Autodidakt baut Wasserkraftwerk Das Wunder von Rutare

Anastase Tabaro hat kaum Schulbildung und dennoch mit einfachsten Mitteln in Ruanda ein bemerkenswertes Projekt gestemmt: Durch Wasserkraft versorgt der Selfmade-Ingenieur rund 700 Haushalte mit Strom. Für seine Nachbarn ist er ein Held.

DPA

Rutare - Jeden Tag kommen Nachbarn zu Anastase Tabaro, um ihre Handys aufzuladen. Dafür berechnet er ihnen umgerechnet etwa 20 Cent. Dass der 59-Jährige auf diese Weise sein Geld verdienen kann, ist außergewöhnlich. Denn obwohl er nur sechs Jahre zur Schule ging, ist Tabaro Bemerkenswertes gelungen: Er versorgt mit selbstgebauten kleinen Wasserkraftwerken Dörfer in Ruanda mit Strom. So berichtet es die Bildnachrichtenagentur epa, die Tabaro in seiner Heimat Rutare besucht hat, einem Ort rund 45 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kigali.

Dem Bericht zufolge eignete sich Tabaro das Wissen für seine Konstruktion in jahrelangem Selbststudium an. "Ich bin in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo aufgewachsen. In meinem Dorf gab es Strom", erzählte der Autodidakt. Dann sei seine Familie nach Ruanda gezogen, in ein Dorf ohne Elektrizität. "Ich konnte nicht ohne Strom leben, daher begann ich selbst zu forschen."

Tarabo startete nach eigenen Angaben 1990 mit Bau eines Damms und einer Turbine, die einen Generator betreibt. Doch der Bürgerkrieg unterbrach seine Arbeit. 2000 stellte er sein erstes Mini-Wasserkraftwerk fertig, weitere folgten. Nun beliefert er rund 700 Haushalte mit Strom.

"Er ist unser Held", sagt einer der Anwohner von Rutare. "Es ist wie Zauberei. Meine Familie kann nun Radio hören oder einen Film ansehen".

Laut Kumatoo, einer Organisation, die sich afrikanischen Innovationen verschrieben hat, ist auch die Regierung auf Tabaros Leistung aufmerksam geworden. Sie unterstütze die Bewohner nun zusätzlich, heißt es. "Ohne die Hilfe der Regierung wäre es unmöglich gewesen, so zu expandieren", sagt Tabaro. Man brauche aber mehr Geld, um das System weiter auszubauen, "damit unsere Kinder auch abends lernen können und helfen, unser Land voranzubringen".

Regierungsangaben zufolge hatten im vergangenen Jahr nur etwa 14 Prozent der Bevölkerung Ruandas Zugang zu Elektrizität.

hut/dpa

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