Verbrecherjäger "Menganno" "Superheld" von Buenos Aires ist enttarnt

Mit einem blau-weißen Schutzschild und einem dunklen Helm jagte "Menganno" in den Vororten von Buenos Aires Verbrecher. Doch nun ist der selbsternannte Superheld enttarnt worden - und hat obendrein ein Problem mit der Polizei.

AFP

Buenos Aires - Er hat sich Mühe gegeben, das muss man ihm lassen. Allein das Outfit sieht nach Arbeit aus, es ist eine Mischung aus Batman und Captain America: Bevor Menganno sich auf seine Mission begibt, kleidet er sich in dunkelblau und schwarz, an Brust und Arme bindet er sich Plastikschoner. Sein Gesicht versteckt er unter einem Helm, nur die Mundpartie ist zu erkennen. Auf der linken Brust - direkt über dem aufgemalten Sixpack - prangt ein großer gelber Buchstabe: M wie Menganno.

So verkleidet machte der selbsternannte Superheld seit mehreren Jahren Jagd auf Verbrecher in den Vororten von Buenos Aires, er patrouillierte regelmäßig auf seinem Motorrad, verteilte Kleidung an Bedürftige und gute Ratschläge an alle. Doch nun ist der Held gestürzt, seine Identität gelüftet: Hinter der Maske verbirgt sich der Ex-Polizist Oscar Lefosse. Und der 43-Jährige muss sich wegen Tragen einer Waffe ohne Lizenz verantworten, wie die Polizei nun mitteilte.

Am Montag war es offenbar zu einer Schießerei zwischen Menganno und mehreren Räubern gekommen. Drei Gangster hätten das Feuer auf den Wagen eröffnet, in dem er mit seiner Frau gesessen habe, sagte der vermeintliche Superheld. Daraufhin habe er mit seiner Glock-Pistole zurückgeschossen. Auf der Facebook-Seite von Menganno ist das Foto eines von Kugeln durchsiebten Fahrzeugs zu sehen.

Laut "El Mundo" handelt es sich um einen Citroën C3. Die Schüsse seien vor dem Haus des Ex-Polizisten in Lanús gefallen, er habe seine Superhelden-Uniform dabei nicht getragen.

Doch wie ein Polizist der Nachrichtenagentur Telam sagte, wurden alle Schüsse aus dem Inneren des Autos abgefeuert. "Er hätte jemanden töten können, einen unschuldigen Passanten", sagte der Polizist. "Er hat unverantwortlich gehandelt." Zudem sei die Lizenz für Mengannos Waffen im vergangenen Jahr abgelaufen.

Vor knapp drei Jahren hatte Menganno der Nachrichtenagentur AFP gesagt, er gehe eigentlich nur mit einer Taschenlampe, einem Kompass und Pfefferspray auf Verbrecherjagd. Er nenne sich Menganno, weil der Name neutral sei, sagte er "El Mundo". "Dahinter könnte jeder stecken." Laut der Facebook-Seite "Menganno - Dein Superheld" mag er die Filme "Titanic" und "Der Gladiator" und hört bevorzugt Musik von U2 und Eros Ramazotti. Auch seine Lieblingshelden sind dort aufgelistet: Captain America, Batman und Zorro.

aar/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
alyeska 24.01.2013
1. Ein Held
Für mich ist jeder der gegen Verbrecher kämpft ein Held. Und warum darf man nicht aus einem Auto schiessen (um sich zu wehren), wenn dieses von Gangstern beschossen wird? Soll wohl ein Witz sein.
der Krieger 24.01.2013
2. Naja ...
.. irgendwie schon schwer, nicht zu sympathisieren, auch wenn man ins Lehrbuch zum Rechtsstaat (Gewaltmonopol!) wohl was anderes schreiben müsste. Vielleicht ist einfach manchmal weniger mehr. Da gibt es ja ein kluges Wort im NT über den, der "zum Schwert greift". Hätte er also die Glock mal lieber im Schrank gelassen. Ich klicke trotzdem "Gefällt mir" auf seiner fb-Seite. Hier in Berlin wäre er wahrscheinlich ein beliebtes Unikum; B.A. ist eben eine andere Welt.
spatenheimer 24.01.2013
3.
Zitat von sysopAFPMit einem blau-weißen Schutzschild und einem dunklen Helm jagte "Menganno" in den Vororten von Buenos Aires Verbrecher. Doch nun ist der selbsternannte Superheld enttarnt worden - und hat obendrein ein Problem mit der Polizei. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/argentinien-selbsternannter-superheld-menganno-als-polizist-enttarnt-a-879457.html
Da hilft nur eins: Ein striktes Verbot von Sturmgewehren.
Sherlock70 24.01.2013
4.
Zitat von alyeskaFür mich ist jeder der gegen Verbrecher kämpft ein Held. Und warum darf man nicht aus einem Auto schiessen (um sich zu wehren), wenn dieses von Gangstern beschossen wird? Soll wohl ein Witz sein.
Naja, wenn die Gangster so schlecht schießen, daß die nichtmal das Auto treffen...dann braucht man nicht wirklich einen bewaffneten Zivilisten herumstreunern lassen.
Celegorm 24.01.2013
5.
Zitat von alyeskaFür mich ist jeder der gegen Verbrecher kämpft ein Held. Und warum darf man nicht aus einem Auto schiessen (um sich zu wehren), wenn dieses von Gangstern beschossen wird? Soll wohl ein Witz sein.
Ob jemand ein Verbrecher ist, sollte immer noch ein Gericht beurteilen. Selbstjustiz ist diesbezüglich selten hilfreich.
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