Angeblich Zuhälter-Netzwerk in Berliner Heimen Sicherheitsleute sollen Flüchtlinge zur Prostitution vermittelt haben

Security-Mitarbeiter haben laut einem ZDF-Bericht in Berlin Flüchtlinge in die Prostitution gelockt. Auch Minderjährige sollen zu den Opfern zählen.

Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin-Wilmersdorf
DPA

Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin-Wilmersdorf


Mitarbeiter von Berliner Sicherheitsfirmen sollen Flüchtlinge dazu gebracht haben, sich zu prostituieren. Sozialarbeiter, Insider bei Sicherheitsfirmen und Flüchtlinge berichteten der ZDF-Sendung "Frontal 21" von entsprechenden Vorfällen. Auch Minderjährige würden sich prostituieren, wie das ZDF vor der Sendung am Dienstagabend (21 Uhr) mitteilte.

Ein Sicherheitsbeauftragter, verantwortlich für mehrere Unterkünfte, berichtete dem Sender, es gebe ein Zuhälter-Netzwerk in Berliner Flüchtlingsheimen. Oft sei es so, dass Sicherheitsmänner den Erstkontakt in die Prostitution aufbauten. Sex mit männlichen Flüchtlingen sei besonders gefragt, so der Beauftragte.

Ein 20 Jahre alter abgelehnter Asylbewerber sagte dem ZDF, ein Security-Mann habe ihn angesprochen, ob er Geschäfte machen wolle, "für Sex mit einer Frau kriegst du 30 Euro, vielleicht auch 40 Euro". Der Afghane habe gesagt, er müsse Geld verdienen, um zu überleben. "Ich schäme mich für das, was ich tue."

Der Verdacht organisierter Prostitution werde von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sehr ernst genommen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Die Berliner Behörden stehen wegen der Unterbringung von Flüchtlingen seit Langem politisch unter Druck. Das Flüchtlingsmanagement des zuständigen Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) galt 2015 als chaotisch. Ein Flüchtlingsjunge war vom Gelände an der Turmstraße entführt und ermordet worden.

Mit Blick auf einen Verdacht auf organisierte Prostitution in einer Notunterkunft für Geflüchtete hat die Senatsverwaltung nach eigenen Angaben reagiert. Zwischen dem Träger der Einrichtung im früheren Rathaus Wilmersdorf, der Heimleitung, dem Sicherheitsdienst, Ehrenamtlichen und Vertretern des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten sei das gemeinsame Gespräch gesucht worden, sagte die Sprecherin. "Nach wie vor gibt es keine Indizien für organisierte Prostitution in der Unterkunft."

Die Sozialarbeiter dieses Heims seien sensibilisiert worden, Anzeichen für Missbrauch oder Prostitution zu erkennen. Flyer von Berliner Hilfe-Vereinen würden ausgelegt. Auch Schulungen für die Mitarbeiter seien vorgesehen, um derartige Gefährdungen gezielter erkennen zu können.

apr/dpa



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