Benedikt XVI. in Deutschland Läuft was falsch in Gottes Häusern?

Der Papst kommt nach Deutschland, die Massen werden ihn feiern. Doch tatsächlich ist es um seine Kirche desolat bestellt. SPIEGEL ONLINE hat Gottesdienste in sechs Gemeinden besucht - und Geistliche gefunden, die es wagen, Tacheles zu reden.

Von Christian Bleher, Christian Fuchs, , , und


Jugendchor vor Benedikt-Plakat (im Landkreis Eichsfeld): Fortschrittliche Basis?
dapd

Jugendchor vor Benedikt-Plakat (im Landkreis Eichsfeld): Fortschrittliche Basis?

Der deutsche Papst reist in dieser Woche in sein Heimatland, besucht Berlin, Erfurt, Freiburg. Er trifft auf eine Kirche, die vom Aussterben bedroht ist, in der es im vergangenen Jahr erstmals mehr Austritte gab als Taufen, die sich hierzulande schwer tut, junge Männer zu rekrutieren, die Priester werden wollen.

Wer verstehen will, wie es um die katholische Kirche in Deutschland bestellt ist, muss die Christen besuchen, draußen, in den Gemeinden. Muss sich Gottesdienste anschauen, das Hochamt des Glaubens.

Muss beobachten, wer auf den Kirchenbänken sitzt, welche Botschaft vom Priester ausgeht, welche Stimmung verbreitet wird. Liegt das Heil tatsächlich in einer Rückbesinnung auf die Kirche der Vergangenheit? Ist die Kirche an der Basis gar fortschrittlicher, als sie sich offiziell gibt?

SPIEGEL-ONLINE-Autoren haben Gotteshäuser besucht - in erzkatholischen Hochburgen im Süden des Landes und im Norden, in der Diaspora. Sie haben Priester erlebt, die vom Tourismus zehren, deren Gottesdienste Saisonware sind. Sie haben wahre Showtalente vor dem Altar erlebt, die ihr Publikum animieren, unterhalten, trösten, Woche für Woche aufs Neue.

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg war an diesem Sonntag Teil der Liturgie: In dem biblischen Gleichnis heuert der Weinbergbesitzer Arbeiter an - und zahlt allen den gleichen Lohn, unabhängig davon, wie lange sie für ihn tätig waren. Die Parabel endet mit dem Satz: "So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten."

Die Geistlichen setzen diese Vorlage ganz unterschiedlich um. Morgens, halb zehn in Deutschland ging es um Tariflöhne, um Gerechtigkeit - aber auch um Homosexualität.

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
unterländer 19.09.2011
1. Ach du liebe Zeit ....
Zitat von sysopDer Papst kommt nach Deutschland, die Massen werden ihn feiern.*Doch tatsächlich ist es um seine Kirche desolat bestellt.*SPIEGEL ONLINE hat Gottesdienste in sechs Gemeinden besucht - und Geistliche gefunden, die es wagen, Tacheles zu reden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,787022,00.html
Ich habe vier der fünf Berichte gelesen und muss sagen, dass die einzelnen Berichte die Zusammenfassung am Anfang des Artikels nicht wiedergeben. Zwei stehen ihr sogar diametral gegenüber.
Regulisssima 19.09.2011
2. desolat bestellt
"Doch tatsächlich ist es um seine Kirche desolat bestellt." Lang genug hat die Kirche sich gegen Logik und Vernunft gestellt, jetzt befasst sich sich lieber mit sich selbst. Das die Kirche ausgerechnet unter einem intellektuellen Papst endgültig in dieses Brunnenloch gefallen ist, ist ein Kuriosum in einer schon zu langen Geschichte.
geroi.truda 19.09.2011
3.
Der Autor hat offensichtlich überhaupt nichts verstanden - es geht bei der Messe nicht um Show, Unterhaltung, Langeweile... sondern um den rituell exakten Vollzug der Liturgie, in der wir Gott auf die rechte, von den Vätern überkommene Weise loben sollen (orthos doxa = die rechte Art zu loben) - auch wenn das in der in den 1970er-Jahren erdachten Bugnigni-Litgurgie nur noch unvollständig zum Ausdruck kommt; "rennen", "quäken", "Arme-verschränken" und "Humor" sind daher definitiv unangebracht... Der Priester steht am Altar "in persona Christi", und tritt als Persönlichkeit gänzlich zurück... Im Übrigen gibt es nach katholischer (=römischer und orthodoxer) Tradition kein "Abendmahl", sondern das Sakrament der Eucharistie als unblutigen Nachvollzug des Kreuzestodes Christi... Wie es richtig geht könnte der Autor in St. Afra in Berlin-Wedding sehen...
buddysoul1, 19.09.2011
4. Es ist wie in der Schule...
...der Erfolg hängt am Personal vorne am Pult. Ein interessanter oder gar fürs Leben wichtiger Stoff allein sorgt nicht dafür, dass am Ende was hängen bleibt. Aber auch wenn vorne ein Langweiler predigt: Man kann immer noch die Stunde am Sonntag mal nutzen, um über sich, das Leben und die universelle Botschaft "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" in Ruhe nachzudenken. Schadet überhaupt nicht. Und wenn es mehr Leute täten, wäre die Welt schnell eine bessere.
mundi 19.09.2011
5. Deutschland - ein Missionsland
Zitat von sysopDer Papst kommt nach Deutschland, die Massen werden ihn feiern.*Doch tatsächlich ist es um seine Kirche desolat bestellt.*SPIEGEL ONLINE hat Gottesdienste in sechs Gemeinden besucht - und Geistliche gefunden, die es wagen, Tacheles zu reden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,787022,00.html
Für die katholische Kirche ist Deutschland inzwischen ein Missionsland geworden. Ähnlich wie in Ländern des Islam kein Ungläubiger predigen darf, protestieren im atheistischen Berlin die Leute gegen die Ansprache eines Gläubigen. Wo ist da der Unterschied?
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