"Atlantic"-Mitinhaber Hotelier erstickt an Abendessen

Der Mitinhaber des berühmten Hamburger Hotels "Atlantic", Dieter Bock, ist laut Polizei in seiner Suite an einem Stück Fleisch erstickt. Rettungskräfte versuchten erfolglos, den 71-Jährigen wiederzubeleben.

Traditionshaus an der Alster: Das Hamburger Hotel "Atlantic"
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Traditionshaus an der Alster: Das Hamburger Hotel "Atlantic"


Hamburg - Die "Bild"-Zeitung hatte am Donnerstag über den Tod des bekannten Hoteliers in dem Haus an der Alster berichtet. Wie die Hamburger Polizei jetzt bestätigte, starb der 71-jährige Dieter Bock bereits am 12. Mai in einem Zimmer des "Atlantic". Rettungskräfte seien damals gegen 0.45 Uhr in die Nobelherberge gerufen worden und hätten erfolglos versucht, den Mann zu reanimieren.

Bock hatte sich laut Polizei nach Mitternacht noch Essen auf sein Zimmer kommen lassen und sich dann offensichtlich an einem Stück Fleisch verschluckt. Im Polizeibericht hieß es später dazu: Tod durch Aspiration (Ersticken). Für eine Obduktion hätten die Mediziner keinen Grund gesehen, hieß es. "Es lag definitiv kein Fremdverschulden vor", sagte Polizeisprecherin Ulrike Sweden SPIEGEL ONLINE. Das Hotel "Atlantic" wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

Der wendige Immobilienunternehmer und Kunstförderer Bock lebte zurückgezogen in Darmstadt und London. Unter den reichsten Deutschen landete er laut manager magazin im Jahr 2009 auf Platz 153 von 300 - und galt mithin als "ärmerer Reicher" im Land.

An Klasse verloren

Seine Familie ist zusammen mit der Familie des Ex-Metro-Vorstands Erwin Conradi Gesellschafter der Octavian Hotel Holding GmbH, die Teil der Octavian King Holdings in Rotterdam ist. Die Gesellschaft betreibt mehrere Kempinski-Hotels in Deutschland, darunter das Bristol in Berlin.

Seit Ende der neunziger Jahre hatte das Hotel "Atlantic" zunehmend an Klasse verloren und war durch fehlende Investitionen immer mehr heruntergekommen. 2008 wurden dem Haus die fünf Sterne entzogen, auch für die Zugehörigkeit zur Vereinigung der Leading Hotels of the World reichten die Standards nicht mehr aus.

Noch im vergangenen Herbst hatte Dieter Bock bei einem Hamburg-Besuch dem Staatsrat der Kulturbehörde versichert, das "Atlantic" zu alter Pracht zurückführen zu wollen. Derzeit wird das mehr als hundert Jahre alte Haus bei laufendem Betrieb für rund 22 Millionen Euro renoviert.

Der Gründerzeitbau beherbergte von jeher illustre Gäste aus aller Welt, darunter waren der Schah von Persien, Charles de Gaulle, Josephine Baker, Gina Lollobrigida oder auch Michael Jackson. 1997 fanden hier Dreharbeiten zum James Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" mit Pierce Brosnan statt. Prominentester Dauerbewohner des "Atlantic" ist seit vielen Jahren der Altrocker und "Likörelle"-Künstler Udo Lindenberg.

ala/dpa/apn



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