Besuch in der NPD-Zentrale "Willkommen in unserer national befreiten Zone"

Kathrin Harms

Von Jan Rübel

3. Teil: Zweiter Besuch - Die Zwickauer Zelle ist aufgeflogen


Sieben Wochen später hat sich die kleine, braune NPD-Welt einmal um ihre Achse gedreht. Die Zwickauer Terrorzelle ist aufgeflogen. Holger Apfel verdrängte Udo Voigt vom Parteivorsitz. Und Ulrich Eigenfeld wurde in die Rente geschickt. Als der Hauptmann an einem Tag Mitte November sein ehemaliges Büro betritt, steckt die Reichsfahne noch im Schaft, aber der Kriegsschmuck ist weg, Udo Voigt hat ihn in seinen Keller geschleppt, vorerst.

Holger Apfel regiert lieber vom sächsischen Landtag in Dresden aus, dort steht er der NPD-Fraktion vor. Das braune Haus in Köpenick will er nur ein-, zweimal im Monat besuchen. Und so darf der Ex-Chef das nun leere Zimmer noch immer nutzen. Zwar hat er kein Amt mehr. Aber die NPD hat ihn als Berater gegen das drohende Parteiverbotsverfahren angeheuert, genug Erfahrung hat er ja.

Aufgeregt wedelt er mit einem alten SPIEGEL-Artikel aus dem Jahr 2009. "Dort steht schon drin, wie es gewesen sein könnte", sagt er über die Mordserie des Zwickauer Trios. "Das klingt plausibel und riecht nach Geldwäsche von der Mafia." Verfassungsschutz und türkischer Geheimdienst steckten da möglicherweise unter einer Decke. Denn: "Das widerspricht dem nationalen Denken. Es gibt da ein Bauchgefühl."

Und die in der abgebrannten Wohnung gefundenen Indizien für die Morde?

"Diese Aufzeichnungen hat man ja vielleicht präpariert."

Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Mitte der neunziger Jahre öffnete Udo Voigt, gemeinsam mit Holger Apfel, die Partei für die sogenannten "freien nationalistischen Kräfte", die Neonazi-Kameradschaften, in deren Milieu die Zwickauer Zelle entstand.

Hat er damals eine Büchse der Pandora geöffnet?

Udo Voigt hält inne. "Wir wussten, dass so etwas immer ein unkalkuliertes Risiko sein kann. Mit einigen Kameradschaften haben wir ja auch die Zusammenarbeit beendet."

Eine Mücke geistert durch den Raum. Dabei gibt es seit Wochen keine mehr in der Stadt bei der Kälte. Udo Voigt fegt sich kurz über die Stirn. Beim Jobcenter sagten sie ihm, dass er auf einen Termin warten müsse, für eine Arbeitsvermittlung. "Vielleicht promoviere ich erst mal. Das geht auch mit ALG-1." Sein Blick verlässt den nackten Raum, verliert sich im Nirgendwo.

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
testthewest 22.03.2012
1.
Zitat von sysopKathrin HarmsRechte Terroristen haben quer durchs Land gemordet, nun ist die Debatte über ein NPD-Verbot neu entfacht. Doch was tut sich in der Parteizentrale? Drei Besuche geben Einblick - vor und nach der Entdeckung des Zwickauer Trios. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,822937,00.html
Ein komischer Bericht, der gewaltiges Augenmerk auf das Möbel legt, der scheinbar sublimiert negativ das Aussehen der Personen schildert. Der Vorsitzende hat also "kleine Augen". Gefolgt wird das Ganze mit: Herr xy schweigt. Dieses Schweigen wird dann nochmal detailiert beschrieben. Danach wird wohl eine längere Aussage zu einen Nebensatz degradiert. Ich bin der Meinung, ein objektiver Bericht ist sinnvoller, als Absätze über die alten Möbel zu verschwenden. Man fühlt sich durch den Autor bedrängt, seine Meinung anzunehmen. Des weiteren fragt man sich: Warum müssen Möbel herhalten? Gibt es nicht schlimmeres im Reich des Bösen?
geroi.truda 22.03.2012
2. *
Zitat von sysopKathrin HarmsRechte Terroristen haben quer durchs Land gemordet, nun ist die Debatte über ein NPD-Verbot neu entfacht. Doch was tut sich in der Parteizentrale? Drei Besuche geben Einblick - vor und nach der Entdeckung des Zwickauer Trios. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,822937,00.html
Mit Ausnahme der guten Manieren unterscheiden sie sich darin nicht von den Linken...
sappelkopp 22.03.2012
3. Wer hier zwischen den Zeilen liest...
Zitat von sysopKathrin HarmsRechte Terroristen haben quer durchs Land gemordet, nun ist die Debatte über ein NPD-Verbot neu entfacht. Doch was tut sich in der Parteizentrale? Drei Besuche geben Einblick - vor und nach der Entdeckung des Zwickauer Trios. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,822937,00.html
...merkt schnell, welche kleinbürgerliche Welt sich da versteckt. Es sind von unserem System Enttäuschte, die meinen, ihre Probleme zu lösen, in dem sie sie auf Menschen schieben, die anders sind als sie. Dass Sie so denken, wie sie denken, ist, so scheint, es Zufall. Und genau das ist das gefährliche, von unserem System enttäuschte Menschen gibt es einfach zu viele in Deutschland.
mangeder 22.03.2012
4. -
Zitat von sysopKathrin HarmsRechte Terroristen haben quer durchs Land gemordet, nun ist die Debatte über ein NPD-Verbot neu entfacht. Doch was tut sich in der Parteizentrale? Drei Besuche geben Einblick - vor und nach der Entdeckung des Zwickauer Trios. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,822937,00.html
Der NPD-Schatzmeister muss wohl ein Ausländer gewesen sein.... ....ein National-Teutscher würde doch keine Straftaten begehen und sich sogar gegen das eigenen Volk wenden ;-)
Nania 22.03.2012
5.
Zitat von testthewestEin komischer Bericht, der gewaltiges Augenmerk auf das Möbel legt, der scheinbar sublimiert negativ das Aussehen der Personen schildert. Der Vorsitzende hat also "kleine Augen". Gefolgt wird das Ganze mit: Herr xy schweigt. Dieses Schweigen wird dann nochmal detailiert beschrieben. Danach wird wohl eine längere Aussage zu einen Nebensatz degradiert. Ich bin der Meinung, ein objektiver Bericht ist sinnvoller, als Absätze über die alten Möbel zu verschwenden. Man fühlt sich durch den Autor bedrängt, seine Meinung anzunehmen. Des weiteren fragt man sich: Warum müssen Möbel herhalten? Gibt es nicht schlimmeres im Reich des Bösen?
Ich finde diese Reportage durchaus gelungen. Warum? Weil sie sich nicht nur auf das bereits Bekannte bezieht, das, was die NPD sagt, für was sie stehen, sondern auch, wie sie sich selbst sehen. Wie sie selbst darstehen, wenn man sie in ihrer Parteizentrale besucht. Ich habe kein Mitleid mit der NPD, im Gegenteil. Aber anhand der Reportage kann man sehen: Die NPD liegt am Boden. Sie liegt am Boden weil sie in ihrer eigenen verdrehten Welt lebt, lieber die Fakten, die sich bieten leugnet und sich somit selbst aus dem ernsthaften politischen Geschehen katapultiert. Die Ansichten der Partei sind verwerflich, widerwärtig und wer sich mal Rede z.B. aus dem mecklenburgischen Landtag anhört, der weiß auch, welche politischen Ansichten sich hinter der schnöde Fassade bewegen. Welche Radikalität, welche Menschenfeindlichkeit (anders als bei den Linken) hinter den Ansichten der Partei steht. Eine solche Reportage zeigt - vielleicht ein bissen ironisch - dass es der Partei im Inneren nicht gut geht. Udo Voigt, langjähriger Bundesvorsitzende, sitzt in einem Büro der Erinnerung, hat kein Amt mehr und denkt über Promotion nach. Zeigt das nicht, dass die Partei eigentlich machtlos ist? Sie gibt sich kraftvoll nach außen, hat aber kein Geld für neue Möbel. Sie gibt sich stark, doch wirkt sie im Artikel eher wie ein Haufen von Leuten, die irgendwann den Kampf verlieren werden. Entweder durch ein Verbotsverfahren - oder durch eigene Inkompetenz. Und eigentlich zeigt doch ihre Inkompetenz, dass sie im Endeffekt nicht mehr sind, als ein kleiner Fleck. Vielleicht sogar so klein, dasss man ihn nicht einmal wegwischen muss. Irgendwann verschwindet er ganz von allein. Und das - sollte es passieren - ist gut so. Wir brauchen in Deutschland keine Partei, die den Holocaust leugnet (leugnen möchte), die Asylbewerber als Betrüger abstempelt und meint, die Morde an neun Migranten seinen nicht von rechts verübt worden. Nein. So eine Partei braucht auch der Teil der Deutschen nicht, die rechts sind. Was leider mehr sind, als man so glaubt (um die 8% aller Deutschen haben ein geschlossen (!) rechtsextremes Weltbild). Die Sorge bleibt: Wenn die NPD weg ist, was kommt dann? Etwas radikaleres, etwas, was mehr Einfluss hat?
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