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Kosten des Skandalbaus: Architekt bringt Tebartz-van Elst noch mehr in Bedrängnis

Skandalbischof Tebartz-van Elst: Schicksalstage in Rom Fotos
DPA

Nun bestätigt auch der Architekt der Limburger Bischofsresidenz: Franz-Peter Tebartz-van Elst wusste von Anfang an, wie teuer der Protzbau werden würde. Über die Kosten sei oft mit dem Bischof gesprochen worden. Zudem sei der Bau durchaus planmäßig verlaufen.

Frankfurt am Main/München/Limburg - Seit Sonntagmorgen weilt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in Rom. Am frühen Morgen, gegen 6.30 Uhr, startete er mit einem Flugzeug der Billig-Airline Ryanair vom Flughafen Frankfurt-Hahn Richtung Vatikan, wo er letztendlich auch mit Papst Franziskus über seine Zukunft sprechen will. Dass am Wochenende fast im Stundentakt neue brisante Vorwürfe gegen den 53-Jährigen im Zusammenhang mit dem Bau der Limburger Bischofsresidenz auftauchten, wird das Gespräch für Tebartz-van Elst nicht angenehmer werden lassen.

Nun hat auch der Architekt des Skandalbaus den Bischof schwer beschuldigt. Er habe als Bauherr von Beginn an gewusst, "was da für Kosten auf ihn zukommen", sagte Michael Frielinghaus der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Der Architekt bezifferte die Kosten, über die Tebartz-van Elst Kenntnis hatte, gegenüber der "SZ" auch noch einmal explizit: 31 Millionen Euro. Er habe sich bereits bei einer Pressekonferenz im Dezember 2010 darüber gewundert, dass die Summe mit 5,5 Millionen Euro - und damit deutlich zu niedrig - angegeben worden sei.

Der SPIEGEL hatte bereits am Samstag berichtet, dass Tebartz-van Elst von der Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG regelmäßig über alle angelaufenen Kosten in Aufstellungen informiert wurde.

Von 147 auf 2000 Quadratmeter

Zudem verschleierte der Bischof einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") zufolge die Kosten möglicherweise systematisch, indem er die Summe in Einzelprojekte stückelte, die jeweils unter der Grenze von fünf Millionen Euro lagen, ab der der Vatikan zwingend über Bauvorhaben informiert werden muss.

Die "FAS" veröffentlichte auf ihrer Website zudem Teile der Planungs- und Kostenunterlagen über den Limburger Bau - und schildert ausführlich schier unglaubliche Details über Sonderwünsche des Bischofs, die die Kosten extrem in die Höhe trieben. So seien aus den ursprünglich in der ersten Grobplanung angepeilten 147 Quadratmetern des Bischofshauses am Ende 2000 geworden.

Tebartz-van Elst habe beispielsweise angeordnet, nachträglich Oberlichter in das Dach über einem Konferenzsaal einzulassen, obwohl ihn der Bauleiter vor starkem Sonneneinfall warnte. Tatsächlich würden die Oberlichter nun von Jalousien verdunkelt. Für sein Arbeitszimmer habe der Bischof laut "FAS" eigens Sicherheitsglas aus Washington importieren lassen, weil ihm das in Europa erhältliche nicht sicher genug erschienen sei.

In den von der "FAS" veröffentlichten Dokumenten finden sich eine Reihe weiterer Sonderwünsche. So wurde etwa ab dem 22. August 2011 das Beschallungskonzept der Bischofsresidenz durch "Ausstattung zusätzlicher Innen- und Außenräume mit unsichtbaren deckenflächenintegrierten Lautsprechersystemen" erweitert.

"Der Bau verlief planmäßig"

Für die Zeit ab dem 17. August 2012 sind "bauliche Anpassungen und Umbauten im bereits fertiggestellten Haus" vermerkt, ausdrücklich "auf Wunsch des Bauherrn", zudem werde die gesamte Beleuchtung geändert. Und noch eine Änderung war wohl notwendig: "Verlegung der Dachluke wegen Aufstellung eines antiken Schrankes".

Die zahlreichen, oft erst nach bereits fertiggestellten Bauabschnitten geäußerten Sonderwünsche des Bischofs wurden der "FAS" zufolge auch deshalb teurer, weil mehrfach wieder von vorne geplant und abgestimmt werden musste. Tatsächlich ist in einer Aufstellung der vorgenommenen Umplanungen und ihrer Folgen häufig notiert: "Koordination gestörter Rohbauablauf".

Das widerspricht allerdings einer anderen Äußerung von Architekt Michael Frielinghaus gegenüber der "SZ", die ungefähre Höhe der Kosten habe nie außer Frage gestanden. Es habe gar keine Kostenexplosion gegeben: "Der Bau verlief planmäßig, es gab kaum Überraschungen."

fdi/dpa

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insgesamt 271 Beiträge
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1. ausgelutschtes thema
keineahnungimmermeinung 13.10.2013
gibts nichts Interessanteres mehr zu berichten als diese ´top news´? Gibt spon sich erst zufrieden, wenn das wild erlegt ist? Dann ist es ja schon fast am Ziel. Kann diesem Geldverschwenden recht wenig abgewinnen, andererseits:welche schönen kirchlichen Bauwerke wären denn entstanden, hätten nur die Finanzen im Vordergrund gestanden? Das Thema ist es nicht wert- die Gelder sind doch keine öffentlichen oder sehe ich das falsch?
2.
Frittenbude 13.10.2013
Zitat von sysopDPANun bestätigt auch der Architekt der Limburger Bischofsresidenz: Franz-Peter Tebartz-van Elst wusste von Anfang an, wie teuer der Protzbau werden würde. Über die Kosten sei oft mit dem Bischof gesprochen worden. Zudem sei der Bau durchaus planmäßig verlaufen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/architekt-tebartz-van-elst-wusste-von-anfang-an-von-hohen-kosten-a-927623.html
Die Aussagen des Architekten dürften mit Vorsicht zu genießen sein: Man darf sich die Frage stellen, inwieweit der Architekt nicht bei einer Kostenexplosion eine Mitschuld befürchten müsste (unter der Annahme, dass ihm die Bauaufsicht oblag), und er somit Grund haben könnte, schon aus Eigenschutz die Existenz einer Kostenexplosion zu verneinen. Und man darf im Übrigen davon ausgehen, dass der Architekt an den gestiegenen Baukosten und -leistungen sehr gut verdient hat, denn: Die Höhe des Architektenhonorars setzt sich aus dem Umfang der Leistungen, den Baukosten und der Schwierigkeit der Bauaufgabe zusammen.
3. Da sollte man nicht den Architekten fragen...
Velociped 13.10.2013
Kostenexplosionen werfen auch ein schlechtes Licht auf die Architekten. Dass dieser sich nun rechtfertigt, verwundert nicht. In dieser Sache ist er also mindestens so befangen wie Tebartz-van-Elst selbst.
4. Wer lügt hier denn nun?
gerrittaffer 13.10.2013
Der Bischof? Der Architekt? Die Wirtschaftprüfer? Die Medien? Allein in Spon las ich in den vergangenen Tagen 5 oder 6 unterschiedliche Beträge zwischen einer und zehn Mio. Euro für die ursprünglich veranschlagten Kosten. Ich sehe natürlich ein, dass dieser Verbrecher-Verein, der seit Jahrhunderten die Menschheit unterdrückt, endlich zerschlagen wird. Mit allen Mitteln, aber doch bitte nicht mit so billig aufgezogenen Kampagnen...
5. Es ist genug
to5824bo 13.10.2013
Noch einmal (auch wenn es wieder aus mir nicht verständlichen Gründen Gefahr läuft, der Foren-Administration ebenso zum Opfer fallen wird wie 3 Beiträge zuvor): Der Mann "hat fertig". Es lohnt nicht mehr, weitere Einzelheiten wie die Aussage des Architekten oder die Umstände seines Ryanair-Flugs nach Rom eingehend zu beleuchten. "Es ist genug!" (Der biblische Prophet Elia (1. Könige 19,4) "It's over." (Anwalt Saul Goodman in "Breaking Bad") "Es ist vollbracht." (hat auch mal einer gesagt, Johannes 19,30). "Basta!" (ein deutscher Bundeskanzler a.D.) Jetzt bitte lasst diesen Mann, der sich wohl würdelos verhalten hat, wenigstens in Würde "abdanken" (oder wie immer der terminus technicus im CIC bei einem Bischof heissen mag. Aber sowohl der Argumente als auch der Häme ist genug. Möge der Mann zur Ruhe und dabei hoffentlich auch zur Einsicht gelangen.
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