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17. Februar 2013, 12:54 Uhr

Angelus-Gebet in Rom

Benedikt XVI. ruft zu spirituellem Kampf auf

Zehntausende Menschen bejubeln den scheidenden Papst bei seinem vorletzten Angelus-Gebet in Rom. Benedikt XVI. prangert Hochmut und Egoismus an und ruft die katholische Kirche und ihre Mitglieder zur Erneuerung auf. Dies sei ein "spiritueller Kampf gegen den Geist des Bösen".

Rom - Unter großem Jubel und Applaus der Menschenmenge auf dem Petersplatz trat Benedikt XVI. an das Fenster seines Arbeitszimmers und winkte den Pilgern zu. Der scheidende Papst sprach sein vorletztes Angelus-Gebet als Kirchenoberhaupt, Zehntausende Menschen waren gekommen.

In einer kurzen Ansprache rief Benedikt XVI. die katholische Kirche und ihre Mitglieder zur Erneuerung auf. Kirche und Gläubige sollten "sich neu Gott zuwenden, um Hochmut und Egoismus zu begegnen". Dies bedeute einen "spirituellen Kampf, weil der Geist des Bösen versucht, uns vom Weg zu Gott abzubringen", sagte Benedikt vom Apostolischen Palast aus.

"In den entscheidenden Momenten im Leben, im Grunde genommen sogar in jedem Moment, stehen wir am Scheideweg: Wollen wir dem Ich folgen oder Gott? Den individuellen Interessen oder dem wirklich Guten?"

Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete unter Berufung auf den Vatikan, es seien etwa 50.000 Menschen auf dem Petersplatz gewesen. "Danke, dass ihr so zahlreich erschienen seid", sagte Benedikt. "Auch das ist ein Zeichen der Zuneigung und der geistigen Nähe, die ihr mir in diesen Tagen zeigt."

Tausend Sicherheitskräfte rund um Petersplatz

Der 85-Jährige hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Als Grund nannte er sein hohes Alter. Am 28. Februar wird Benedikt aus dem Amt scheiden, bis Ostern soll ein Nachfolger bestimmt werden.

Eine große Mehrheit der Deutschen wünscht sich vom künftigen Papst Reformen in der katholischen Kirche. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hervor. 80 Prozent der Befragten wünschen sich demnach Reformen etwa hinsichtlich der Sexualmoral oder beim Zölibat. Nur sieben Prozent wollen das nicht.

Normalerweise kommen sonntags einige tausend Gläubige zum traditionellen Angelus-Gebet mit dem Papst, doch im Hinblick auf das baldige Ende seines Pontifikats strömten Massen zum Vatikan. Viele der Gläubigen hatten Transparente dabei und feierten den Papst mit "Benedetto"-Rufen. Auch Roms Bürgermeister Gianni Alemanno und der Gemeinderat nahmen an dem Gebet teil.

Rund tausend Sicherheitskräfte und etwa 200 Freiwillige sicherten den Platz ab. Die Straßen rund um den Petersplatz wurden für den Verkehr gesperrt, zusätzliche öffentliche Verkehrsmittel waren im Einsatz.

Die Wahl des Nachfolgers könnte früher stattfinden als eigentlich kirchenrechtlich vorgeschrieben. Wegen der besonderen Umstände könnte das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes bereits vor dem 15. März beginnen, hatte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Samstag angekündigt. Die eigentlich vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") dient normalerweise dazu, dass die wahlberechtigten Kardinäle genügend Zeit haben, um aus aller Welt nach Rom zu reisen.

siu/dpa/AFP

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