Leben am Rand von Dhaka Menschen, die wir sonst nicht sehen

Es ist unvorstellbar, dass Menschen so leben: in bitterster Armut, Dreck und Gestank. In Boirakhali am Rand von Dhaka in Bangladesch hat Hadi Uddin seine Fotos gemacht. Er wollte Fröhlichkeit zeigen. Ist es ihm gelungen?

Hadi Uddin

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"Man weiß, dass man Boirakhali erreicht hat, wenn man den stechenden Geruch von Abwasser in der Nase hat und sich auf der Haut eine dünne Staubschicht bildet", sagt Hadi Uddin. Der bangladeschische Fotograf hat für seine Serie "Here, For Now" Menschen in der informellen Siedlung am Rand von Dhaka fotografiert. Armut, Umweltverschmutzung und Hunger gehören hier zum täglichen Leben.

Uddin begann 2014 mit der Fotoserie, als er von Jessore nach Dhaka zog. Bis dahin hatte er im Fotoatelier seines Vaters Passfotos und Familienporträts angefertigt, in der Hauptstadt fing er nun an, für ein Modemagazin zu arbeiten. Ein starker Kontrast zu seinem bisherigen Leben: "Den Kulturschock habe ich bewältigt, indem ich mich in das Elendsviertel von Baraikhali zurückzog", sagt er.

Die Modefotografie hat seine Arbeit geprägt - Uddin inszeniert auch seine Porträts in Boirakhali und nutzt künstliches Licht. Oft werde Armut mit schwarz-weißen Bildern dargestellt, doch er wolle eine andere Wirkung erzielen, sagt der Fotograf. Seine Bilder sollen bunt und lebendig wirken. "Die Menschen dort sind auf eine andere Weise glücklich, denn Glück ist nicht nur materiell", sagt Uddin.

Doch seine Bilder schockieren auch, nicht allein wegen der Umweltverschmutzung: eine Frau lässt sich von einem Affen lausen, eine andere bleckt die wenigen Zähne, die sie noch im Mund hat, ein Kind scheint einem Horrorfilm entsprungen.

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14  Bilder
Armutssiedlung: Leben am Rand von Dhaka

Uddin verbrachte viel Zeit in Boirakhali, sprach mit den Menschen: "Die Leute waren meistens sehr aufgeregt, Teil meines Projekts zu sein, und wollten viel über mich wissen." Fast alle ließen sich von ihm porträtieren.

"Das sind Menschen, die wir sonst nicht sehen", sagt Uddin. Er zeigt Bauarbeiter, Rikschafahrer, Straßenhändler und saisonale, schlecht bezahlte Arbeiter. Die Menschen haben keinen festen Wohnsitz, sie leben unter provisorischen Bedingungen. So ist auch der Titel der Fotoserie zu verstehen: "Here, For Now": Hier für den Moment.

Während Dhaka wächst, werden die Bewohner um Boirakhali immer weiter an den Rand gedrängt. Denn die Stadtentwickler haben bereits begonnen, die illegalen Siedlungen zu bebauen und zu einem neuen Wohnsitz für die aufstrebende Mittelschicht zu machen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Ärmsten eine neue Bleibe suchen müssen.

Laut Uddin entwickelt sich die bangladeschische Hauptstadt rasant, das Geld bleibe aber trotzdem bei den Wohlhabenden, an der sozialen Ungleichheit ändere sich nichts: "Ich hoffe und bete, dass es eines Tages besser wird."

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