Betrunken am Steuer Kirche spricht Käßmann Vertrauen aus

Margot Käßmanns Blutprobe war eindeutig - das erste Urteil auch: In einer nächtlichen Krisensitzung bekannte sich der Rat der Evangelischen Kirche zu seiner Vorsitzenden.


Hannover - In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz am späten Dienstagabend stellten sich die 14 Mitglieder des Rates einmütig hinter Margot Käßmann, teilte EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick am Mittwoch mit. Auf der nächsten regulären Ratssitzung in dieser Woche solle der Fall abschließend bewertet werden. "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", hieß es in der Mitteilung.

Die EKD-Chefin war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens, eines VW Phaetons, gestoppt worden. Sie hatte zuvor im Zentrum von Hannover eine rote Ampel missachtet.

Rücktritt schon 2007 erwogen

Neben der EKD muss sich auch die hannoversche Landeskirche mit dem Vergehen ihrer Bischöfin auseinandersetzen. Einen Rücktritt hatte Käßmann bereits 2007 nach ihrer Scheidung erwogen, war wegen des klaren und großen Rückhalts aus der Landeskirche aber im Amt geblieben.

Für den Fall eines Rückzuges von der EKD-Spitze stünde Käßmanns Stellvertreter bereit, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Formell droht der Bischöfin als kircheninterne Konsequenz eine Rüge.

Fotostrecke

10  Bilder
Margot Käßmann: Bischöfin in der Bredouille
Am Dienstagabend hatte sich erstmals ein führendes EKD-Mitglied zu der Trunkenheitsfahrt öffentlich geäußert. "Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt", sagte die Präses der EKD-Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der "Tagesschau". Sie wisse aus persönlichen Gesprächen mit Käßmann, dass diese über ihr Fehlverhalten selbst am meisten betroffen sei. "Und deswegen respektiere ich, dass sie sich jetzt zurückzieht für eine Zeit." Käßmann hat sämtliche Termine in dieser Woche abgesagt.

"Grober Fehler"

Göring-Eckardt betonte, sie schätze wie viele andere auch die Arbeit Käßmanns als EKD-Ratsvorsitzende "außerordentlich". Als Präses der Synode, des EKD-Kirchenparlaments, steht Göring-Eckardt an der Spitze einer der wichtigsten EKD-Gremien.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) setzt darauf, dass Bischöfe und Landeskirche der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann weiterhin Rückendeckung geben. "Ich hoffe, dass die Gläubigen der Landeskirche Niedersachsen und die Bischofskollegen der EKD zu Frau Käßmann stehen und sie stützen. Dann wird sie auch diesen groben Fehler heil überstehen", sagte Thierse den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Kölnischen Rundschau". Geistliche seien auch nur Menschen, die Heiligkeit der Kirche beziehe sich nicht auf die Heiligkeit der Amtsträger.

"Frau Käßmann genießt durch ihre öffentlichen Bekenntnisse zu ihrer Scheidung und Krebserkrankung einen großen Sympathievorsprung. Ich glaube nicht, dass dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist", sagte Thierse weiter. Er bedauerte eine verbreitete Häme als Grundton der politischen Kommunikation: "Ein bevorzugtes Objekt ist jeder, der in irgendeiner Weise moralische Autorität beansprucht oder besitzt. Moralische Autoritäten sind offenbar für hämische Menschen schwer zu ertragen. Wenn es Anlass gibt, stürzen sie sich drauf."

jdl/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 365 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dummermensch 24.02.2010
1. Kein Vertrauen
Zitat von sysopMargot Käßmanns Blutprobe war eindeutig - das erste Urteil auch: In einer nächtlichen Krisensitzung bekannte sich der Rat der Evangelischen Kirche zu seiner Vorsitzenden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,679935,00.html
Mein Vertrauen hat sie nicht.
nicolai-bruno 24.02.2010
2. Bye!
Zitat von sysopMargot Käßmanns Blutprobe war eindeutig - das erste Urteil auch: In einer nächtlichen Krisensitzung bekannte sich der Rat der Evangelischen Kirche zu seiner Vorsitzenden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,679935,00.html
Das ist völlig in Ordnung. Allerdings wird er ihr auch sagen, dass sie jetzt hurtig von sich aus ihren Hut nehmen soll.
Stefanie Bach, 24.02.2010
3. Respekt
Zitat von sysopMargot Käßmanns Blutprobe war eindeutig - das erste Urteil auch: In einer nächtlichen Krisensitzung bekannte sich der Rat der Evangelischen Kirche zu seiner Vorsitzenden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,679935,00.html
Das ist ein mutiger und richtiger Schritt des Rates der Evangelischen Kirche. Margot Käßmann hat diese Solidarität verdient, sie ist eine große Bereicherung des öffentlichen Lebens in Deutschland. Mut zu Vertrauen, Gerechtigkeit und Solidarität (http://www.plantor.de/2009/mut-zu-vertrauen-gerechtigkeit-und-solidaritaet/)
FastFertig, 24.02.2010
4. Warum auch nicht...
... die Kirche deckt doch sonst auch alle möglichen Untaten ihrer Priester. Letztlich säuft sie ja nur, weil es sich um eine Prüfung von diesem Gott da handelt. Der wird schon wissen, warum sie das macht. Das kann man nicht verurteilen. Anders als bei Heiden. Denen würde man bei solchen Taten sicherlich den Kopf abschlagen, so wie die Kirche das schon immer gemacht hat. Ungläubige, aus Sicht der Kirche sind das gar keine richtigen Menschen, stimmts?
Chatten_ODW 24.02.2010
5. Das war's dann
Das war's dann f. mich in der EV Kirche. Empfand ich bereits das Gutmenschengequatsche bez. Afgh. als "Dummgelaber vom Mond" ist nun der Punkt erreicht an dem ich mir sicher bin das diese Kirche nicht mehr meine ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.