Antrag im Abgeordnetenhaus SPD will Böllern in Berlin einschränken

Berlin soll teilweise zur böllerfreien Zone werden - wenn es nach der SPD geht. Die Abgeordneten der Partei fordern in einem Antrag, dass Silvesterfeuerwerk nur in bestimmten Bereichen der Stadt gezündet werden darf.

Böller in Berlin
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Böller in Berlin


Die Abgeordneten der Berliner SPD wollen das Böllern an Silvester in der Innenstadt einschränken. Das besagt ein Antrag, den die Partei im Abgeordnetenhaus eingereicht hat. Demnach sollen Böller und Raketen nur noch in bestimmten Bereichen der Hauptstadt gezündet werden dürfen.

"Berlin ist extrem an Silvester und in den letzten Jahren wurde es immer schlimmer", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Jörg Stroedter, dem SPIEGEL. "Die Menschen nehmen mit ihrer Böllerei einfach keine Rücksicht auf andere."

Damit bezieht er sich vor allem auf die Vorfälle in der vergangenen Silvesternacht. Feuerwehr und Polizei seien gezielt beschossen worden. Hinzu kamen laut dem rbb weit mehr als tausend Polizeieinsätze, Hunderte Brände und viele Schwerverletzte. "Die Einsatzkräfte kommen, um zu helfen, haben an Silvester den schwersten Dienst überhaupt und werden dann auch noch beschossen. Das kann so nicht weitergehen."

Weil viele Menschen auch illegale Kracher zündeten, will Stroedter nicht nur den Verkauf der Böller einschränken, sondern auch kontrollieren - vor allem an der Grenze.

Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux hatte die Einschränkung von Feuerwerk in der Hauptstadt bereits zu Jahresbeginn ins Gespräch gebracht. Der "Bild" sagte Lux: "Erlaubniszonen sind eine denkbare Variante. Man könnte umgekehrt auch Verbotszonen erlassen. Das grundsätzliche Problem ist aber: Wie kann das kontrolliert werden?"

Tausende Tonnen Feinstaub durch Silvesterknallerei

Gefahr für Leib und Leben ist aber nicht der einzige Grund, der gegen die Knallerei zum Jahreswechsel spricht. Das Umweltbundesamt (UBA) warnte im vergangenen Jahr vor extremen Feinstaubbelastungen durch Feuerwerk in der Silvesternacht. Auch deshalb bringt die SPD ihren Antrag im Abgeordnetenhaus vor.

Messungen zeigen demnach, dass in Innenstädten in der Stunde nach Mitternacht Extremwerte von mehr als 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden können. Als Grenzwert in der EU gilt ein Tagesdurchschnittswert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, er darf laut Vorschrift nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Jährlich würden an Silvester in Deutschland fast 5000 Tonnen Feinstaub der Größe PM10 beim Abbrennen von Feuerwerk freigesetzt, schrieb das UBA damals in einer Broschüre: "Diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr angegebenen Feinstaubmenge."

Im größeren Zusammenhang allerdings klingt es weniger dramatisch: In Deutschland setzen Tätigkeiten des Menschen rund 220.000 Tonnen PM10-Feinstaub pro Jahr frei. Der Anteil des Silvesterfeinstaubs beträgt also nur rund zwei Prozent.

Böllerverbote in Deutschland und Europa

Dass Raketen und Böller gar nicht oder nur eingeschränkt gezündet werden dürfen, ist in Deutschland und Europa keine Seltenheit. So ist es zum Beispiel in Wien, Paris und Rom nicht gestattet, privat Feuerwerkskörper zu zünden.

In Deutschland gilt das Verbot unter anderem in Rothenburg ob der Tauber, der Innenstadt von Düsseldorf, Bremen, Göttingen und Quedlinburg. Grund für die Verbote sind die historischen Stadtkerne mit eng stehenden Häusern.

vik

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