Chefin der Berliner Polizeiakademie "Die realitätsnahe Einschätzung des Berufes gelingt manchen nicht"

Monatelang gab es Kritik an den Zuständen in der Berliner Polizeischule. Deren Leiterin hat erste Maßnahmen ergriffen - und das morgendliche Antreten wieder eingeführt.

Akademieleiterin Tanja Knapp bei einer Pressekonferenz in Berlin im Jahr 2012
DPA

Akademieleiterin Tanja Knapp bei einer Pressekonferenz in Berlin im Jahr 2012


Berlins Polizeischüler sollen künftig von einem erfahrenen Polizisten und einem Sozialarbeiter betreut werden. Das sagte die Leiterin Tanja Knapp im Interview mit der "Berliner Morgenpost".

Die Polizeiakademie wurde im vergangenen Jahr mehrfach kritisiert. Im SPIEGEL beklagten Ausbilder Probleme beim Schießtraining. Außerdem gab es Spekulationen über eine angebliche Unterwanderung der Berliner Polizei durch kriminelle Clans.

Die Polizei hatte das zurückgewiesen und setze einen Sonderermittler ein. Der Schulleiter bat im Februar um seine Versetzung. Knapp übernahm den Posten daraufhin.

Sie habe seit ihrem Amtsantritt 200 Gespräche geführt, sagte sie der "Morgenpost". "Alle eint das Bedürfnis, aus den negativen Schlagzeilen der letzten anderthalb Jahre herauszukommen."

Der Sozialarbeiter solle den Schülern bei Problemen zu Hause, Prüfungsängsten oder Beziehungsschwierigkeiten helfen. Außerdem seien neue Deutschlehrer eingestellt worden. "Wir stellen zum Teil eklatante Schwierigkeiten bei dem Verfassen von Texten und durchaus auch in der Aussprache fest", sagte Knapp.

Es gebe zudem Nachholbedarf in Sachen Leistungsbereitschaft bei einigen Azubis. "Auch die realitätsnahe Einschätzung des Berufes gelingt manchen nicht." Unter ihrer Leitung sei das morgendliche Antreten der Polizeischüler wieder eingeführt worden.

An der Polizeiakademie werden fast 2500 junge Nachwuchspolizisten von 230 Lehrern und Dozenten ausgebildet.

jpz



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