Gefahrenzulagen nicht gezahlt Atomarbeiter verklagen Fukushima-Betreiber Tepco

Erstmals wollen Arbeiter des havarierten Atomkraftwerks Fukushima den Betreiber verklagen. Der Grund: Tepco soll Gefahrenzulagen nicht gezahlt haben. Die Klage wirft ein Schlaglicht auf die schlechten Arbeitsbedingungen in dem Reaktor.

Tepco-Arbeiter in der Atomruine Fukushima: Gefahrenzulage nie erhalten
DPA

Tepco-Arbeiter in der Atomruine Fukushima: Gefahrenzulage nie erhalten


Fukushima - Die Arbeiter im Katastrophenreaktor Fukushima haben die Nase voll: Seit Monaten warten sie auf die Zahlung ihrer Gefahrenzulagen - doch der Betreiber Tepco scheint diese zu versäumen. Jetzt ziehen die Angestellten vor Gericht. Die Klage soll am Mittwoch vor dem Bezirksgericht von Fukushima eingereicht werden.

Von den vier klagenden Arbeitern sind zwei derzeit weiter in der Atomanlage beschäftigt - im Auftrag eines Subunternehmers. Die Männer im Alter zwischen 30 und 60 Jahren räumen unter anderem radioaktive Trümmer weg. Laut Angaben ihres Anwalts Tsuguo Hirota geht es um die Zahlung von Zulagen in Höhe von 65 Millionen Yen (rund 475.000 Euro).

Die Betroffenen wollen mit der Klage ein Licht auf die Ausbeutung von Arbeitskräften und ihre harschen Arbeitsbedingungen in der Atomruine werfen. Das Kraftwerk war am 11. März 2011 durch ein Erdbeben und einen Tsunami verwüstet worden. Es kam zu Kernschmelzen.

Es ist die erste Klage von noch aktiven Arbeitern - ungeachtet zahlreicher Berichte über Ausbeutung und harte Arbeitsbedingungen. Er wolle mit seiner Aktion ein Zeichen setzen, sagte einer der Arbeiter dem japanischen Sender NHK. "Ich mag gefeuert werden oder keine Arbeit mehr bekommen, aber ich hoffe, andere werden dies zum Anlass nehmen, ebenfalls den Mund aufzumachen und ihre Bezahlung einzufordern."

Klage von US-Soldaten

Mit dem Rückbau der Atomruine sind vor allem Subunternehmen befasst, Tepco selbst beschäftigt etwa 6000 Arbeiter. Unbestätigten Berichten zufolge soll beim Anheuern von Arbeitern auch die japanische Mafia ihre Hand im Spiel haben. Obwohl Tepco für alle Kräfte Gefahrenzulagen versprochen hatte, scheinen diese bei vielen nicht anzukommen.

Der Konzern äußerte sich bisher nicht zu dem Fall. Man wolle zunächst die genauen Vorwürfe vor Gericht abwarten, hieß es.

Bereits Anfang des Jahres hatten 71 Soldaten der US-Marine Klage erhoben gegen Tepco. Die Männer waren im März 2011 im Rahmen der "Operation Tomodachi" im Katastrophengebiet als Ersthelfer unterwegs. Ihr Schiff, die U.S.S. "Ronald Reagan", lag drei Wochen lang in dem Gebiet des Pazifiks, in das die Betreibergesellschaft Unmengen radioaktiv verseuchten Wassers eingeleitet hatte - ohne die US-Helfer darüber zu informieren.

Viele Soldaten seien direkt in das kontaminierte Wasser gesprungen, um Menschen zu retten, hieß es. Außerdem sollen sie sich mit dem Wasser nach dessen Entsalzung gewaschen und die Zähne geputzt haben. Die Folge: Dutzende leiden heute unter schwersten Erkrankungen, darunter Hodenkrebs, Hirntumoren und Leukämie. Die US-Marine widersprach dieser Darstellung, ohnehin haben die Soldaten im Heimatland keinen Anspruch auf Entschädigung.

Vergangene Woche entschied das Bezirksgericht Fukushima, dass Tepco Mitschuld trägt am Suizid von Hamako Watanabe, die sich im März 2011 infolge schwerer Depressionen nach dem Unglück selbst verbrannt hatte. Dem Witwer Mikio wurden umgerechnet 362.000 Euro Entschädigung zugestanden.

ala/dpa/AFP



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