Boykottaufrufe gegen australische Brauerei Ein Prosit der Homo-Ehe-Debatte

Das Video einer christlichen Organisation in Australien zeigt zwei Politiker, die über die Homo-Ehe diskutieren und dabei Coopers-Bier trinken. Viele Kunden der Brauerei halten das für eine völlig deplatzierte Kombination.

Coopers-Zapfhahn in einer australischen Kneipe
REUTERS

Coopers-Zapfhahn in einer australischen Kneipe


Kneipen und Biertrinker wenden sich von der australischen Brauerei Coopers ab - und das alles wegen des Videos einer christlichen Organisation, in dem das Bier des Unternehmens getrunken wird.

Seit 155 Jahren stellte die Coopers Brewery Bier her. Bislang gibt es in der Firmengeschichte keine größeren PR-Debakel zu verzeichnen. Das hat sich nun geändert.

Ursache des Schlamassels ist die christliche Organisation Bible Society, die in diesem Jahr 200 Jahre alt wird. Zu dem Anlass kündigte Coopers an, 10.000 mit Bibelversen bedruckte Kisten Bier zu verkaufen. So weit, so harmlos - Coopers hat in der Vergangenheit immer wieder an christliche Organisationen gespendet.

Teil der Aktion war aber auch die Veröffentlichung eines Videos der Bible Society, in dem zwei Politiker Coopers trinken und über die Homo-Ehe diskutieren. Einer der Politiker, Tim Wilson, sagt, er wolle seinen langjährigen Partner heiraten. Politiker Nummer zwei, Andrew Hastie, spricht davon, die "traditionelle Ehe" zu unterstützen.

Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Australien verboten, nach dem Willen der Bible Society soll das auch so bleiben. Aber viele Bürger sehen das anders.

Der Versuch, Bier und Debatte zusammenzuführen, ging gründlich nach hinten los. Bei der Brauerei gingen zahlreiche Beschwerden ein. Einige Kneipen in Sydney und Melbourne kündigten an, kein Coopers mehr auszuschenken. Die Kritik war einhellig: Ein so wichtiges Thema wie die Homo-Ehe eigne sich nicht für ein derart albernes Video. Coopers habe sich vereinnahmen lassen, um die Position der Bible Society zu transportieren.

Brauerei bemüht sich um Schadensbegrenzung

Eine Frage der sozialen Gerechtigkeit so auf die leichte Schulter zu nehmen, sei nicht gerade hilfreich, sagte Mike Bennie, ein Bier- und Weinkritiker aus Sydney. Das Union Hotel in der Stadt teilte mit, die Ansichten der Brauerei stünden im Widerspruch zu denen der Hotelangestellten, der Ortsansässigen und der Kommune. Ein Nachtklub-Manager veröffentliche ein Video, in dem er Coopers-Flaschen zerschlägt.

Die Reaktion der Brauerei dürfte die Kritiker nicht besänftigt haben, im Gegenteil. Zunächst ließ der Bierhersteller verlauten, das Video habe eine lockere aber ausgewogene Debatte zu einem wichtigen Thema gezeigt. Später bestritt die Brauerei, das Video jemals abgesegnet zu haben.

Schließlich wandten sich die Coopers-Manager Tim und Melanie Cooper direkt an die Öffentlichkeit. Das Video der Bible Society stehe in Konflikt mit zentralen Werten des Unternehmens. Man sei für die Gleichheit von Ehen und habe die Auslieferung der Dosen mit Bibelsprüchen gestoppt und werde die Organisation Australian Marriage Equality unterstützen, die sich für die Legalisierung der Homo-Ehe einsetzt.

Wie nachhaltig der Schaden für Coopers sein wird, lässt sich noch schwer abschätzen. Nach eigenen Angaben ist die Brauerei seit 2003 jährlich um 16 Prozent gewachsen - während in dem Zeitraum der Bierkonsum pro Kopf in Australien fast kontinuierlich zurückging.

ulz/Reuters



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