Atheisten-Appell in New York: Vergiss die Mythen!

Auftakt zum großen Weihnachtsspektakel der Ungläubigen: In New York haben Atheisten ein provozierendes Plakat aufgehängt und alle Religionsmüden aufgefordert, endlich Farbe zu bekennen. Christmas könne auch ohne Christus verdammt viel Spaß machen, so ihre Überzeugung.

American Atheists: Umstrittenes Plakat am Times Square Zur Großansicht
American Atheists

American Atheists: Umstrittenes Plakat am Times Square

New York - Was haben der Weihnachtsmann, Jesus, Satan und Poseidon gemeinsam? Nicht viel, sagen die einen. Etwas sehr Elementares, sagen die anderen. Bei allen vieren handele es sich um Mythen, Götzenbilder, Sagengestalten.

Im vergangenen Jahr sorgte die US-amerikanische Atheistenvereinigung mit genau diesem Vergleich für Unmut unter Christen im Bundesstaat New Jersey. Mit Unverständnis erinnert sich ein Gemeindepfarrer an die "dumme und vulgäre" Aktion, bei der die Genannten als Götzenbilder des (Aber-)Glaubens über einen Kamm geschoren wurden. Der Mann, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen wollte, sagte der "Christian Post" stellvertretend für viele Christen: "Jesus ist anders. Nur eine sehr unterbelichtete und einfältige Person würde ihn in dieselbe Kategorie packen wie die anderen drei."

Auch 2012 wollen die Atheisten mit einer Weihnachtsaktion zum Nachdenken anregen - und sogar zum Abfall vom Glauben animieren.

"Keep the Merry - Dump the Myth" fordern die Vernunftsverfechter jetzt auf einem Plakat, das einen gütig lächelnden Weihnachtsmann über einem leidend dreinblickenden hölzernen Jesus am Kreuz zeigt. Die Botschaft ist klar: Befrei dich vom Mythos Jesus und bleib fröhlich wie der Weihnachtsmann. Strategisch wirksam habe man das Machwerk am New Yorker Times Square platziert, heißt es auf der Website der Organisation, die 1963 gegründet wurde und eine vollständige Trennung von Staat und Kirche befürwortet.

Ein Sprecher von American Atheists erklärte, die Organisation wolle mit dem Plakat niemanden beleidigen, er verstehe allerdings, dass dies passieren könne. "Wenn man einen lang gehegten Glauben oder eine Doktrin hinterfragt, wird die betroffene Person beleidigt sein und in die Defensive gehen."

"Wir wissen, dass ein großer Teil der 'Christen' sich in ihrer Familienreligion gefangen fühlt", sagt der Vorsitzende von American Atheists, David Silverman, der die 2200 Mitglieder vertritt. Wer wisse, dass Gott ein Mythos sei, müsse nicht lügen und sich einen Christen nennen, um eine schöne Weihnachtszeit zu haben. "Du kannst fröhlich sein ohne den Mythos, und das solltest du auch", so Silverman. Er rät allen "Ungläubigen", sich schonungslos zu outen. "Wenn Sie nicht glauben, sagen Sie es Ihrer Familie - Ehrlichkeit ist das größte Geschenk, und sie verdient es."

Am Times Square soll das kontroverse Plakat bis zum 13. Januar ausgestellt bleiben. Aber auch in Ohio und New Jersey soll es gezeigt werden. Am 17. Dezember wird in Fort Lauderdale im Bundesstaat Florida eine Regionaltagung der Organisation stattfinden. Auch hier ist geplant, großzügig zu plakatieren, frei nach dem Motto: Zwei Millionen Menschen in Florida glauben nicht an Götter - und das ist auch gut so.

Die International Humanist and Ethical Union (IHEU) hat im Dezember einen Bericht über die weltweite Diskriminierung von Atheisten, Humanisten und Nichtgläubigen vorgestellt. Darin heißt es, dass Menschen, die sich skeptisch gegenüber Religion äußerten, in vielen vor allem islamisch geprägten Ländern verfolgt werden. In Afghanistan, Iran, den Malediven, Mauretanien, Pakistan, Saudi-Arabien und Sudan droht ihnen die Todesstrafe.

Doch auch in den christlich geprägten Ländern Europas und in den USA würden Atheisten und Humanisten wie Aussätzige behandelt, schreibt die IHEU. Demnach sind in mindestens sieben US-Bundesstaaten Nichtgläubige vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen. In Arkansas ist es ihnen gesetzlich sogar verboten, vor Gericht als Zeuge auszusagen.

ala

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