Anti-X-Mas-Offensive Polizei in Peking verjagt Weihnachtsmänner

Recht unwirsch vertrieben Polizisten in Peking Dutzende gutgelaunter Weihnachtsmänner vom Tiananmen - um des "himmlischen Friedens" willen, könnte man meinen.

Etwa hundert Weihnachtsmänner hatten sich auf dem Tiananmen versammelt
AFP

Etwa hundert Weihnachtsmänner hatten sich auf dem Tiananmen versammelt


Peking - Spätestens seit den Studentenunruhen 1989 ist der Platz des Himmlischen Friedens in Peking für die Sicherheitskräfte der Hauptstadt hochsensibles Terrain. Wie besorgt die Polizei gerade kurz nach der Verleihung des Nobelpreises an den Dissidenten Liu Xiaobo um die Ruhe auf dem Tiananmen ist, bekamen jetzt einige Dutzend als Weihnachtsmänner verkleidete Besucher zu spüren:

Die überwiegend aus Ausländern zusammengesetzte Gruppe war am Samstag kostümiert durch die Kneipen der Stadt gezogen und dann auf den riesigen Platz gekommen, berichtete einer der Teilnehmer am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Gerade als die Weihnachtsmänner Erinnerungsfotos schießen wollten, schritt demnach die Polizei ein. "Sie verursachen öffentliche Unruhe, verlassen Sie sofort den Platz", soll einer der Polizisten gesagt haben. "Wenn Sie den Tiananmen-Platz besuchen wollen, dann in angemessener Weise."

Die Gruppe hatte sich zum sogenannten SantaCon getroffen, bei dem weltweit als Weihnachtsmänner Verkleidete durch die Straßen ziehen und dabei reichlich Alkohol trinken. Die Tradition erfreut sich vor allem in den angelsächsischen Ländern großer Beliebtheit. Auf dem Tiananmen-Platz war die Prozession hingegen offenbar weniger gern gesehen. "Wir sind sehr schnell gegangen, um Schwierigkeiten zu vermeiden", sagte einer der Teilnehmer. Die Polizisten hätten sie vom Platz begleitet.

Der Tiananmen ist der zentrale Platz in der chinesischen Hauptstadt und Ort vieler politischer Veranstaltungen. Hier versammelten sich 1989 Tausende Menschen und forderten mehr Demokratie. Im gesamten Stadtgebiet kamen damals Hunderte, möglicherweise Tausende Demonstranten ums Leben.

ala/AFP



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