Fakten zum Papst-Rücktritt: Heißt Benedikt jetzt wieder Ratzinger?

Der Papst-Rücktritt wirft viele Fragen auf: Erhält Benedikt XVI. eine Rente? Wer kommt als Nachfolger in Frage? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz im Mai 2012: "Leben im Gebet" Zur Großansicht
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Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz im Mai 2012: "Leben im Gebet"

Am Ende war es wohl die angegriffene Gesundheit, die den 85-jährigen Papst zum Rücktritt trieb. Die "Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes" hätten in ihm derart abgenommen, dass er seinen Dienst nicht weiter ausführen könne, erklärte der Pontifex am Montagmittag. Dass die physische Verfassung des 85-Jährigen zu der historischen Entscheidung führte, bestätigt auch Benedikts Bruder Georg Ratzinger. "Das Alter drückt", sagte der 89-Jährige, der nach eigenen Angaben seit Monaten von den Plänen Benedikts wusste. Dessen Rücktritt sei ein "natürlicher Vorgang": "Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe."

Aber wie geht es nun für Benedikt und die Kirche weiter? Der Überblick:

1. Ein lebender Ex-Papst - geht das überhaupt?
Zumindest bringt er die Kirche in eine völlig neue Situation. Erst einmal in der Geschichte des Christentums trat ein Papst aus freien Stücken von seinem Amt zurück - das war Coelestin V., im Jahr 1294. Manche Beobachter warnen bereits vor Verhältnissen wie zuletzt in der Renaissance, als sogenannte Gegenpäpste die Kirche vor eine Zerreißprobe stellten. "Es könnte die Situation eintreten, dass ein Nachfolger einen anderen Kurs einschlägt als Benedikt", spekuliert Papst-Biograf Andreas Englisch. "Was passiert, wenn Ratzinger sich einschaltet und sagt: 'Ich bin immer noch Papst, und ich sehe das ganz anders'?" Im schlimmsten Fall sei eine Spaltung der Kirche möglich.

2. Wann wird ein Nachfolger gewählt?
Benedikts Rücktritt wird am 28. Februar um 20 Uhr wirksam. Nach geltendem Kirchenrecht tritt das Konklave - eine Versammlung aller Kardinäle unter 80 Jahren - frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach Tod oder Rücktritt des Pontifex zusammen. "Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi und fügte sicherheitshalber hinzu: Papst Benedikt XVI. wird selber nicht im Konklave sitzen.

3. Was macht Benedikt nach seinem Rücktritt?
In seiner Rücktrittserklärung sagte der Papst: "Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes durch ein Leben im Gebet dienen." Konkret bedeutet das: Benedikt wird in ein Kloster im Vatikan ziehen. Laut den italienischen Zeitungen "Il Sole 24 Ore" und "Il Messagero" soll es sich dabei um das Klausurkloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten handeln. Bevor es so weit sei, müssten dort allerdings noch Umbauarbeiten abgeschlossen werden, sagte Sprecher Lombardi. Für eine Übergangszeit werde Benedikt in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen. Konkrete Aufgaben für zurückgetretene Päpste sehe das Kirchenrecht nicht vor, heißt es in einem Bulletin des Vatikans.

4. Heißt Benedikt jetzt wieder Ratzinger?
Keine ganz banale Frage - denn üblicherweise endet das Pontifikat mit dem Tod des Amtsinhabers. Konkrete Regelungen, wie Päpste nach dem Rücktritt genannt werden sollen, gebe es nicht, sagt Stephan Haering, Kirchenrechtler an der Universität München. Man werde ihn wohl weiter Benedikt nennen. "Das kann er aber noch selber regeln, wenn er das möchte." Eindeutiger sei da die Frage, welche Ämter Benedikt nach seinem Rücktritt bekleidet: gar keine mehr.

5. Bekommt Benedikt eine Rente?
Vermutlich nicht, meint Ralf Lützelschwab, Kirchenhistoriker und Papst-Experte von der FU Berlin. "Emeritierte Kurienkardinäle zum Beispiel bekommen Kost und Logis, außerdem eine sehr überschaubare Rente", sagt er. Bei Benedikt sei das aber etwas anderes - nicht zuletzt, weil Päpste kein Gehalt bekommen. Als absoluten Herrscher gehört ihnen im Vatikan ohnehin alles. Und selbst wenn es eine Rente gäbe, bräuchte Ratzinger diese nicht zum Leben: "Die Tantiemen seiner Bücher spielen locker genug ein", sagt Lützelschwab.

6. Wer ist Favorit für Benedikts Nachfolge?
Zunächst einmal erwartet Papst-Biograf Andreas Englisch eine Auseinandersetzung zwischen zwei Fraktionen unter den Kardinälen: "Auf der einen Seite sind die Italiener, die das Amt für sich zurückhaben wollen", sagt er. "Auf der anderen Seite steht die Globalisierungsfraktion, die sagt: Nach einem Polen und einem Deutschen muss es global weitergehen." Sollte sich diese Gruppe durchsetzen, wird Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson als Nachfolger gehandelt - als Ghanaer wäre er der erste afrikanische Papst überhaupt. Bei den englischen Buchmachern dagegen liegt laut Online-Zeitung "Huffington Post" Marc Ouellet vorne. Der 68-jährige Kanadier ist Kurienkardinal, zuvor war er Erzbischof von Québec.

rls/dpa/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Wir sind bald nicht mehr Papst
derandersdenkende 11.02.2013
Zitat von sysopHeißt Benedikt jetzt wieder Ratzinger? Kriegt er eine Rente? Wer kommt als Nachfolger in Frage? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Papst-Rücktritt. Benedikt-FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Papst-Rücktritt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/benedikt-faq-die-wichtigsten-fragen-zum-papst-ruecktritt-a-882746.html)
Und die übergroße Mehrzahl von uns wollte es ohnehin nie sein. Benedikt XVI. war kein Kriegspapst, er hat den Erhalt menschlichen Lebens stets in den Mittelpunklt gestellt. Das vor allem wird von ihm die Nachwelt erhalten bleiben. Trotzdem hätte er sich noch konkreter gegen die Krieger und Welteroberer des 21.Jahrhunderts artikulieren müssen. Du sollst nicht Töten und das Töten zum Geschäft machen, entsprang seiner innerern Grundhaltung.
2. erster afrikanischer Papst
koh 11.02.2013
Ich bin zwar kein Experte in der Papologie, aber ich habe gerade gestern zufällig im Wikipedia Artikel zu Papst Gelasius I folgendes Zitat gelesen: "Er war Kabyle und wahrscheinlich der dritte afrikanische Papst". Irgendjemand muss da also nachbessern...
3. Der wahre Grund ...
ihawk 11.02.2013
... für seinen Rücktritt lässt sich nur erahnen. Seine wirkliche Größe war schon immer seine erzkonservative Grundhaltung welche diametral zu den Erfordernissen im Vatikan steht. Ich wünsche ihm ein erholsames Rentendasein, ein literarischer Bestseller ist sicherlich schon in der Rohfassung fertig....
4. Wie würde er denn dann
spaltpilz 11.02.2013
korrekt angeredet werden müssen? Nur "Benedikt"? Vater Benedikt? Welchen Status hat er denn dann nach erfolgtem Rücktritt? Ist er dann Glaubensbruder des Ordens, bei dem er lebt? Ist er noch oder wieder Kardinal? Ist er den Glaubensbrüdern des Klosters, in dem er leben will Übergeordnet? Der Artikel lässt Vieles offen.
5. Kirchlicher Zapfenstreich
ndk 11.02.2013
Papst Benedikt XVI sollte würdig verabschiedet werden. Eine Art kirchlicher Zapfenstreich mit einem Riesenchor und ~orchester auf dem Petersplatz könnte ich mir gut vorstellen. Genug Zeit zur Vorbereitung hat man ja.
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