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Pläne für neues Staatsoberhaupt: Regierung von Barbados hat genug von der Queen

Königin Elizabeth II. (Archiv): Bald nur noch Staatsoberhaupt von 15 Ländern Zur Großansicht
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Königin Elizabeth II. (Archiv): Bald nur noch Staatsoberhaupt von 15 Ländern

Barbados macht Schluss: 50 Jahre nach der Unabhängigkeit von Großbritannien will die Regierung des Karibikstaats auch die Queen als Staatsoberhaupt aufgeben.

Barbados ist Mitglied eines exklusiven Klubs: Der Karibikstaat ist eins von 16 Ländern weltweit, die von Queen Elizabeth II. als Staatsoberhaupt vertreten werden. Nun will die Regierung der Insel jedoch auch dieses letzte institutionelle Band zur früheren Kolonialmacht Großbritannien durchtrennen. Die parlamentarische Monarchie soll eine Republik werden, ab 2016 soll ein gewählter Präsident die Rolle des Staatsoberhaupts übernehmen.

Ministerpräsident Freundel Stuart will die Queen noch vor November 2016 ihres Amtes entheben, dann feiert der Inselstaat mit seinen 300.000 Einwohnern den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Großbritannien. Stuart sagte, es mache keinen Sinn mehr, die Monarchin weiter als Staatsoberhaupt zu bemühen, da sein Land ja schon lange selbst über seine Belange bestimme. Es komme ihm seltsam vor, weiterhin offiziell der Queen und nicht seinem Heimatland die Treue schwören zu müssen.

Mit Gegenwehr aus London wird Barbados nicht rechnen müssen: Ein Sprecher des Buckingham-Palasts sagte, die Entscheidung sei Sache der Regierung und der Einwohner von Barbados. Ein Sprecher des britischen Premierministers David Cameron fügte hinzu, man gehe davon aus, dass das Vorgehen im Einklang mit dem Selbstbestimmungsrecht stehen werde.

Auf Barbados wird immer wieder über diesen Schritt debattiert. Viele ältere Inselbewohner sehen die Queen als Symbol der Stabilität, während viele jüngere den Umstand, dass die Königin von England ihr Staatsoberhaupt ist, als Anachronismus empfinden.

In vielen anderen Ländern, die früher zum britischen Empire gehörten und international bis heute von der Queen vertreten werden, werden ähnliche Debatten geführt. Die frühere karibische Kolonie Trinidad und Tobago etwa hatte sich bereits 1976 zur Republik erklärt. Mauritius war 1992 das vorerst letzte Land, das auf die Dienste der Queen verzichtete. In Australien und Kanada hingegen waren die Republikaner bei Volksbefragungen bislang stets unterlegen.

Barbados würde auch nach dem Abschied von der Queen dennoch im Commonwealth bleiben, einer losen Verbindung heute souveräner Staaten, die ehemals dem Empire angehörten. Ministerpräsident Stuart geht davon aus, dass die Opposition im Parlament sich seinen Plänen nicht entgegenstellt und die nötige Zweidrittelmehrheit für den Schritt zusammenkommt.

loe/AP

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Queen of Dirty Money
rotertraktor 24.03.2015
Wer kassiert denn dann zukünftig die Einnahmen aus dem wichtigsten Geschäftsmodell des Landes - dem globalen Steuerhinterziehungsbusiness? https://de.wikipedia.org/wiki/Steueroase#Wichtige_Steueroasen Barbados ist längst nicht die einzige Steueroase unter der britischen Krone. Mag sein, dass der Titel als Staatsoberhaupt nicht mehr viel zählt, aber dieses äußerst lukrative Geschäft wird sich die Schwarzgeld-Queen sicher nicht nehmen lassen.
2. Sehr schön wäre eine Volksbefragung ...
Ureinwohner2.0 24.03.2015
möge doch das Volk entscheiden. Schön und gut, das Parlament kann ja einen Volksentscheid unterstützen. Aber das sagen sollte schon das Volk haben. (Ich kenne da allerdings ein Beispiel, bei dem ein Volksentscheid und der parlamentarische Wille nicht anerkannt wurden. Kennen sie dieses Beispiel auch? - Tipp:Es ist nur ein paar hundert km von D entfernt und liegt im Schwarzen Meer.)
3.
kajoter 24.03.2015
Ich hoffe, die Briten nehmen sich ein Beispiel daran. Diese vererbte oder angeheiratete Pöstcheninhaberei, dieser Ersatz jedweder Qualifikation durch Abstammung, die damit verbundenen Privilegien und das häufig zu beobachtende, öffentliche Ausleben selbiger kann in einer echten Demokratie nur zur einer Vertiefung einer Zweiklassen-Gesellschaft führen - jedenfalls so, wie es im UK praktiziert wird. - Daneben stelle man sich vor, man besäße nicht nur die Staatsoberhäuptin QE, sondern müsse auch deren Ehemann ertragen ...
4. Das United Kindom
Badischer Revoluzzer 24.03.2015
ist ein Anachronismus, der an die Kolonialmacht England erinnern soll. Nur durch die Ausbeutung seiner Kolonien konnte England Größe zeigen. Ein bischen wollen sie das heute auch noch. Aber 50 Jahre sind eine sehr lange Zeit in der man ein Land tatsächlich von der ehemaligen Kolonialmacht lösen sollte.
5. Eine parlamentarische Demokratie braucht kein Staatsoberhaupt
ichsagwas 24.03.2015
An diesen ganzen Diskussionen, insbes. in Kanada und Australien zeigt sich ganz schön, wie unbedeutend so ein Staatsoberhaupt eigentlich ist. Würde Gauck heute verschwinden - es würde erst mal wochenlang keiner merken. Entsprechende repräsentative Aufgaben könnten locker der Palamentspräsident und seine Stellvertreter übernehmen. Eine parlamentarische Demokratie braucht im Grunde genommen kein Staatsoberhaupt. Elegant gelöst ist das in der Schweiz. Der sogenannte Bundespräsident ist lediglich eine Art Minister für Repräsentation und wird vom Parlament für jeweils nur ein Jahr gewählt. Er ist ausdrücklich kein Staatsoberhaupt, sondern Teil der Regierung und hat in der Regierung ein einfaches Stimmrecht (kein Veto o.ä.). Diese Lösung ist leider einmalig auf der Welt, obwohl sie doch eigentlich sehr demokratisch und naheliegend ist.
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