Australischer Humor Eine Fähre namens McFerryface

Deutsche Züge tragen Namen wie "Karl Marx" - aber es geht auch kreativer: In Sydney pendelt nun ein Schiff mit einem ziemlich albernen Namen durch den weltberühmten Hafen. Das scheint ein Trend zu sein.

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Es gibt in der hohen Kunst des gelungenen Witzes offenbar eine goldene Regel: Wenn einmal jemand über einen Gag gelacht hat, sollte er in möglichst vielen Varianten wiederholt werden. Streng nach dem Motto: Was gestern ulkig war, kann heute unmöglich langweilen.

So zumindest ließe sich erklären, wie eine Fähre in Sydney zu ihrem neuen Namen gekommen ist: Die Behörden in der australischen Metropole wollen das Schiff auf den etwas bizarren Namen "Ferry McFerryface" taufen, wie die Regierung des Bundesstaats New South Wales nun nach einer Abstimmung bekannt gab.

Und dazu gibt es eine Vorgeschichte: Im vergangenen Jahr war in Großbritannien ein Streit über den Namen für ein britisches Forschungsschiff ausgebrochen. Als ein frührer BBC-Moderator "Boaty McBoatface" vorschlug und sich diese Variante auch noch bei einer Abstimmung durchsetzte, reagierte der zuständige Natural Environment Research Council humorlos: Der Name sei der Sache nicht angemessen, Wissenschaftsminister Jo Johnson setzte den Taufnamen "Sir David Attenborough" durch.

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Namen für Schiffe und Züge: Albern, aber irgendwie lustig

So rigide wollten sich die Behörden in Sydney nun nicht geben. Sie akzeptierten allerdings nur den zweitplatzierten Namen des Rankings, eben "Ferry McFerryface" - und nicht den eigentlichen Gewinner: "Boaty McBoatface". Da der Name in der Zwischenzeit an ein anderes Boot vergeben worden sei, habe man ausweichen müssen, sagte Transportminister Andrew Constance.

"Wir haben Sydney um einen Namen für seine Fähren gebeten, und wir haben zugehört", sagte Constance. "'Ferry McFerryface' wird die neueste Ikone des Hafens sein, und ich hoffe, sie zaubert ein Lächeln auf die Gesichter von Besuchern und Einheimischen."

Darauf kann Constance sicherlich setzen - denn ähnliche Namensgebungen haben auch andernorts schon für viel Aufsehen gesorgt. Eine schwedische Bahngesellschaft etwa nannte einen ihrer Schnellzüge vor Kurzem "Trainy McTrainface".

Die australische Seefahrtsgewerkschaft findet all das eher lächerlich. Die Arbeiter seien frustriert über die Namensgebung, sagte der Gewerkschaftssprecher Paul Garrett dem Sender "2GB Radio". Normalerweise würden Fähren nach Sydneys Stränden oder erfolgreichen Olympioniken aus der Stadt benannt. "Der Transportminister zeigt hier, dass er das Nahverkehrswesen wie einen Witz behandelt."

Für Garrett und seine Mitstreiter gibt es aber auch Trost: Drei weitere neue Fähren haben traditionelle Namen erhalten - die von herausragenden Ärzten und Wissenschaftlern aus Sydney. So haben es auch die Deutschen offenbar am Liebsten: Die Deutsche Bahn hat den neuesten Zügen ihrer ICE-Flotte jüngst Namen wie "Hannah Arendt" oder "Karl Marx" verpasst.

mxw/AP/Reuters



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