Royaler Nachwuchs: Baby Cambridge, neuer Werbeträger der Monarchie

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Kind von William und Kate: "Happy Birthday, Royal Baby" Fotos
Getty Images

Erst die Hochzeit, nun das Baby: Prinz William und Kate sind die Hoffnungsträger der angestaubten britischen Monarchie. Die jungen Vorzeigeeltern machen die Firma Windsor wieder zukunftsfähig.

Es ist einige Jahrzehnte her, dass Großbritannien die Geburt eines künftigen Königs begießen durfte. Am 21. Juni 1982 kam Prinz William auf die Welt, der Erstgeborene von Kronprinz Charles und Prinzessin Diana. Als die Nachricht bekannt wurde, knallten in den Maschinen von British Airways die Korken. Die damals noch staatliche Fluggesellschaft spendierte allen Passagieren eine Runde Champagner. Über die Bordlautsprecher kam die Durchsage: "Großbritannien hat einen Grund zum Feiern."

Das Neugeborene hieß erst nur "Baby Wales". Als einige Tage später der volle Name William Arthur Philip Louis von Wales bekanntgegeben wurde, notierte das "Hamburger Abendblatt" enttäuscht: "Prinzessin Diana konnte sich mit ihrem Wunsch nach einem modernen Namen für ihr Kind nicht durchsetzen." Der SPIEGEL berichtete indigniert, Vater Charles sei "neuer Mode folgend" bei der Geburt dabei gewesen - obendrein auch noch "händchenhaltend".

31 Jahre später freut sich die Nation nun über "Baby Cambridge". Aus William Wales ist inzwischen der Herzog von Cambridge geworden, und selbstverständlich war auch er bei der Geburt dabei. Er kann sich über einen Sohn freuen, der 3,8 Kilogramm auf die Waage bringt. Mehr wurde zunächst nicht bekannt. Auf den Namen des Kindes muss die Nation noch warten - auch diesmal wird er wohl eher traditionell ausfallen.

Die Geburt eines Thronfolgers ist im Jahr 2013 ein noch größeres Ereignis als 1982. Das liegt zum einen daran, dass der globale Medienhunger nach Promi-Nachrichten um ein Vielfaches gewachsen ist. Aber es gibt noch einen zweiten Grund: Das Haus Windsor, zwischenzeitlich totgesagt, scheint plötzlich wieder eine glänzende Zukunft zu haben.

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Die britische Monarchie seit 1702: Long live the Queen
Geburten waren bei Hofe immer von existentieller Bedeutung. Wenn nötig, wurde für einen gesunden Thronfolger geraubt und gemordet, denn jeder König wusste: Ein Baby sichert das Überleben der Dynastie. Die Regel gilt in abgewandelter Form auch im 21. Jahrhundert. Die moderne Monarchie ist vor allem vom Wohlwollen des Volkes abhängig. Und nichts erwärmt die Herzen mehr als ein Baby im Palast.

Für das britische Königshaus ist die Geburt daher das zweite Schlüsselereignis nach der Hochzeit von William und Kate im April 2011. Die Märchenbraut wurde damals zur neuen Hauptattraktion der Royals. Die Geburt katapultiert sie nun in Höhen, die vor ihr nur die jungen Mütter Elizabeth II. und Diana erreichten. Kate sei wie dazu gemacht, von der perfekten Braut zur perfekten Mutter zu mutieren, schrieb die britische Schriftstellerin Hilary Mantel in ihrem umstrittenen Essay in der "London Review of Books".

"Die Firma" arbeitet am Image

Baby und Mutter sind ein Geschenk für die Strategen des Königshauses. Unzählige Marketing- und PR-Experten wachen über die Marke Windsor. Seit Jahren versuchen sie, der angestaubten Institution, intern nur die "Firma" genannt, ein jüngeres Image zu verpassen. William, Kate und Harry werden daher zunehmend in den Vordergrund gerückt - mit einigem Erfolg. Umfragen zeigen: Im Unterschied zu den Royals im Rentenalter spricht das Trio auch jüngere Generationen an.

"Willkommen, künftiger König!"

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Das Baby löst nun die nächste Welle der Monarchiebegeisterung aus - zumindest in Presse und Fernsehen. "Die Medien plappern gern die offizielle Linie nach, dass die Monarchie von diesen Ereignissen profitiere", sagt Graham Smith, Sprecher der Anti-Royalisten-Truppe Republic. Dabei gebe es dafür keine harten Beweise: In den Umfragen schlage sich die Freude über das Baby nicht in größerer Unterstützung für die Monarchie nieder.

Das Interesse an der Promi-Geburt ist jedoch zweifellos groß - gerade auch über die Grenzen der Insel hinaus. Kate und William fänden sich nun in einer Vorbildrolle für Eltern in aller Welt wieder, urteilte das US-Magazin "Time" bereits vor der Geburt. Das Baby sei schon im Mutterleib zu einer "Person mit globalem Einfluss" geworden. Wie weit dieser Einfluss reicht, dürfte bald schon für alle sichtbar sein: In den weltweiten Rankings der Kindernamen.

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1. Urlaubsgrüsse
lafrench 22.07.2013
Wir aben hier heute beim Theaterfestival in Avignon gestern ein hervorragendes Stück von Falk Richter gesehen - Rausch - da ging's auch um den Unsinn und die hoffentlich bald kommende Abschaffung jeglicher Monarchie. Die Ziele der frz. Rev. sind leider noch lange nicht erreicht!
2. Na denn
ediart 22.07.2013
die Regenbogenpresse wird ihre Auflagen auf ein hohes Niveau bringen und die Leser in den Wartezimmern der Arztpraxen werden ihre Athrose vergessen lassen.
3. optional
karl84 22.07.2013
Vorzeigeeltern nach nicht mal einen Tag... Nur weil in Ihnen royales Blut fließt sind sie ein Vorbild für alle. Einfach Lächerlich.
4. Wieso die ganze Aufregung der
berlin1001234 22.07.2013
Eigentlich ist heute nachmittag nichts besonderes passiert: Eine, von ich weiß nicht wie vielen Frauen, bekommt ein Kind. Komischerweise hat jeder in den letzten Tagen, Wochen oder gar Monaten über die kommende Geburt gesprochen. Warum darf, bei einer so großen öffentlichen Wahrnehmung, ein Nachrichtenportal nicht eine "eilmeldung" senden? Und ganz ehrlich, Ihr lieben "Kritiker" (Sachte formuliert) , Ihr wolltet es doch wissen, oder warum habt ihr denn Artikel gelesen? Nur um sich mal wieder über spon aufzuregen? Wenn euch stört, es gibt auch z. B. SZ als App, die machen aber auch nichts anderes. Warum auch?
5. ...
Mesrine 22.07.2013
als wäre es ein wunschkind...brot und spiele.
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