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Prostitutions-Museum in Amsterdam: Die andere Seite des Rotlichts

Amsterdamer Museum: Geheimnisse des Rotlichts Fotos
AP

Amsterdams Rotlichtbezirk hat eine neue Attraktion: In einem ehemaligen Bordell hat das erste Prostitutions-Museum der Niederlande aufgemacht. Die Macher wollen Besuchern eine Frage beantworten: Wie sieht das Geschäft aus Sicht der Frauen aus?

Amsterdam - Eine lasziv tanzende Dame auf einem Videoschirm lockt Besucher in das uralte Grachtenhaus. Über steile Treppchen geht es in eines der Fenster, wie es sie im Amsterdamer Viertel "De Wallen" hundertfach gibt. Im grellen Neonlicht sitzen dort normalerweise Tag und Nacht spärlich bekleidete Frauen auf Barhockern und bieten ihre Dienste an.

Nicht in diesem Fenster, nicht in diesem Haus. Einst war es auch ein Bordell, jetzt ist es das erste Prostitutions-Museum der Niederlande. Das "Red Lights Secrets" wurde gemeinsam mit der Stadt Amsterdam und Vertretern der Prostituierten gestaltet. Die Macher wollen über die Geschichte der Prostitution in den Niederlanden und den Alltag der Prostituierten informieren. So sollen Besucher Einblicke erhalten, die sie normalerweise nur bei einem Besuch im Bordell bekommen würden.

"Ich habe mich immer gefragt, was hinter den Fenstern dieses Viertels tatsächlich geschieht, wie ihre tatsächliche Welt aussieht", sagt Melcher de Wind, einer der Gründer des Museums. "Wir wollen nicht sensationslüstern sein, keine falsche Romantik, aber auch niemanden verurteilen."

Besucher können etwa auf einem der Barhocker Platz nehmen, auf denen sonst Prostituierte hinter Glasscheiben auf Kundschaft warten. In diesem "Konfrontationsraum" sitzen sie vor einem großen Videoschirm und sehen Hunderte Männer ganz nah vorbeilaufen. Sie glotzen, lachen abschätzend, fotografieren.

"Blick auf die Welt der Sexarbeiterinnen"

"Andere Ausstellungen wie zum Beispiel im Erotikmuseum konzentrieren sich auf den Geschlechtsakt, dieses Museum aber erlaubt uns einen Blick auf die Welt der Sexarbeiterinnen - wie es sich beispielsweise anfühlt, hinter dem Fenster zu sein", sagt Amsterdams Prostitutions-Beauftragte Yolanda van Doeveren. Vielleicht, so hofft sie, trägt das Museum auch zu einer Verhaltensänderung mancher Touristen im Rotlichtbezirk bei. "Vielleicht begegnen sie danach den Frauen mit etwas mehr Respekt."

Verborgen hinter einem Vorhang liegen die Arbeitsräume. Das Standardzimmer: schmuddelig und voll gekachelt, eine schmale Pritsche, darauf ein fahles gelbes Handtuch und ein großer Plüschteddy. Gemeinsam mit Interessensverbänden der Sexarbeiterinnen wurden die Zimmer eingerichtet: Haarspray, Küchentücher und Kondome.

Rund 150 Euro Miete muss eine Prostituierte für so ein Kämmerchen bezahlen, für sechs Stunden täglich. Zwischen 30 bis 50 Euro kann sie pro Kunde verdienen, lernt der Besucher. "Wir wollen zeigen, dass Prostituierte ein normaler Beruf ist", sagt de Wind.

Doch die Realität sieht oft anders aus. Nach Schätzungen der Stadt werden viele der rund tausend Frauen zur Arbeit auf den "Wallen" gezwungen, sind Opfer von Frauenhandel und Gewalt.

ulz/dpa/AFP

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