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"Anonyme Geburt": Verbleib von 200 Babys ungeklärt

Abgegeben, und dann? Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts enthüllt: Von rund einem Fünftel der anonym zur Welt gebrachten Kinder fehlt heute jede Spur. Es mangelt offenbar an Regeln für die Dokumentation solcher Fälle. Jetzt fordern die ersten Politiker Konsequenzen.

Babyklappe in Hamburg: Politiker fordern neue Regelungen Zur Großansicht
dapd

Babyklappe in Hamburg: Politiker fordern neue Regelungen

Was wird aus den Kindern, die von ihren Müttern in so genannten Babyklappen abgelegt oder anonym im Krankenhaus zur Welt gebracht werden? Die schwer zu glaubende Antwort: In vielen Fällen weiß es niemand so recht. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) lässt sich der Verbleib von etwa 200 dieser Kinder heute nicht mehr nachvollziehen. Die von den Müttern verlassenen Säuglinge sind offenbar durch alle bürokratischen Raster gefallen.

Das DJI schrieb in einer großangelegten Untersuchung unter anderem 344 Träger an, die so genannte Angebote zur anonymen Kindesabgabe offerieren - neben Babyklappen gehört dazu auch die Möglichkeit, ein Kind zur Welt zu bringen, ohne den eigenen Namen nennen zu müssen. Etwa 20 Prozent der Träger reagierten nicht. Bei den übrigen wurden zwischen der Gründung der ersten Babyklappe 1999 und dem Ende des Untersuchungszeitraums im Mai 2010 insgesamt 973 Kinder abgegeben. Rund zwei Drittel der Kinder wurden anonym geboren, knapp ein Drittel in eine Babyklappe gelegt. Weitere 43 Kinder wurden Mitarbeitern des jeweiligen Trägers anonym übergeben.

Auf die Frage, was nach der Geburt mit den Kindern geschah, konnten die befragten Träger in 20 Prozent der Fälle keine Angaben machen. Das heißt, es ist völlig unklar, ob die Babys beispielsweise adoptiert oder von ihren Müttern zurückgenommen wurden.

Es sei schwierig, die Anzahl der betroffenen Kinder exakt zu erfassen, heißt es in dem DJI-Bericht. "Dies liegt daran, dass diese Daten nicht an einer zentralen Stelle gesammelt werden, in einigen Fällen keinerlei Dokumentation der Vorgänge stattfindet beziehungsweise diese bei vielen Anbietern mangelhaft ist." Viele Träger arbeiteten ohne Kooperationsverträge mit den Jugendämtern, oft gebe es nur mündliche Absprachen.

Als Reaktion fordern Politiker jetzt ein Umdenken in Sachen Babyklappe. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Elkin Deligöz, sagte der "Welt am Sonntag", es müsse ein standardisiertes Verfahren entwickelt werden, wie mit einem anonym abgegebenen Kind verfahren werde. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll hierzu "gemeinsame, für alle Beteiligten verpflichtende Kriterien aufstellen", forderte sie. So müsse ein Baby unverzüglich beim Jugendamt gemeldet werden, ein Amtsvormund bestellt und das Adoptionsverfahren strikt von den Trägern der anonymen Angebote getrennt werden.

Die CDU-Politikerin Fischbach ging einen Schritt weiter und sprach sich ebenfalls gegenüber der "Welt am Sonntag" für ein Ende der Babyklappen aus. Als Alternative forderte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag "ein Gesetz für die vertrauliche Geburt, bei der eine Frau im Krankenhaus entbindet und ihre Daten einige Jahre lang unter Verschluss gehalten werden". Die Frau müsse einerseits sicher sein können, dass ihr von den Behörden keine Repressalien drohen. Andererseits sei die Frau nur dann für Beratung und Hilfsangebote erreichbar, wenn die Daten gespeichert würden, sagte Fischbach.

ric/APD

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1.
Pizza No.7 04.03.2012
Zitat von sysopdapdAbgegeben, und dann? Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts enthüllt: Von rund einem Fünftel der anonym zur Welt gebrachten Kinder fehlt heute jede Spur. Es mangelt offenbar an Regeln für die Dokumentation solcher Fälle. Jetzt fordern die ersten Politiker Konsequenzen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,819181,00.html
Das fällt mir wirklich schwer zu glauben. In Deutschland, der Heimat der Bürokratie, wird nicht registriert, was mit Kindern geschieht, die in eine Babyklappe gelegt worden? Das ist doch völliger Quatsch. Ich vermute, die jeweiligen Betreiber dieser Babyklappen hatten kein Interesse, irgendeinem hergelaufenen Vereinshansel irgendwelche Antworten zu geben. Wer ist denn das "Deutsche Jugendinstitut"? Und wieso ist dessen Kürzel angeblich "DJJ", wenn in dem Namen nur ein "J" vorkommt?
2. Organspende?
gugugy 04.03.2012
Zitat von sysopdapdAbgegeben, und dann? Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts enthüllt: Von rund einem Fünftel der anonym zur Welt gebrachten Kinder fehlt heute jede Spur. Es mangelt offenbar an Regeln für die Dokumentation solcher Fälle. Jetzt fordern die ersten Politiker Konsequenzen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,819181,00.html
Hoffentlich wurden die Babys nicht Opfer von Organhändlern oder "Verwurstern" der Pharmaindustrie.
3. 200Babys
flieder2 04.03.2012
344 Traeger? Wen hat das Deutsche Jugendinstutut angeschrieben? Krankenhaeuser die Babyklappen und anonyme Geburte anbieten? Die entsprechenden Staedte oder Gemeinden? Ich bin etwas irritiert. "Traeger arbeiten ohne Kooperationsvertraege mit den Jugendaemtern oft gaebe es nur muendliche Absprachen!" Wer sind diese Traeger? Auf jeden Fall ist das eine riesige Schlamperei wie ein Individuum ohne Angehoerige in unserem Staat behandelt wird.
4. Gut so...
denkdochmalmit 04.03.2012
Zitat von sysopdapdAbgegeben, und dann? Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts enthüllt: Von rund einem Fünftel der anonym zur Welt gebrachten Kinder fehlt heute jede Spur. Es mangelt offenbar an Regeln für die Dokumentation solcher Fälle. Jetzt fordern die ersten Politiker Konsequenzen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,819181,00.html
Vielleicht haben die Kinder das lück und wurden wirklich anonym an neue Eltern weitergegeben. Wenn es sich die Mutter nach ein paar Wochen anders überlegt bekommt sie nämlich das Kind zurück, egal in welche Umstände es gegeben wird. Daher ist es vielleicht gar nicht so schlecht wenn die Spuren verswischt werden....
5.
Pizza No.7 04.03.2012
Zitat von flieder2344 Traeger? Wen hat das Deutsche Jugendinstutut angeschrieben? Krankenhaeuser die Babyklappen und anonyme Geburte anbieten? Die entsprechenden Staedte oder Gemeinden? Ich bin etwas irritiert. "Traeger arbeiten ohne Kooperationsvertraege mit den Jugendaemtern oft gaebe es nur muendliche Absprachen!" Wer sind diese Traeger? Auf jeden Fall ist das eine riesige Schlamperei wie ein Individuum ohne Angehoerige in unserem Staat behandelt wird.
Glauben Sie echt, die Kinder werden nicht registriert? Und ihre Weitergabe (an wen auch immer) wird nicht dokumentiert? Das ist doch völliger Blödsinn. Mich würde vor allem mal interessieren, wer hinter diesem ominösen "Deutschen Jugendinstitut" steckt. Denken Sie, in den Krankenhäusern haben die Mitarbeiter nichts besseres zu tun, als Auskünfte an ihnen völlig Unbekannte über den Verbleib von Babyklappen-Kindern zu geben?
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