Hilfsorganisation in Nigeria Anja Loven und die "Hexenkinder"

Die Dänin Anja Loven kümmert sich in Nigeria um Kinder, die als vermeintliche Hexen gequält und verstoßen wurden. SPIEGEL TV zeigt eine Dokumentation über ihre Arbeit.


Es ist ein Bild, das um die Welt ging: In einem nigerianischen Dorf kniet Anfang 2016 eine blonde Frau neben einem abgemagerten, nackten Jungen, gibt ihm Wasser aus einer Plastikflasche. Die Eltern hatten den Zweijährigen verstoßen, weil sie ihn für ein Hexenkind hielten. "Ich habe schon viele schreckliche Dinge in Nigeria gesehen", sagt Anja Loven, die Frau auf dem Foto. "Aber diese Rettungsmission war die schlimmste."

Loven, 39 Jahre alt, wird das Kind später adoptieren und "Hope" nennen. Hoffnung.

Das Schicksal des Jungen ist kein Einzelfall. Immer wieder werden in Afrika Kinder der Hexerei beschuldigt. Die Gründe sind vielfältig: mal ist es ein Todesfall in der Familie, mal eine schlechte Ernte oder ein verlorener Job. Für die Kinder beginnt dann ein Alptraum. Sie werden verprügelt, verstümmelt oder in bizarren Exorzismusritualen fast zu Tode gefoltert. Manche werden verstoßen, ihnen droht der Hungertod.

Anja Loven hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sich um die "Hexenkinder" zu kümmern. Sie hat dafür eine Hilfsorganisation gegründet und ein Waisenhaus gebaut, das "Land of Hope". In ihrer Einrichtung genießen die Kinder Schutz und können zur Schule gehen. Zurzeit leben dort 59 Jungen und Mädchen. "Ich kann mich natürlich nicht um alle Fälle von angeblichen Hexen kümmern. Und ich weiß, dass ich nicht die Welt retten kann", sagt Loven. "Aber ohne uns wären die Kinder nicht mehr am Leben."

Über Lovens Arbeit in Nigeria hat der dänische Sender DR2 einen Dokumentarfilm produziert. Im SPIEGEL TV Magazin (Sonntag, 22:45 Uhr, RTL) wird er zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen sein.

Der Film zeigt auch eine mittelalterlich anmutende Teufelsaustreibung. Ein Junge muss ein Giftgemisch trinken. "Wenn er sich übergibt, dann gilt er als verhext", erklärt Loven, "wenn er sich nicht übergibt, stirbt er an einer Vergiftung."

Dem geretteten Jungen Hope geht es inzwischen besser. Sprechen kann der Vierjährige zwar noch nicht. Doch Anja Loven ist sich sicher, dass er es irgendwann noch lernen wird. Es besteht Hoffnung.


Die ganze Dokumentation sehen Sie im SPIEGEL TV Magazin, Sonntag, 6. Mai, 22:45 Uhr auf RTL

vöh



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