Frankreich Rechter Bürgermeister will Roma-Baby nun doch beerdigen

Der Fall sorgte europaweit für Schlagzeilen: In Frankreich hat ein Bürgermeister die Beerdigung eines Roma-Babys in seiner Gemeinde verhindert. Nun rudert der Mann zurück. Es handele sich um ein Missverständnis.

Friedhof von Champlan: Hier soll die kleine Maria Francesca beerdigt werden
AFP

Friedhof von Champlan: Hier soll die kleine Maria Francesca beerdigt werden


Paris - Nach der Aufregung um die Bestattung eines Roma-Babys in Frankreich will der Bürgermeister der Gemeinde Champlan nun doch, dass das Kind auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt wird. Er wünsche sich "inständig", dass das kleine Mädchen in Champlan beerdigt werde, sagte Christian Leclerc der Nachrichtenagentur AFP.

Laut dem zuständigen Bestatter hatte Leclerc die Beerdigung des an Weihnachten gestorbenen Roma-Babys in seiner Gemeinde verweigert. Nach einem Bericht der Zeitung "Le Parisien" begründete er seine Entscheidung damit, dass auf dem Friedhof der Ortschaft am Rand von Paris nur noch wenige Gräber frei seien. "Vorrang haben diejenigen, die hier ihre Steuern zahlen", wurde der rechtsgerichtete Bürgermeister von der Zeitung zitiert.

Das am 14. Oktober geborene Mädchen Maria Francesca war in der Nacht zum 26. Dezember in einem Krankenhaus der an Champlan angrenzenden Gemeinde Corbeil-Essonnes am plötzlichen Kindstod gestorben. Die Familie stellte daraufhin in Champlan, wo sie mit anderen Roma in einem Camp wohnte, den Antrag, ihr Kind dort begraben zu dürfen. Angesichts der Weigerung des Bürgermeisters bot die nahe gelegene Gemeinde Wissous der Familie schließlich an, das Baby dort zu begraben.

Der Bürgermeister behauptet nun, er habe sich der Bestattung "zu keinem Zeitpunkt widersetzt". Das veröffentlichte Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er sprach von einem Missverständnis und sagte, die kontroverse Debatte tue ihm "sehr leid".

In Frankreich können Menschen an ihrem Wohnort, an ihrem Sterbeort oder in einer Gemeinde begraben werden, wo die Familie eine Begräbnisstätte hat. In jedem Fall müssen die Angehörigen beim jeweiligen Bürgermeister um Erlaubnis bitten.

vet/AFP

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