Protest gegen hohe Mieten Aktivisten besetzen mehrere Häuser in Berlin

Dutzende Menschen sind in Berlin in leer stehende Häuser eingedrungen. Sie planen nach eigenen Angaben eine dauerhafte Besetzung. Die Polizei zeigt sich gesprächsbereit - und informiert die Eigentümer.

Graffiti gegen Gentrifizierung in Kreuzberg (Archivbild)
DPA

Graffiti gegen Gentrifizierung in Kreuzberg (Archivbild)


Hausbesetzer sind am Sonntag in Berlin aus Protest gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in mehrere leer stehende Gebäude eingedrungen. Ein Sprecher der Polizei bestätigte dies. Unklar sei nach Polizeiinformationen noch, ob es sich um eine kurzzeitige Aktion handele oder eine dauerhafte Besetzung angestrebt werde. Transparente seien aus Fenstern gehängt worden.

Einsatzkräfte seien vor Ort, würden die Gebäude begehen und das Gespräch suchen, erklärte er weiter. "Klar ist aber, dass wirkliche, echte Besetzungen nicht geduldet werden." Bislang sei die Situation entspannt. Die Eigentümer würden kontaktiert.

Unklar ist derzeit, wie viele Gebäude betroffen sind. Die Polizei spricht von "bis zu acht Häusern", die Aktivisten von "mindestens neun" - etwa in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Ein Sprecher der Besetzer erklärte, die Besetzungen seien auf Dauer angelegt. Es gehe um Gebäude, die wenigstens zum Teil leer stünden.

Aktivistensprecher: "illegitim, dass Häuser leer stehen"

Der Sprecher kritisierte, Zehntausende Menschen in der Hauptstadt seien wohnungslos, und ein immer größerer Teil der Einkommen müsse für steigende Mieten aufgewendet werden. Angesichts der vorherrschenden Gentrifizierung sei es "illegitim, dass Häuser leer stehen".

Laut einer Mitteilung wollen die Aktivisten etwa in der Bornsdorfer Straße 37b in Neukölln einen "offenen, unkommerziellen Kiezraum" und "selbstverwalteten Wohnraum" in 40 Wohnungen und Gewerberäumen schaffen. Das Haus stehe seit Jahren leer. Es habe bereits Verhandlungen mit dem Eigentümer, einem Landeswohnungsunternehmen, gegeben. Es seien auch schon Möbel in das Haus getragen worden.

Unter dem Stichwort #besetzen war die Aktion zuvor im Internet angekündigt worden - ohne jedoch genaue Standorte zu nennen. Später wurden auf Twitter verschiedene Adressen verbreitet und Bilder gepostet, die die Aktionen abbilden sollen.

Am späten Sonntagnachmittag waren nach Angaben der Aktivisten schon zwei Gebäude - in der Finowstraße/Ecke Frankfurter Allee in Friedrichshain und in der Karl-Marx-Straße 145 in Neukölln - zunächst wieder verlassen. In der Bornsdorfer Straße und in der Reichenberger Straße 114 dagegen seien jeweils etwa 100 Menschen vor Ort - aber auch vor den Gebäuden, sagte der Sprecher der Besetzer. Die Polizei halte sich bislang noch zurück, hieß es.

ans/dpa



insgesamt 145 Beiträge
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Phil2302 20.05.2018
1. Was soll man da sagen
Recht und Ordnung wird ja immer weniger durchgesetzt, jeder so wie er mag! Dass man auch hier wieder lieb und freundlich von "Aktivisten" spricht, sagt ja schon alles. Also ich würde mir das als Hausbesitzer nicht gefallen lassen. Außerdem kann man sich den Wohnraum sehr wohl leisten, man muss dafür nur etwas tun, was die "Aktivisten" noch nie gemacht haben: Arbeiten.
phillyst 20.05.2018
2.
An sich ja ein berechtigte Anliegen, aber letztes mal als ich nachgeschaut habe war er immer noch nicht erlaubt, sich einfach Wohnraum zu "nehmen", wie die Aktivisten es auf ihrer Seite nennen. Reingehen, Besetzer friedlich aber bestimmt rausbringen, Personalien aufnehmen, Kosten für EInsatz und ggf. Schäden in Rechnung stellen. Fertig.
abwinken 20.05.2018
3. Notwehr
Normalerweise halte ich von solchen Aktionen nichts, aber die Zustände in diesem Land werden immer unmöglicher und dies erfordert dann halt ungewöhnlich e Massnahmen.
schauüberdentellerand 20.05.2018
4. ES wird zeit
das die jungen leute sich wehren , Die Hausbesetzer haben schon mal die Altbau substanz in berlin gerettet. Ich bin gespannt wie die grünen und linken darauf reagieren, bei der SPD weis man es ja - knüppel frei
spmc-12355639674612 20.05.2018
5. Warum lässt
ausgerechnet ein Landeswohnungsunternehmen in Berlin Häuser leerstehen? Hat das Unternehmen wirklich keine bessere Verwendung gefunden oder mangelt es an Geld für die Sanierung? Oder will man warten, bis man die leerstehenden Wohnungen mit hohem Gewinn verkaufen kann?
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