Benedikt XVI. Papst-Rede schockiert Schwule

Kategorisch hat sich Papst Benedikt XVI. in einer Festtagsansprache gegen Geschlechtsumwandlung und Homo-Ehe ausgesprochen. Italienische Schwulenverbände befürchten nun eine drastische Verschlechterung des sozialen Klimas im Land.

Von


Vatikanstadt - Archaische Töne aus dem Vatikan: Am Montag hatte sich in der Sala Clementina im Apostolischen Palast alles versammelt, was Rang und Namen hat. In seiner Weihnachtsansprache wandte sich Papst Benedikt XVI. mit einem persönlichen Gruß an die Kardinäle, Bischöfe und Prälaten, kurzum - an seine ganze "Familie".

Und eben diese Keimzelle allen Lebens war dann auch das zentrale Thema des Vortrags. "Es ist keine überkommene Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau spricht und fordert, dass diese Schöpfung auch respektiert wird." Die lebenslange Verbindung von Mann und Frau sei ein "Sakrament der Schöpfung", erklärte der Papst - und erteilte damit jeder anderen Form des ehelichen Zusammenlebens, also vor allem der Homo-Ehe, eine Absage.

Nur allzu oft verstecke sich hinter der sogenannten Geschlechterdiskussion lediglich die Emanzipation des Menschen von Gottes Schöpfung. "Aber auf diese Weise lebt er gegen die Wahrheit und den Geist des Herrn", so der Papst. "Nicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist."

Die Menschheit solle auf "die Stimme der Schöpfung" hören, um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Alles andere käme "einer Selbstzerstörung des Menschen und der Zerstörung von Gottes Werk selbst" gleich.

"Die Zeichen stehen auf Konfrontation"

"Die Natur gibt andere Antworten als der Papst", empört sich Aurelio Mancuso. Der Vorsitzende des italienischen Homosexuellenverbands "Arcigay" zeigt sich beunruhigt ob dieser kirchlichen Diskriminierung: "Wir sind sehr besorgt, denn das vergangene Jahr war für die Homosexuellen in Italien schon schlimm genug", sagte er SPIEGEL ONLINE. Die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Schwule und ihre Organisationen sei immens gestiegen, die Community zu Recht verunsichert: "Die Zeichen stehen auf Konfrontation - die Leute haben wirklich Angst", so Mancuso.

Wenn der Papst in einem solchen Moment die gleichgeschlechtliche Liebe als unnatürlich bezeichne, sei dies ein "ebenso persönliches wie politisches Statement". "Damit stellt er sich in eine Reihe mit der Regierung von Berlusconi und der in Sachen Bürgerrechte untätigen linken Opposition im Land."

Doch die Sorge um den Fortbestand der Menschheit scheint den Pontifex umzutreiben: "Die Regenwälder brauchen unseren Schutz, aber auch der Mensch als Schöpfung verdient nicht weniger." Die Kirche solle den Menschen "vor der Zerstörung seiner selbst bewahren", so der Papst. Eine "Ökologie für den Menschen" sei gefragt, erklärte der Papst in seiner Rede vor der Kurie.

Der Vorsitzende der Vereinigung Inclusive Church in England, Giles Fraser, erklärte, der Papst verbreite mit seinen Worten "die Furcht, dass die Homosexuellen den Planeten bedrohen". Dies sei "völlig abwegig", fügte Franser hinzu. Auch die britische Theologin Ferguson und der deutsche Grünen-Politiker Beck warfen dem Papst vor, derartige Äußerungen stachelten zum "Hass gegen Homosexuelle" auf.

Die katholische Kirche vertritt die Auffassung, dass Homosexualität keine Sünde darstellt - der homosexuelle Geschlechtsakt hingegen schon. Erst im Oktober hatte ein führendes Mitglied des Vatikans die gleichgeschlechtliche Liebe als "Abweichung und Unregelmäßigkeit" bezeichnet.

Mit seinem Auftritt hat Benedikt XVI. nach einer längeren Periode der Diskretion eine große Diskussion losgetreten. Das letzte Mal war er zu Weihnachten 2005 vor die Kurie getreten.

Nachdrücklich distanzierte sich der Papst in seiner Rede vom Montag von dem Wirbel um seine Person anlässlich des Weltjugendtages im Jahr 2006. Aus dem Papst einen "Rockstar" zu machen, führe lediglich dazu, "die Frage nach Gott zu verdrängen". Er sei nicht der Star, "um den sich alles dreht", sondern nur der "Stellvertreter, der auf Gott verweist".

Papst plant Reise nach Israel

Der 81-jährige Papst soll sich mit dem Gedanken tragen, im kommenden Jahr den Nahen Osten zu bereisen. Einen Tag vor Heiligabend erklärte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal: "Wir haben die Freude, euch mitzuteilen, dass seine Heiligkeit Benedikt XVI. plant, im Mai ins Heilige Land zu pilgern." Dem Patriarch zufolge wolle das Oberhaupt der Katholiken die "schwierigen Lebensbedingungen" der Menschen im Nahen Osten besser kennenlernen.

Der Vatikan bestätigte die geplante Nahost-Reise des Papstes bislang nicht. Nach Informationen der italienischen Zeitung "Il Foglio" soll die Reise vom 8. bis 25. Mai dauern und von der jordanischen Hauptstadt Amman nach Jerusalem, Nazareth und Bethlehem führen. Überschatten könnte den Besuch der Streit um die geplante Seligsprechung von Papst Pius XII., der nach Ansicht vieler Israelis während des Zweiten Weltkriegs nicht genügend zur Rettung von verfolgten Juden unternommen hatte.

Mit Material von AFP und Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.