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Bauboom in Los Angeles' Luxusviertel: Monstervillen in Bel Air

Aus Los Angeles berichtet

Bel Air: Im Land der Giga-Mansions Fotos
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Bel Air, das schickste Luxusviertel von Los Angeles, war bisher ein stilles Refugium für Stars. Doch jetzt gibt es Ärger: Investoren verschandeln die Hügel mit protzigen Mega-Villen. Die Baustellen sind sogar lebensgefährlich.

Ernest Allen hatte keine Chance. Der Betonmischer raste auf ihn zu, geriet ins Schleudern und stürzte um - direkt auf den Pickup-Truck, in dem Allen saß. Der 52-jährige Polizist war sofort tot.

Ein Jahr später reden sie immer noch davon, hier in Bel Air, dem vornehmen Villenviertel auf der West Side von Los Angeles. "Von einem Lkw zerquetscht", sagt Fred Rosen, der gleich um die Ecke wohnt. "Sie brauchten einen Metalldetektor, um seine Waffe zu finden."

Zumal es nicht das erste Unglück war. Zwei Monate zuvor war an derselben Stelle schon einmal ein Polizist umgekommen, als er unter einen Baulaster geriet. Ein halbes Jahr davor war ein Truck in zwei geparkte Autos gekracht; tonnenweise heißer Asphalt ergoss sich in den geschniegelten Vorgarten des Hollywood-Managers Eric Kranzler.

In Bel Air, klagt Rosen, herrschten Zustände "wie im Wilden Westen". Der Grund: Immer mehr Mammutbaustellen auf den Hügelkuppen, die nicht nur die Stille störten und die Landschaft verschandelten, sondern mit ihrem Lkw-Verkehr vor allem das Leben der Anwohner gefährdeten.

Denn überall in Bel Air werden plötzlich Bäume gefällt, Grundstücke gerodet, alte Bungalows abgerissen und an ihrer Stelle gigantische Paläste errichtet. Bis zu 8000 Quadratmeter große, 150 Millionen Dollar teure "Monumente purer Gier und Spekulation", so der Blog "Gawker". Die Kolosse aus Stahl, Beton und Glas haben einen ganz neuen Superlativ geschaffen: Mega-Mansions sind out - Giga-Mansions sind in.

Bel Air sei ein Refugium für Stars, die "aristokratische Bescheidenheit" pflegen, so eine Broschüre. Ein Attribut, das einem bei manchen der derzeitigen oder ehemaligen Bel-Air-Bewohnern-Bewohner zumindest nicht sofort eingefallen wäre: Elvis Presley, Liz Taylor, Jennifer Aniston, Zsa Zsa Gabor, Jennifer Lopez, David Beckham.

Auch Fred Rosen, 71, weiß die Idylle zu schätzen. Seit 2005 genießt der Ex-Chef des Konzertkartendienstes Ticketmaster mit seiner Frau, der Filmproduzentin Nadine Schiff, den Ruhestand in einer für Bel Air fast bescheidenen Villa: 1000 Quadratmeter, lichte Lobby, vier Schlafzimmer, neun Bäder, überall exotische Pflanzen. Eine ganz normale Millionärsvilla eben - nicht so ein "Schandfleck" wie die neuen, empört sich Rosen.

Nicht nur ihm missfällt der Bauboom. Viele Alteingesessene revoltieren gegen die Invasion der Monsterbauten, die oft nur Spekulationsobjekte auswärtiger Investoren sind. Doch Protestschreiben, Stadtratsanhörungen und Klagen brachten bisher wenig. Nachts dekorierte jemand sogar die Bauzäune mit Tüten voller Hundekot dekorierte - es nützte nichts.

Klassenkampf in Bel Air also: Gar nicht mal so altes Geld gegen noch neueren Reichtum, Millionäre gegen Milliardäre. Die da oben gegen die da ganz oben.

Bagger im Paradies: Für die Villen werden ganze Hügel abgetragen Zur Großansicht
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Bagger im Paradies: Für die Villen werden ganze Hügel abgetragen

"Die Häuser sind zum Kotzen geschmacklos", sagt Rosen, der die Bel Air Homeowners Alliance gegründet hat, eine Bürgerinitiative der Großbürger gegen die noch größeren Bürger. "Aber uns geht es in erster Linie um die Sicherheit - buchstäblich um Leben und Tod."

Dann bittet Rosen den Gast in seinen Siebener-BMW, zur Rundfahrt durch das bedrohte Paradies. Im Schrittempo summt er durch die Serpentinen mit prätentiösen Straßennamen wie Via Verona, Portofino Place und Bellagio Terrace.

Presslufthämmer rattern. "Grauenhaft!", ruft Rosen. "Alles wird zerstört hier." Hier und da offenbaren sich die halbfertigen Giganten, hinter dichtem Laub, hohen Bretterzäunen und Verbotsschildern:

• 944 Airole Way: Diese 8400-Quadratmeter-Residenz ist das zurzeit größte Wohnhaus in Los Angeles. Der architektonische Fiebertraum des Immobilieninvestors Nile Niami hat fünf Swimmingpools - "einer für die Nutten", ätzt Rosen. Marktwert: rund 150 Millionen Dollar. Von dieser Baustelle kamen die todbringenden Trucks. Der Stadtrat stoppte die Bauarbeiten, nachdem 45 Kipplaster die enge Straße blockiert hatten.
• 620 Stone Canyon Road: "Chateau des Fleurs" heißt dieses 3700-Quadratmeter-Schloss des VIP-Architekten William Hefner, mit Ballsaal, Flügeln für "sie" und "ihn", drei Aufzügen und einer unterirdischen Garage für 40 Autos. Hauptbauherr ist der Investor Jeffrey Kaplan, der sein Vermögen mit Wohnwagenparks machte.
• 438 North Faring Road: Ein weiteres Projekt von Nile Niami, 2800 Quadratmeter im mediterranen Stil, sieben Schlafzimmer, Weinkeller, Galerie "für großformatige Kunst". Spötter nennen es "Fendi Casa", da die Einrichtung von dem italienischen Modehaus stammt. Im Souterrain: angeblich ein Operationssaal "für kosmetische Prozeduren", wie "Variety"-Kolumnist Mark David erfahren haben will.

• 901 Strada Vecchia: Hier baut der gebürtige Palästinenser Mohamed Hadid, ein Immobilieninvestor und Dokusoap-Komparse ("Real Housewives of Beverly Hills") eines seiner vielen Mammutprojekte. "Raumschiff Enterprise" nennen die Nachbarn das Gebäude.

Neubauprojekt von Mohamed Hadid: "Ein ganz böser" Zur Großansicht

Neubauprojekt von Mohamed Hadid: "Ein ganz böser"

"Hadid ist ein ganz Böser", schimpft Rosen über den Erzfeind. In der Tat ragt der Rohbau wie eine fliegende Untertasse über die geduckten Alt-Villen - in dieser erdbebengefährdeten Gegend ein besonders beunruhigender Anblick. "Aber die Behörden rühren sich erst, wenn jemand stirbt."

Selbst dann hilft das oft nicht. Da Hadids jüngstes Projekt doppelt so hoch wird wie erlaubt und dafür Teile des Hügels abgetragen wurden, widerrief die Stadt die Genehmigung Ende 2014. Hadid - der auch die Villa baute, in der Michael Jackson starb - ließ trotzdem weiterarbeiten.

Die Vorschriften sind sowieso überholt. "Wir haben Gesetze von 1980 für Technologien von 2015", sagt Rosen. Die Situation sei "außer Kontrolle" und könnte "noch viel schlimmer werden", stimmte Stadtrat Paul Koretz in der "New York Times" zu. Eine Anwohnerklage gegen Miamis Bau in der Airole Way schleppt sich seit zwei Jahren durch die Instanzen.

Schon suchen die ersten Ureinwohner das Weite. Medienmogul Rupert Murdoch verkaufte kürzlich sein Anwesen in den Hügeln hier - ein historisches Schlösschen, das 1926 für Stummfilmregisseur Fred Niblo erbaut wurde. Der neue Eigentümer: Murdochs 42-jähriger Sohn James.

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insgesamt 58 Beiträge
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1. schwer zu verstehen
butzibart13 14.05.2015
Beispiel Bild Nr. 8 von Nile Niami mit 5 Swimming Pools. Dabei wird im SPON haüfig über die katastrophale Dürre im Südwesten der USA berichtet. Wie passt das alles zusammen?
2.
Attila2009 14.05.2015
Jetzt noch ein Erdbeben dazu ... Aber so ist das eben wenn jeder machen darf was er wiill - dann macht jeder was er will. Nur keine Vorschriften.
3. ...
notimetochat 14.05.2015
...das Leben kann hart sein...
4. Schwer zu verstehen
josian 14.05.2015
Ist das eigentlich gar nicht Das zeigt nur von der Verblödung, welche mit grenzenlosem Reichtum einhergeht !
5. Das ist Amerika !
Badischer Revoluzzer 14.05.2015
Weshalb beklagen sich diejenigen, die es früher zum Teil auch so gemacht haben. Aber das soll nicht unser Problem sein, das ist deren Sache !
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