Fotoprojekt So betten sich Amerikaner

Hippies, Greise, hüpfende Kinder: Barbara Peacock porträtiert Menschen in ihren Schlafzimmern. Die Fotografin will zeigen, worin wir uns unterscheiden - und was wir alle gemeinsam haben.

Barbara Peacock

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Bekommt man Besuch, bleibt eine Tür meist verschlossen: die zum Schlafzimmer. Es ist der wohl privateste Raum einer Wohnung. Doch wer würde nicht gerne wissen, wo andere sich schlafen legen? Barbara Peacock stillt diese Neugier. Seit einem Jahr reist sie durch Amerika und fotografiert Menschen in ihren Betten.

Die Idee für die Serie "American Bedrooms" hatte Peacock frühmorgens - in ihrem eigenen Schlafzimmer: "Ich stand am Fenster und sah meinen Mann mit seinem Schnarchstopper, ich selbst hatte eine Augenmaske und bunte Socken an. Ich musste lachen und begann darüber nachzudenken, was ein einziges Bild über einen Menschen aussagen kann."

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12  Bilder
Fotoprojekt von Barbara Peacock: Ein Blick ins Schlafzimmer

Peacock trifft Menschen in ihren Schlafräumen: in einem Wohnwagen, einem Kinderzimmer oder einer beengten Kammer. Sie fotografiert Kinder, Familien, Singles und Paare in Doppelbetten, auf schmalen Matratzen oder Pflegeliegen. Mit diesen sehr persönlichen Aufnahmen möchte die Fotografin herausfinden, was die Menschen als Individuen auszeichnet - und was wir alle gemeinsam haben.

Elvis Presley und leere Bierdosen

Womit wir uns an diesen intimen Orten umgeben? Das könnte unterschiedlicher kaum sein. Doch die Fotoserie zeigt auch, was all diese Räume eint: Die Gegenstände zeigen eine gewisse liebevolle Nachlässigkeit, die sich Menschen vielleicht am ehesten dort gestatten, wo sie schlafen und träumen: blassorangefarbene Socken mit schwarzen und gelben Marihuanablättern darauf, eine Chilischoten-Lichterkette, eine verknüllte Elvis-Presley-Decke, eine Reihe leerer Bierdosen.

Die Porträtierten findet Peacock in ihrem Freundeskreis oder über soziale Medien und Aushänge. Oft trifft sie die Menschen für das Foto zum ersten Mal, hat ihr Schlafzimmer vorher noch nie gesehen. Peacock nimmt nur wenig Veränderungen in den Räumen vor: "Wenn es nötig ist, positioniere ich die Menschen ein wenig, bewege einige ihrer persönlichen Gegenstände in das Bild."

Durch die Fotosessions im Schlafzimmer lerne sie viel über die Menschen, sagt Peacock. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sei auch, durch Gespräche etwas aus ihrem Leben zu erfahren. Zu jedem Foto liefert sie Zitate der Porträtierten.

Ihr Serie ist noch längst nicht fertig. Bislang hat Peacock an der Ostküste und in Regionen der südlichen USA gearbeitet. Dank des Preisgeldes, das sie als Gewinnerin des Fotojournalistenpreises "Editorial Grant" der Bildagentur Getty Images in diesem Jahr erhalten hat, wird die Fotografin nun auch Schlafzimmer in weiter entfernten Bundesstaaten dokumentieren.



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