Erinnerungskultur Herzlich willkommen statt goodbye, Lenin

3900 Kilogramm schwer, 1,7 Meter hoch und voller Ideologie: In Berlin ist der Kopf des nach der Wende verbuddelten Lenin-Denkmals geborgen worden. Ein Museum will ihn ausstellen.

DPA

Unterschiedlicher kann Erinnerungskultur nicht sein: Berlin vergrub sein 19 Meter hohes Lenin-Monument nach der Wende verschämt im Köpenicker Forst am Stadtrand - zerlegt in 130 Teilen. In Moskau hat Ex-Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin einen Ehrenplatz, aufgebahrt in einem Mausoleum auf dem Roten Platz. Nun soll auch das frühere Ost-Berliner Denkmal wieder gezeigt werden - im Westen der Hauptstadt.

Für die Ausstellung "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" in der Zitadelle Spandau ist der knapp vier Tonnen schwere Granitkopf des Lenin-Denkmals, gefertigt vom russischen Bildhauer Nikolaj Tomski, geborgen worden. Zu DDR-Zeiten prägte es den Leninplatz, den heutigen Platz der Vereinten Nationen - bis es nach der Wende eiligst abmontiert wurde, wie auch im Film "Good Bye, Lenin!" (2003) zu sehen.

Symbol einer Diktatur?

"Herzlich willkommen, Lenin", sagte der Spandauer Bezirksstadtrat für Kultur, Gerhard Hanke, als er den rötlich schimmernden Steinblock nach dem Abladen präsentierte, ein russischer Fernsehsender übertrug live. CDU-Politiker Hanke begrüßte nach eigenem Bekunden zwar "keinen großen Mann, aber eine große Figur" in dem von ihm beaufsichtigten Museum in der Zitadelle. Dieses hatte lange dafür kämpfen müssen, den Lenin-Kopf des 19 Meter hohen Monuments bergen zu dürfen.

Das Lenin-Denkmal hatten DDR-Obere bestellt. Sie präsentierten es im Frühjahr 1970 zum 100. Geburtstag des ersten Staatschefs der Sowjetunion. 21 Jahre lang stand es im Stadtteil Friedrichshain. Der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) ließ es Anfang der Neunziger abreißen: Er habe in seiner Stadt kein Symbol einer "Diktatur, in der Menschen verfolgt und ermordet wurden" haben wollen.

Naturschutz bedrohte die 70.000-Euro-Bergung

Eiligst am Berliner Stadtrand vergraben, wurde die Lagerstätte nicht einmal ordentlich dokumentiert. Dafür wurden Zauneidechsen auf die Aufschüttung aufmerksam und nutzten sie fortan zum Sonnen. Im Frühjahr 2015 siedelte deshalb ein Biologe im Auftrag der Stadt die vom Aussterben bedrohten Reptilien zeitweise um. Sonst hätte der Tierschutz die Kopfbergung untersagt.

Mehr als 70.000 Euro hat sich das Museum das Unterfangen kosten lassen. Museumsleiterin Andrea Theissen sprach von einem "besonderen Moment". In der Statue zeige sich der "Personenkult, die deutsch-sowjetische Freundschaft, aber auch das Monumentale" der DDR-Denkmalkultur, sagte Theissen.

apr/AFP

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