Augsburg - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat seinen Rücktritt eingereicht. Nach übereinstimmenden Informationen der "Augsburger Allgemeinen" und der "Süddeutschen Zeitung" schrieb der umstrittene katholische Geistliche am Mittwochabend einen Brief an Papst Benedikt XVI. Darin habe der 68-Jährige seinen Rückzug vom Amt in Augsburg und auch als Militärbischof der Bundeswehr angeboten.
Die "Augsburger Allgemeine" berichtet, Mixa begründe seinen Schritt mit einer übergeordneten Verantwortung für sein Bistum, weshalb er jetzt einen Neuanfang ermöglichen wolle. Bischöfe können nicht von selbst zurücktreten, sondern brauchen das Einverständnis der Kirchenführung; in der Regel wird ein Rücktrittsgesuch angenommen.
In dem Schreiben verweise Mixa auf die "anhaltenden öffentlichen Diskussionen" über seine Person, die "Priester und Gläubige schwer belastet" hätten, schreibt die Zeitung. Wörtlich wird der Bischof zitiert: "Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung." Mixa habe zugesichert, weiter an der Aufklärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe mitwirken zu wollen.
Die Deutsche Bischofskonferenz teilte SPIEGEL ONLINE mit, man habe gerade selbst erst aus den Medien von dem Vorgang erfahren: "Wir wissen nichts davon." Im Bistum Augsburg war niemand zu einer offiziellen Stellungnahme bereit. Beide Zeitungen geben als ihre Quelle vertrauenswürdige Personen in der Kirche an.
Mixa hatte in der vergangenen Woche eingestanden, Heimkindern in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer Ohrfeigen gegeben zu haben - nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern bestritten hatte. Mixa verharmloste die Taten bei seinem Eingeständnis als Verabreichung von "Watschn" und als "damals völlig normal". Erst am Dienstag bat er klar um Verzeihung. Außerdem stehen Vorwürfe im Raum, er habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen nennenswerte Geldbeträge zum Schaden einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet. Diese werden derzeit von einem Sonderermittler und Münchner Anwalt geprüft. Es geht um überteuerte Kunstwerke und Teppiche, Wein, Möbel, Mixas Bischofsring und ungeklärte Zahlungen, die in seiner Verantwortung aus dem Stiftungsvermögen widerrechtlich bezahlt worden sein sollen.
Bischofskonferenz riet Mixa zu einer Auszeit
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte Mixa an diesem Mittwoch nahegelegt, sein Amt "vorübergehend" ruhen zu lassen - ein Schritt, der als einzigartig in der jüngeren Geschichte des Katholizismus in Deutschland gilt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er mit dem Vatikan abgestimmt war.
Zollitsch sagte, er und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hätten in den vergangenen Tagen mehrfach mit Mixa gesprochen. "Dabei haben wir mit ihm überlegt, wie er in der derzeit schwierigen Situation im Bistum Augsburg zur Beruhigung beitragen und ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken." Durch eine Auszeit könne Mixa "nach sehr erhitzten Wochen neue Kräfte sammeln und die Geschehnisse mit mehr Ruhe bedenken".
Zuletzt waren immer wieder Rücktrittsforderungen gegen Mixa laut geworden, der Druck auf ihn und auf die katholische Kirche stieg. Auch Vertreter von Gläubigen im Bistum und das Zentralkomitee der Katholiken gingen auf Distanz zu dem Bischof, der zum streng konservativen Lager zählt und sich in den vergangenen Jahren als oberster Kämpfer gegen den angeblich liberalen Zeitgeist einen Ruf erworben hat (siehe Kasten oben).
Papst bekräftigt Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch
Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch bekräftigt, dass die katholische Kirche gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen vorgehe. In Bezug auf sein Treffen mit acht Missbrauchsopfern auf Malta drei Tage zuvor sagte der Pontifex, er habe "ihr Leiden mitempfunden, ergriffen mit ihnen gebetet und dabei das Handeln der Kirche zugesichert". Der Besuch war Benedikts erste Auslandsreise nach Ausbruch des Missbrauchsskandals in Deutschland, der die Kirche in eine tiefe Krise gestürzt hat. Den Missbrauchsopfern auf Malta hatte er am Sonntag versichert, dass die Kirche weiter alles in ihrer Macht Stehende tun werde, "um Anschuldigungen zu untersuchen, Verantwortliche der Justiz zuzuführen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die junge Menschen in der Zukunft schützen sollen".
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