"Berlin trägt Kippa" Jüdische Gemeinde ruft zu Solidaritätsdemo auf

Der Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli hat viele Menschen erschüttert. Die Jüdische Gemeinde hat nun für kommenden Mittwoch zu einer Kundgebung aufgerufen - mit prominenten Rednern.

Mann mit Kippa (Archiv)
REUTERS

Mann mit Kippa (Archiv)


Nach dem Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli hat die Jüdische Gemeinde zu Berlin zu einer Solidaritätskundgebung aufgerufen. Ziel sei es, ein breites gesellschaftliches Bündnis zu mobilisieren, das sich dem Hass entgegenstellt, teilte der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe mit.

Die Gemeinde habe immer wieder davor gewarnt, in der Öffentlichkeit eine Kippa zu tragen. "Nun ist aber eine Situation entstanden, die wir nicht mehr bereit sind, widerstandlos hinzunehmen", sagte Joffe.

Der 21-jährige Israeli Adam und sein Freund waren am Dienstagabend im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg unterwegs, dabei trugen sie Kippot - traditionelle jüdische Kopfbedeckungen. Auf der Straße seien sie von drei arabisch sprechenden Männern antisemitisch beschimpft worden.

EKD: "Antisemitismus ist Gotteslästerung"

Einer der Männer schlug mit einem Gürtel auf Adam ein. Er stellte sich der Polizei, gegen ihn wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Der Fall hatte große Empörung ausgelöst. Kanzlerin Merkel sprach von einem "schrecklichen Vorfall".

Video: Antisemitischer Angriff in Berlin

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Nach Angaben der Gemeinde wird Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf der Veranstaltung mit dem Titel "Berlin trägt Kippa" am Mittwochabend vor dem Gemeindehaus sprechen. Zu den Rednern gehöre auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.

Der Angriff in Berlin ereignete sich nur wenige Tage, nachdem die Rapper Farid Bang und Kollegah für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet wurden. Zahlreiche andere Preisträger gaben daraufhin ihre Auszeichnungen zurück.

Für die Solidaritätsaktion bemühten sich die Veranstalter, genügend Kippot bereitzustellen, sagte Ilan Kiesling, Sprecher der Jüdischen Gemeinde Berlin, dem "Tagesspiegel". Auch Frauen bekämen demnach bei der Veranstaltung eine sonst von Männern getragene Kopfbedeckung ausgehändigt.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verurteilte die jüngsten antisemitischen Vorfälle scharf und rief dazu auf, sich dem entgegen zu stellen. "Als Christinnen und Christen stehen wir uneingeschränkt an der Seite unserer jüdischen Geschwister. Antisemitismus ist Gotteslästerung", teilte das Leitungsgremium der evangelischen Kirche mit. "Wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Gewalt und Beschimpfungen ausgesetzt sind und sich nicht mehr sicher fühlen, können wir das unter keinen Umständen hinnehmen."


Lesen Sie hier das Interview: Wie lebt eine Jüdin in Berlin?

apr/dpa

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