Australien Tierschützer entern japanischen Walfänger

Drei Tierschutzaktivisten haben einen japanischen Walfänger geentert und werden nun gegen ihren Willen festgehalten. Ursprünglich hatten die Männer gehofft, die Waljäger würden sie nach Australien zurückbringen. Doch die Reise geht offenbar nach Japan.

REUTERS/ Sea Shepherd Conservation Society

Sydney - Die Aktivisten der Gruppe Forest Rescue waren in der Nacht zum Sonntag von zwei Booten einer befreundeten Tierschutzgruppe zum japanischen Walfänger "Shonan Maru 2" gebracht worden. Sie kletterten über die Reling, vorbei an Stacheldraht und enterten das Schiff, meldete die im US-Bundesstaat Washington ansässige Tierschutzorganisation Sea Shepherd.

Das japanische Boot befand sich rund 40 Kilometer vor der australischen Küste, als es geentert wurde. Es soll mit dem Auftrag unterwegs gewesen sein, das Flaggschiff von Sea Shepherd, die "Steve Irwin", zu beschatten. Das 59 Meter lange Schiff der militanten Aktivisten verfolgt japanische Walfänger, die unter internationalem Protest jedes Jahr Hunderte Wale fangen.

Ein Sprecher des in Neuseeland ansässigen japanischen Walforschungsinstituts bestätigte, dass sich die drei Aktivisten im Alter zwischen 27 und 47 Jahren an Bord des Schiffes befänden. Sie seien unverletzt hieß es. Bisher gibt es keinen Kontakt zu den Tierschützern: "Die 'Shonan Maru 2' spricht nicht mit uns", sagte Sea-Shepherd-Gründer Paul Watson. "Sie antworten nicht auf unsere Funksprüche."

"Sie bleiben auf dem Schiff"

Was mit den drei Männern geschehen soll, ist bisher unklar. Man sei davon ausgegangen, dass die Japaner die Männer zurück nach Australien bringen würden, sagte Amy Flee, Sprecherin von Forest Rescue. "Sie werden befragt und bleiben auf dem Schiff", stellte hingegen ein Sprecher der anderen Seite fest. "Es ist wahrscheinlich, dass die drei Australier nach Japan zurückgebracht werden", vermutete eine australische Generalstaatsanwältin.

Im vergangenen Jahr war ein neuseeländischer Aktivist von Sea Shepherd, Peter Bethune, auf ein Walfangschiff geklettert. Er wurde nach Japan gebracht und verbrachte dort fünf Monate im Gefängnis.

Die für ihre riskanten Störmanöver bekannte Naturschutzorganisation Sea Shepherd setzte unlängst erstmals sogar eine Drohne ein, um Walfänger in antarktischen Gewässern zu orten. Das unbemannte Fluggerät war von der "Steve Irwin" gestartet.

Die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt.Japan nutzt allerdings die Möglichkeit, jedes Jahr Hunderte Meeressäuger zu Forschungszwecken zu töten. In dem Land wird weiterhin auch Walfleisch gegessen - man beruft sich auf eine jahrhundertealte Tradition, die nicht verloren gehen dürfe.

ala/dpa/Reuters



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insgesamt 28 Beiträge
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commonsense2 08.01.2012
1. commonsense
Leider hat sich Japan mit seinen angeblich fuer Forschungszwecke gefangenen, gekillten, verspeisten Walen frontal gegen die allgemein akzeptierte (bis auf Daenemark Island) Meinung des Schutzes dieser Meeressaeger gestellt. Es sollte deshalb wie alle, die dagegen massiv verstossen aus allen UN Gremien fliegen und finanzielle Strafen fuer staendigen Verstoss fuer Schutzmassnahmen zahlen muessen.
boeseHelene 08.01.2012
2.
Zitat von sysopDrei Tierschutzaktivisten haben einen japanischen Walfänger geentert und werden nun gegen ihren Willen festgehalten. Ursprünglich hatten die Männer gehofft, die Waljäger würden sie nach Australien zurückbringen. Doch die*Reise geht offenbar nach Japan. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,807877,00.html
ich habe eine sehr kontroverse Meinung zum Walfang aber die Vorstellung, dass jemand ein Schiff entert und dafür dorthin gebracht wird wohin er möchte ist schon lustig. Über soviel Naivität kann ich nur mit den Kopf schütteln.
derfflinger 08.01.2012
3.
Zitat von sysopDrei Tierschutzaktivisten haben einen japanischen Walfänger geentert und werden nun gegen ihren Willen festgehalten. Ursprünglich hatten die Männer gehofft, die Waljäger würden sie nach Australien zurückbringen. Doch die*Reise geht offenbar nach Japan. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,807877,00.html
Wenn man die nähere Info aus dem SPON-Artikel liesst: fragt man sich doch, ob die sich "Forest Rescue" nennende Gruppe nicht die Orientierung verloren hat, oder haben die ausgedehnte Wälder auf dem Pazifik vermutet? Hieraus kann man zwanglos schliessen, dass die "Herrschaften" weder eingeladen noch willkommen waren. Da sollten Sie sich nicht wundern, wenn sie nun "gegen ihren Willen festgehalten" werden, die armen Hascherl. Ich denke, se werden ebenfalls nach Japan verbracht und - hoffentlich etwas länger als ihre Vorgänger eingebuchtet. Die Chuzpe dieser Hypertrophen ist schwerlich zu überbieten. Man entert ein fremdes Schiff und erwartet, dass dasselbe zu einem Taxi mutiert und die Piraten nach Hause bringt? da hat man wohl die sprichwörtliche japanische Höflichkeit etwas überschätzt... Die Aktion sollte wohl auf diese Weise das japanische Schiff von seiner Aufgabe, der Beobachtung des Piratenmutterschiffes abbringen. Hat wohl nicht richtig geklappt. D
norbertr 08.01.2012
4. Australische Hoheitsgewässer
Zitat von derfflingerWenn man die nähere Info aus dem SPON-Artikel liesst: fragt man sich doch, ob die sich "Forest Rescue" nennende Gruppe nicht die Orientierung verloren hat, oder haben die ausgedehnte Wälder auf dem Pazifik vermutet? Hieraus kann man zwanglos schliessen, dass die "Herrschaften" weder eingeladen noch willkommen waren. Da sollten Sie sich nicht wundern, wenn sie nun "gegen ihren Willen festgehalten" werden, die armen Hascherl. Ich denke, se werden ebenfalls nach Japan verbracht und - hoffentlich etwas länger als ihre Vorgänger eingebuchtet. Die Chuzpe dieser Hypertrophen ist schwerlich zu überbieten. Man entert ein fremdes Schiff und erwartet, dass dasselbe zu einem Taxi mutiert und die Piraten nach Hause bringt? da hat man wohl die sprichwörtliche japanische Höflichkeit etwas überschätzt... Die Aktion sollte wohl auf diese Weise das japanische Schiff von seiner Aufgabe, der Beobachtung des Piratenmutterschiffes abbringen. Hat wohl nicht richtig geklappt. D
Haha, du bist ja ein Witzbold! Schön, dass es in Deutschland noch Humor gibt. Wenn du hier in Deutschland ein japanisches Botschaftsfahrzeug enterst, um dem japanischen Botschafter deine Meinung zum illegalen Walfang zu sagen, musst du auch nicht damit rechnen, nach Japan entführt zu werden. Die Aktion fand in Australiens Hoheitsgewässern statt!
caribicwolf 08.01.2012
5. Was wäre wenn ...
Zitat von commonsense2Leider hat sich Japan mit seinen angeblich fuer Forschungszwecke gefangenen, gekillten, verspeisten Walen frontal gegen die allgemein akzeptierte (bis auf Daenemark Island) Meinung des Schutzes dieser Meeressaeger gestellt. Es sollte deshalb wie alle, die dagegen massiv verstossen aus allen UN Gremien fliegen und finanzielle Strafen fuer staendigen Verstoss fuer Schutzmassnahmen zahlen muessen.
... alle, die das Vorgehen der Japaner verurteilen, für 2 Wochen keine japanischen Produkte kaufen? Die Aktion verlängern, bis Japan einlenkt! Gilt übrigens für alles, was sinnlos oder aus Profitgier zerstört wird: Robben, Eisbären, Wälder usw.
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