Benedikt-Besuch Papst prangert Gleichgültigkeit gegenüber Gott an

Vor 250.000 Gläubigen hat der Papst in München die zunehmende Schwerhörigkeit der westlichen Welt gegenüber Gott kritisiert. Er rief die Menschen dazu auf, sich wieder stärker auf ihren Glauben zu besinnen.


München - Auf dem Gottesdienstgelände wurde Papst Benedikt XVI. von den Gläubigen mit großem Jubel und "Benedetto"-Rufen begrüßt. Dieser wandte sich mit ernsten Worten an die Gottesdienstbesucher. Er beklagte, dass die Menschen Gott "einfach nicht mehr hören" könnten - "zu viele andere Frequenzen haben wir im Ohr", sagte der Heilige Vater. Mit der fehlenden Fähigkeit, auf Gott zu hören, fehle den Menschen aber eine entscheidende Wahrnehmung. "Unsere inneren Sinne drohen abzusterben."

Der Papst forderte die Deutschen auf, sich wieder auf das Evangelium zu besinnen. "Die katholische Kirche in Deutschland ist großartig durch ihre sozialen Aktivitäten, durch ihre Bereitschaft zu helfen, wo immer es Not tut", sagte er. Das Soziale und das Evangelium seien nicht zu trennen, betonte der Papst, gerade wenn man ärmeren Ländern helfen wolle: "Wo wir den Menschen nur Kenntnisse bringen, Fertigkeiten, technisches Können und Gerät, bringen wir zu wenig." Die Predigt endete mit den Worten: "Die Welt braucht Gott. Wir brauchen Gott."

Das Wetter präsentierte sich perfekt für die Freiluftveranstaltung: Nur kleine weiße Wolken zogen ab und zu über den strahlend blauen Münchner Himmel. Zu den Teilnehmern der Messe gehörten neben Bundespräsident Horst Köhler auch mehr als 100 Kardinäle und Bischöfe aus zahlreichen Ländern.

Seit 6 Uhr waren die Pilger mit Gebeten und Gesängen auf die Heilige Messe eingestimmt worden. Bereits in der Nacht brachen Tausende Menschen in Richtung des Messegeländes im Osten Münchens auf. Viele pilgerten über viele Kilometer zu Fuß zum Gottesdienst. Auch Busse und U-Bahnen waren am frühen Morgen schon gut gefüllt. Das befürchtete Chaos in den öffentlichen Verkehrsmitteln blieb aber zunächst aus. Viele der Pilger trugen Papst-T-Shirts und waren mit Fahnen in den Vatikanfarben Gelb-Weiß ausgestattet.

str/ddp/AFP/dpa



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