Menschenrechte bei Schönheitswettbewerb Miss auf Mission

Anastasia Lin will an der Wahl zur Miss World in China teilnehmen - und sich dort für Menschenrechte einsetzen. Nun sagt sie: Die Volksrepublik wolle sie gar nicht erst ins Land lassen.

AP

Schönheitswettbewerbe sind selten wirklich politisch. Die kommende Wahl zur Miss World in China könnte eine Ausnahme werden - zumindest macht eine Kandidatin schon im Vorfeld mächtig Wirbel: Anastasia Lin, die amtierende Miss World Kanada.

Bereits bei ihrer Wahl im Mai hatte die 25-Jährige Menschenrechte zum zentralen Element ihrer Kampagne gemacht. Seither nutzt Lin jede Möglichkeit, um weiter Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen.

In einem Gastkommentar für die "Washington Post" schrieb sie schon im Juni, dass ihr Vater in China Besuch von Sicherheitsleuten bekommen habe. Er habe sie danach gebeten, ihre Aktivitäten einzustellen - oder er müsse den Kontakt abbrechen. Lin jedoch macht weiter. Sie sprach vor dem US-Kongress über religiöse Verfolgung in China und berichtet nun, da das Miss-World-Finale in China näher rückt, in diversen Interviews von weiteren Repressalien.

Die Wahl findet in einem Monat in der chinesischen Stadt Sanya statt. Lin fürchtet, dass die Volksrepublik sie ausschließen wird. Im Gegensatz zu allen anderen Kandidatinnen, die sie kenne, habe sie bisher einen Brief, der für das Visum unabdingbar ist, nicht bekommen.

Lin, die als 13-Jährige nach Kanada gezogen war, setzt sich unter anderem für Falun Gong ein - eine spirituelle Bewegung, die seit 1999 in China verboten ist. So übernimmt Lin auch in einem Film die Rolle einer inhaftierten Falun-Gong-Anhängerin.

Die kanadische Fraktion des Schönheitswettbewerbs ist nun bemüht, die Wogen zu glätten. Man habe den Miss-World-Veranstaltern zugesichert, dass Lin sich benehmen, auf den Wettbewerb konzentrieren und nichts tun werde, das die Regierung verärgern könnte. Lin selbst bleibt jedoch dabei: "Ich werde nichts Unvernünftiges, Unfriedliches tun. Aber ich werde meine Meinung äußern, das steht fest."

Wenn Lin tatsächlich kein Visum bekommt, wird die Wahl in einem Monat ohne eine Vertreterin Kanadas stattfinden. Eine Vertreterin werde man nicht schicken, teilte Miss World Kanada mit, dafür sei auch die Vorbereitungszeit zu knapp. Die Miss-World-Zentrale in London teilte mit, dass die Veranstaltung auch ohne Lin über die Bühne gehen werde. Die chinesische Botschaft in Kanada ließ eine Anfrage der Nachrichtenagentur AP unbeantwortet.

hut/AP/Reuters

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