über die in vielen Bundesstaaten sehr laxen Waffengesetze - und so diskutieren auch die Leute im 27.000-Einwohner-Ort Newtown. Es ist eine Debatte, bei der die einen argumentieren, der Waffenwahn werde noch mehr Opfer fordern, wenn nicht bald etwas geschehe. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein etwa hat eine Gesetzesinitiative zum Verbot von Sturmgewehren in beiden Kongresskammern angekündigt. Die anderen, Gegner strengerer Auflagen, pochen dagegen auf ihr in der Verfassung garantiertes Recht auf Waffenbesitz. Auch die Mutter des Amokläufers Adam Lanza galt als Waffen-Fan.

So wie Amerika ist auch Newtown bei dieser Frage gespalten - selbst nach dem Massaker. Hier sagen sieben Einwohner des Ortes und der Umgebung, was sie zu den Waffengesetzen denken:

Tamara Doherty

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"Es ist lächerlich, dass wir keine strengeren Waffengesetze haben. Es gibt keinen Grund, warum Privatpersonen wie die Mutter des Täters Waffen solchen Kalibers besitzen. Er war krank, aber wird dürfen es solchen Menschen nicht einfacher machen, andere zu verletzen. Mit einem Messer kann niemand innerhalb weniger Minuten Dutzende Menschen töten. Gesunde Kinder sind mir wichtiger als die Freiheit, Waffen zu besitzen."

Eugene Casivant

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"Kranke Personen kann man nicht davon abhalten, kranke Sachen zu machen. Connecticut hat eines der striktesten Waffengesetze in Amerika - und hat es etwas geholfen? Wir brauchen Waffen, um uns und unsere Kinder zu schützen. Es gibt so viele Situationen, in denen eine Person mit Geistesgegenwart und einer Waffe so viel Böses hätte abwenden können."

Robin Beatty

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"Wir brauchen strengere Waffengesetze, vor allen Dingen, was den Zugang zu den Waffen angeht. Strengere psychologische Prüfungen sind notwendig, mehr Training im Umgang mit den Waffen und ihrer Aufbewahrung. Mein Mann hat ein Gewehr, aber er hat es in einem sicheren Versteck verschlossen. Als unsere Kinder noch zu Hause wohnten, wussten sie nichts davon. Ich hoffe, dass dieses Ereignis etwas verändern wird. Wie viele Tote braucht man noch, damit etwas passiert? Ich arbeitete mit der Direktorin der Sandy-Hook-Grundschule zusammen, als sie die Mitchel-Grundschule in Bethel leitete. Sie war ein Energiebündel, sehr um die Sicherheit an der Schule besorgt und hat Anti-Gewaltprogramme gefördert. Aber gegen solche Waffen, wie der Täter sie trug, hat niemand eine Chance."

James Lareau

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"Wer, außer der Polizei und dem Militär, braucht schon Sturmgewehre? Privatpersonen sollen höchstens Jagdwaffen besitzen dürfen und kleinere Pistolen, um ihre Familie zu schützen. Ich kann immer noch nicht fassen, was in Newtown passiert ist. Ich bin hier aufgewachsen, bin auf die Sandy-Hook-Grundschule gegangen. Ich denke, strengere Waffengesetze hätten die Tat verhindert. Zumindest wäre sie weniger grausam ausgefallen. Sturmgewehre distanzieren einen psychologisch von der Tat, machen das Töten so unpersönlich. Finger auf dem Abzug, das war's. Meine Familie hat keine Waffen zu Hause. Wir haben Kinder, und es gibt zu viele grauenvolle Geschichten, was da alles schief gehen kann. Unser Sohn leidet am Asperger-Syndrom, das auch bei Adam Lanza vermutet wird. Es ist zu riskant."

Denise Miller

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"Man sollte die Tragödie an der Sandy-Hook-Grundschule nicht dazu benutzen, eine politische Diskussion zu eröffnen. Was passiert ist, ist nicht der Fehler unserer Waffengesetze. Die Frage ist: Wie konnte jemand wie Adam Lanza sie ergattern? Wir wissen noch nicht, ob seine Mutter die Waffen ordnungsgemäß aufbewahrte. Sie hatte einen Sohn mit einer Störung - da ist es genauso unverantwortlich, Waffen zu Hause zu haben wie Alkohol in einem Haushalt mit einem Alkoholiker. In Amerika haben wir das Recht, Waffen zu tragen, aber wir haben auch die Pflicht, sorgsam mit ihnen umzugehen. Ein neues Gesetz hilft da nicht. Es ist persönliche Verantwortung."

John Ritskowitz

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"Unsere Gesetze sind viel zu locker. Sprich mal mit einer Mutter, die ein Kind verloren hat, über das Recht auf Waffenbesitz. Ich hoffe, dass die Ereignisse in der Sandy-Hook-Grundschule endlich zu Änderungen führen. In keinem Land gibt es mehr Gewehre pro 100 Einwohner als in Amerika. Wir müssen etwas tun."

Ann S.

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"Solche Tragödien können nicht durch Gesetze verhindert werden. Das Gesetz sagt ja auch: Du sollst nicht töten, trotzdem machen Menschen das. Wer eine Waffe haben will, wird sie bekommen. Der Täter hätte psychologische Hilfe, Liebe und einen starken Glauben gebraucht. Die Waffengesetze in Connecticut sind ohnehin ziemlich streng."

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Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule: Entsetzen in Newtown

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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Die verheerendsten Amokläufe
Amok
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23. Januar 2009: Dendermonde, Belgien
Ein 20-jähriger Belgier ersticht in einer Kindertagesstätte im ostflämischen Dendermonde zwei Kleinkinder und eine Betreuerin. Zehn weitere Kleinkinder und zwei weitere Betreuerinnen werden zum Teil schwer verletzt.
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Mindestens zehn Menschen sterben bei zwei Amokläufen in Salt Lake City und Philadelphia (USA) . Ein Täter eröffnet in einem Einkaufszentrum in Salt Lake City das Feuer und tötet fünf Menschen. Ein Polizist erschießt den Amokläufer.
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2. Oktober 2006: Pennsylvania, USA
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21. März 2005: Red Lake/Minnesota, USA
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26. April 2002: Erfurt
Bei einem Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt tötet der 19-jährige Schüler Robert Steinhäuser binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. Steinhäuser war ein Jahr vor der Tat von der Schule verwiesen worden. Mehr auf der Themenseite...
27. März 2002: Nanterre, Frankreich
Im Pariser Vorort Nanterre erschießt ein Amokläufer acht Menschen. Anschließend springt er aus dem vierten Stock eines Polizeigebäudes in den Tod.
26. September 2001: Zug, Schweiz
Ein Amokläufer dringt in das Kantonsparlament im schweizerischen Zug ein und tötet 14 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst.

8. Juni 2001: Osaka, Japan
Ein 37-jähriger Japaner ersticht in einer Grundschule in der japanischen Stadt Osaka acht Kinder und verletzt 20 weitere zum Teil schwer.
20. April 1999: Littleton/Colorado, USA
Beim Schulmassaker von Littleton stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine Highschool in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen. Mehr auf der Themenseite...
24. März 1998: Jonesboro/Arkansas, USA
Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in Jonesboro im US-Staat Arkansas falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
22. Mai 1997: Brasilien
Im Nordosten Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche Homosexualität .

28./29. April 1996: Tasmanien
35 Menschen fallen dem Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
13. März 1996: Dunblane, Schottland
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
23./24. September 1995: Toulon, Frankreich
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA
Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
Dezember 1989: Montréal , Kanada
An der Polytechnischen Hochschule von Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
18. Juli 1984: Kalifornien, USA
In einem Schnellrestaurant in San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
1. August 1966: Universität von Texas, USA
An der Universität von Texas schießt der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln
Beim Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.