Australien: Sex-Industrie gründet eigene Partei

Der Verband der Sex-Industrie in Australien hat eine eigene Partei gegründet - und wagt auch gleich den ersten Vorstoß: Man werde gegen ein geplantes Gesetz zur Blockierung pornografischer Internet-Seiten kämpfen, hieß es.

Sydney - Mit einer eigenen Partei will die Sex-Industrie in Australien gegen wachsende moralische Bevormundung und strenge Gesetze kämpfen. In Down Under wird der Verkauf von pornografischem Material noch immer mit Gefängnis bestraft. Es ist außerdem verboten, Pornografie im Internet zu veröffentlichen. "Australien ist mittelalterlich, wenn es um Zensur und Redefreiheit geht, nur vergleichbar mit Iran und Nordkorea", beklagte sich John Newton, Besitzer eines Porno-Versands in der Hauptstadt Canberra, im "Sydney Morning Herald".

Die eben gegründete "Sex-Partei" will dies ändern und gegen ein neues Programm vorgehen, das Australiens Minister für Kommunikation, Stephen Conroy, jetzt einsetzen will, um sämtliche nationale Porno-Seiten aus dem Internet zu filtern und zu sperren. Kritiker erklärten, das Programm würde ungenau arbeiten und den Seitenaufbau im gesamten Netz extrem verlangsamen.

Auch für preiswertere Potenzpillen und den Schutz von Porno-Darstellern vor staatlicher Zensur im Internet will sich die "Sex-Partei" einsetzen, verkündeten deren Gründer am Donnerstag. Australien drohe zunehmend zu einem "Gouvernantenstaat" zu werden, in dem Politiker nicht über Sex reden könnten, ohne zu kichern oder etwas Negatives zu sagen, beklagte Gründungsmitglied Fiona Patten bei einem Auftritt zwischen Striptänzerinnen auf der Melbourner "Sexpo"-Ausstellung.

Trotz drohender Rezession im kommenden Jahr kann die Branche auf großen Rückhalt in der Bevölkerung zählen: Die Nachfrage nach Sex-Spielzeugen und Pornofilmen wird unter der Finanzkrise nicht zu leiden haben - im Gegenteil. Immer mehr Australier würden in die Porno-Läden strömen, auch wenn sie weniger Geld zur Verfügung hätten, schreibt der "Sydney Morning Herald".

"Einige Sex-Shops berichten, das Geschäft sei nie besser gelaufen", sagte die Sex-Partei-Vorsitzende und ehemalige Prostituierte Patten der Zeitung. Einige Händler seien der Meinung, dass die Menschen gerade bei schwieriger Wirtschaftslage "losziehen und einen Vibrator oder Pornofilm kaufen", auch wenn ihre Finanzen dies eigentlich nicht erlaubten. "Das ist ein erschwinglicher Luxus, der dafür sorgt, dass es ihnen gut geht", wird ein Händler zitiert.

ala/AFP

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