Papstwahl: Benedikt XVI. will Konklave offenbar per Dekret vorziehen

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Papst Benedikt XVI.: Apostolische Verfassung zum Konklave soll präzisiert werden

Mit einem apostolischen Schreiben will der scheidende Papst Benedikt XVI. vermutlich den Weg freimachen für einen früheren Beginn des Konklaves. Nicht alle Kardinäle wären von einem solchen Schritt begeistert.

Rom - "Der Papst ist dabei, die Möglichkeit der Veröffentlichung eines Motu proprio in den kommenden Tagen zu prüfen", erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Ziel sei es, "einige bestimmte Punkte der apostolischen Verfassung zum Konklave zu präzisieren". Dies betreffe das Datum des Konklaves, aber auch den "liturgischen Ablauf".

Das sogenannte "Motu proprio" ist ein persönlich vom Papst verfasstes apostolisches Schreiben. Wie die italienische "La Stampa" berichtet, soll Benedikt XVI. sich mit dem Gedanken tragen, den Kardinälen zu erlauben, den Beginn des Konklave nach dem Rücktritt des Papstes am 28. Februar vorzuziehen.

Zuletzt war mehrfach über eine frühere Zusammenkunft des Konklaves spekuliert worden. In den vergangenen Tagen äußerten einige der 117 mit der Papstwahl beauftragten Kardinäle den Wunsch, möglichst früh mit zu beginnen. Es wird erwartet, dass sich das Konklave in die Länge ziehen könnte, weil es im Unterschied zu 2005, als Joseph Ratzinger als Favorit galt, in diesem Jahr mehrere Favoriten gibt, denen ähnlich gute Chancen eingeräumt werden.

Derzeit gilt: Das Konklave muss 15 bis 20 Tage nach Freiwerden des Heiligen Stuhls erfolgen. Johannes Paul II. hatte in der letzten Regeländerung in der apostolischen Verfassung "Universi dominici gregis" verfügt, dass diese Frist nicht über- aber laut Auslegung offenbar auch nicht unterschritten werden dürfe.

Benedetto soll nun beschlossen haben, mit einem Verfassungszusatz den Kardinälen die Möglichkeit zu geben, den Beginn der Papstwahl gegebenenfalls früher einzuleiten. Eine solche Entscheidung könne aber nur von der Mehrheit der Kardinäle beschlossen werden.

Gegen eine Verkürzung der Frist hatten sich in den vergangenen Tagen zwei Kardinäle ausgesprochen: Der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois sowie der Erzbischf von New York, Timothy Dolan, sind der Meinung, die Wahlberechtigten bräuchten ausreichend Zeit, um ihre Entscheidung zu diskutieren.

ala

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Ich wäre für ein Fernsehduell ...
coyote38 20.02.2013
Sollen doch die vermeintlich "papabilen Preferiti" ein Fernsehduell bei der italienischen "Rai" abhalten, das weltweit übertragen wird ... nach katholischen Selbstverständnis könnte das auch im Bezahlfernsehen laufen ... Dann wird dieser Kindergeburtstag wenigstens ENDGÜLTIG zur massentauglichen Pop-Konsumware. Mein Gott (und das im wahrsten Sinne des Wortes), wir reden hier nur über ein Konklave. SO SCHWER ist das doch nun WIRKLICH nicht ...
2. wayne?
frummler 20.02.2013
die rkk interessiert im 21jahrhundert keine sau mehr! im gegenteil sie wird endlich mal an den pranger gestellt und ihre machenschaften kritisch hinterfragt die zeiten wo sie mit den ängsten unaufgeklärter menschen machen konnte was sie wollten sind lange vorbei
3. Das stimmt so nicht
ausgetretenes_mitglied 20.02.2013
Zitat von sysopRatzinger hatte in der Vergangenheit die Regeln für die Papstwahl bereits einschneidend geändert: Reichte seinem Vorgänger Johannes Paul II. noch eine absolute Mehrheit, schraubte Ratzinger die Anforderung auf eine Zweidrittelmehrheit hoch.Benedikt XVI. will offenbar per Dekret Konklave vorziehen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/benedikt-xvi-will-offenbar-per-dekret-konklave-vorziehen-a-884547.html)
Die Aussage, wonach bei Johannes Paull II. nur die einfache Mehrheit gereicht hätte, stimmt so nicht. Das ist nur eine Regel, die ab dem 33. Wahlgang gegolten hätte, sofern kein Kandidat bis dahin eine Zweidrittelmehrheit bekommen hätte. Diese Bestimmung ist übrigens nicht trivial. Eine Ironie der Geschichte ist es nämlich, dass Ratzinger diese Bestimmung Johannes Pauls wieder rückgängig gemacht hat, da es Gerüchte gibt, dass ihm genau diese Regel zum Amt verholfen hat. Beim Konklave 2005 sollen gemäßigte und liberale Kardinäle auf die Seiten Ratzingers gezogen worden seien, weil der konservative Block den Kardinälen gedroht hatte, eben bis zum 33. Wahlgang zu wählen, sofern ihr Kandidat Ratzinger zuvor keine Zweidrittelmehrheit erhalten würde.
4. Angesichts solcher brillant und nicht ganz ironiefrei vorgeschlagenen Ideen
freidimensional 20.02.2013
Zitat von coyote38Sollen doch die vermeintlich "papabilen Preferiti" ein Fernsehduell bei der italienischen "Rai" abhalten, das weltweit übertragen wird ... nach katholischen Selbstverständnis könnte das auch im Bezahlfernsehen laufen ... Dann wird dieser Kindergeburtstag wenigstens ENDGÜLTIG zur massentauglichen Pop-Konsumware. Mein Gott (und das im wahrsten Sinne des Wortes), wir reden hier nur über ein Konklave. SO SCHWER ist das doch nun WIRKLICH nicht ...
wundert es mich jetzt nicht mehr, dass derartige schier unglaubliche beschleunigende Schritte im Zentrum institutionalisierter Langsamkeit, und sogar von IHM, dem Chief selber, angedacht werden... Papa goes modern? Vielleicht haben wir IHN ja alle unterschätzt.
5.
querulant_99 20.02.2013
Kann ein Kardinal die Papstwahl anfechten, wenn das Konklave gegen seinen Willen vorgezogen wird? Vor welchem Gericht kann er ggf. klagen?
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